Kinga Głyk ist die jüngste Jazzsensation. Fotos: Johannes Dürr

ROTTWEIL – Für einen Mon­tag­abend ist die Alte Stall­hal­le gut gefüllt – es scheint sich her­um­ge­spro­chen zu haben, dass da ein jun­ges Aus­nah­me­ta­lent beim Rott­wei­ler Jazz­fest auf­schlägt. Was sich für die Zuhö­rer übri­gens rasch bestä­tigt: Die zwan­zig­jäh­ri­ge Bas­sis­tin Kin­ga Głyk rockt mit ihrer Band mal eben die Hal­le. Wow!

Da haben die Fes­ti­val­ma­cher ein fei­nes Händ­chen gehabt: Kin­ga Głyk ist die jüngs­te Jazz­sen­sa­ti­on, eine pol­ni­sche Front­frau, die euro­pa­weit – und im Inter­net – Furo­re macht. Sehr boden­stän­dig, sehr fami­li­en­nah tritt sie in Rott­weil auf – Vater (Vibra­phon) und Bru­der (Ton­tech­nik) sind mit am Start, dem klei­nen Nef­fen wid­met sie einen eige­nen Song.

Wenn indes Kin­ga am Bass mit Pawel Tomas­zew­ski an den Tas­ten, David Hay­nes am Schlag­zeug und immer wie­der Irek Głyk am Vibra­phon los­legt, dann tobt kein klei­ner Sturm, son­dern ein aus­ge­wach­se­ner Jazz­tor­na­do durch die Hal­le, der blitz­schnell in einen flüs­tern­den Wind­hauch umschlägt und als­bald wie­der mit mäch­ti­gem Getö­se braust.

Wuch­ti­ge Drum­beats, inti­me Pia­no- und sägen­de Syn­thie­se­quen­zen, geschickt ein­ge­bun­de­ne Vibra­phon­raf­fi­nes­sen und furio­se Bass­läu­fe: Was hier jeder der Prot­ago­nis­ten als Solist und Ensem­ble­mit­glied aus sei­nem Instru­ment her­aus­holt, ist auf spie­le­risch höchs­tem Niveau und lotet har­mo­nisch wie dyna­misch die Gren­zen von Jazz, Funk und Blues aus.

Applaus bran­det immer wie­der von Neu­em auf, das Publi­kum ist rest­los begeis­tert. Viel zu schnell ist die Zeit ver­flo­gen, kommt als Zuga­be noch die ganz eige­ne Umset­zung von Eric Clap­tons „Tears in Hea­ven“ als Solo­stück für Bass – und dann freut sich Kin­ga Głyk über vie­le per­sön­li­che Begeg­nun­gen.

Sie bekommt sie auch, an ihrem Mer­chan­di­singstand, der anrei­se­be­dingt aus kaum mehr als einem Tisch und einem klei­nen Sta­pel CDs besteht. Kin­ga strahlt, grinst, spricht mit jedem und schüt­telt zahl­rei­che Hän­de. Wir wer­den sie wie­der­se­hen. Hof­fent­lich in Rott­weil. Wer nicht war­ten kann: Im Herbst ist sie in Karls­ru­he und Frei­burg zu Gast.