Großeinsatz der Feuerwehr Rottweil in der Innenstadt – nur eine Übung

Szenario: ein Brandausbruch in der Volksbank-Tiefgarage

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Spektakulär: die geübte Rettung von im Rauch eingeschlossenen Menschen aus dem Dachgeschoss der Volksbank Rottweil. Foto: gg

Groß­ein­satz in der his­to­ri­schen Innen­stadt: Die Feu­er­wehr Rott­weil rück­te am Abend in  zur Volks­bank in der Hoch­brück­tor­stra­ße aus. Und zwar mit Mann und Maus, 50 Ein­satz­kräf­ten in neun Fahr­zeu­gen. Hin­ter­grund ist eine groß­an­ge­leg­te, mög­lichst rea­li­täts­na­he Übung der Kern­stadt­wehr. Kein ech­ter Brand.

Das Feu­er­dra­ma im benach­bar­ten Vil­lin­gen in der Nacht auf Mitt­woch macht die Bri­sanz eines sol­chen Ein­satz­sze­na­ri­os deut­lich: eines Bran­des in der his­to­ri­schen, dicht bebau­ten Innen­stadt. Dort hat­te ein Feu­er gewü­tet, meh­re­re Men­schen­le­ben bedroht. Es war nur mit Mühe in den Griff zu bekom­men. Ein tech­ni­scher Defekt in einem Ver­tei­ler­kas­ten im Dach­ge­schoss soll den Brand aus­ge­löst haben. Auch in Rott­weil hat­te unlängst ein Strah­ler zu bren­nen begon­nen. Eines schö­nen Sonn­tag­mor­gens, ohne Vor­war­nung und Gott sei Dank von einer auf­merk­sa­men Pas­san­tin wahr­ge­nom­men.

Die Rott­wei­ler Feu­er­wehr hat die heu­ti­ge Übung schon vor dem Vil­lin­ger Feu­er­dra­ma ange­setzt. Volk­mar Caduff obliegt es als Stell­ver­tre­ter des Kom­man­dan­ten nach Infor­ma­tio­nen der NRWZ, die Übung zu lei­ten. Caduff ist auch Abtei­lungs­kom­man­dant der Ein­satz­ab­tei­lung Rott­weil. Für den heu­ti­gen Don­ners­tag­abend hat zudem Rolf Peter­witz die  Auf­ga­be, die rea­li­täts­na­he Übung in der Kern­stadt zu pla­nen. Es soll­te eine nicht-ange­kün­dig­te Übung wer­den, von der nur der Füh­rungs­stab wis­sen soll­te. Und ganz weni­ge Leu­te von der Volks­bank. Und die Pres­se, aber die soll­te das für sich behal­ten. Und, naja, aus Ver­se­hen haben es dann auch die Schwa­bo­le­ser erfah­ren …

Das ange­nom­me­ne Sze­na­rio: ein Brand­aus­bruch im Bereich der Volks­bank-Tief­ga­ra­ge. Meh­re­re Ver­letz­te, die aus dem Gebäu­de geret­tet wer­den müs­sen. Die­se wer­den vom jugend­li­chen Feu­er­wehr­nach­wuchs gemimt. Im Dach­ge­choss des Bank­ge­bäu­des waren sie im Rauch gefan­gen – rea­lis­tisch erzeugt mit einer Nebel­ma­schi­ne, wenn­gleich Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler den ech­ten Rauch als dunk­ler, hei­ßer, gif­ti­ger beschreibt. Dann kamen die Ret­ter die Trep­per hin­auf und von außen per Dreh­lei­ter und Hub­ar­beits­büh­ne an die Fens­ter und hiev­ten einen nach dem ande­ren ins Freie.

Die beson­de­re Schwie­rig­keit beim Ein­satz: Die Tief­ga­ra­ge des Bank­ge­bäu­des befin­det sich auf des­sen Rück­sei­te. Anzu­fah­ren über all­zu enge Gas­sen. Vor­bei etwa an Anwoh­ner-Park­plät­zen samt nicht ganz am rand gepark­ten Autos, Blu­men­kü­beln, Mini-Vor­gärt­chen und Müll­ei­mern. Das war eine Her­aus­for­de­rung für die Fah­rer der Groß­fahr­zeu­ge. Zwei wur­den durch die Gas­sen diri­giert.

Und vor­ne, an der Hoch­brück­tor­stra­ße war die Flä­che zuge­parkt. Das aber ist für die Rott­wei­ler Feu­er­wehr ganz offen­bar kein Pro­blem. Die Dreh­lei­ter wur­de auf der Stra­ße abge­stellt, sie reicht von dort bis in den obers­ten Stock. Ihre aus­fahr­ba­ren Stüt­zen umrah­men dann ein gepark­tes Auto, kein Pro­blem.

Und die Hub­ar­beits­büh­ne wur­de rück­wärts ein klei­nes Stück die Gra­fen­gas­se hin­ab gezir­kelt. Von dort kann sie die Front der Volks­bank, aber auch die Gie­bel­sei­te anfah­ren. Und Men­schen ret­ten.

Gegen 19.40 Uhr kam der Alarm. Aus­ge­löst im Volks­bank­ge­bäu­de. Per Ziga­ret­te. Alle drei Kern­stadt­lösch­zü­ge waren an die Übungs-Ein­satz­stel­le geru­fen wor­den. Ohne Mar­tins­horn, das darf zu Übungs­zwe­cken nur ein­mal im Jahr ver­wen­det wer­den. Aber mit Blau­licht.

Im Ernst­fall wäre noch ein Ein­satz­leit­fahr­zeug dabei, und der Lösch­zug aus der Alt­stadt, erklär­te Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler. Und die Hoch­brück­tor­stra­ße wäre gesperrt wor­den, damit die Ein­satz­kräf­te Platz haben. Und das Rote Kreuz wäre da, um die Ver­letz­ten zu über­neh­men, und, und, und.

Den­noch war die Übung sehr rea­li­täts­nah. Nach einem kur­zen, zacki­gen Hin­weis von  Abtei­lungs­kom­man­dant Caduff nah­men die Feu­er­wehr­leu­te Tem­po auf. Sie roll­ten Schläu­che aus, dran­gen mit Atem­schutz ins Gebäu­de vor, ret­te­ten die vor­geb­lich Ver­letz­ten, zapf­ten Hydran­ten an, regel­ten den Ver­kehr, dran­gen zu den Fens­tern mit den um Hil­fe rufen­den jun­gen Leu­ten vor und erle­dig­ten damit alles, was ein sol­cher Ein­satz­er­for­dert. Stadt­brand­meis­ter Mül­ler zeig­te sich im Anschluss sehr zufrie­den. Viel­leicht wer­de der Hin­weis noch ans Ord­nungs­amt gehen, dass die Anwoh­ner mal wie­der gebe­ten wer­den könn­ten, die Autos auch wirk­lich an die Häu­ser­wän­de zu fah­ren und nicht zu weit in den Gas­sen zu par­ken (manch ein Wagen ist eilig fort­ge­fah­ren wor­den, als die Lösch­fahr­zeu­ge in die Gas­sen vor­rück­ten). Aber sonst habe eigent­lich alles gut funk­tio­niert, so Mül­ler.