Die Grünen Hubert Nowack und Sandra Detzer ließen sich von Heiner Maute die Bildungsakademie zeigen. Foto: Moni Marcel

ROTTWEIL – Dr. San­dra Det­zer, Lan­des­vor­sit­zen­de der Grü­nen,  besuch­te gemein­sam mit dem Rott­wei­ler Bun­des­tags­kan­di­da­ten Hubert Nowack die Rott­wei­ler Bil­dungs­aka­de­mie, wo jähr­lich etwa 4000 Hand­wer­ker aus- und fort­ge­bil­det wer­den.

Sie kom­men teil­wei­se von weit her, wie Lei­ter Hei­ner Mau­te berich­te­te. So habe es sich wohl her­um­ge­spro­chen, dass gera­de die Meis­ter­kur­se für Zim­me­rer beliebt sind. Hier kämen die Teil­neh­mer sogar aus Bay­ern, obwohl sie, wenn sie dort ihren Meis­ter machen, vom Land 1000 Euro im Monat bekä­men. Ein wenig erstaun­lich fand das die Poli­ti­ke­rin: Man habe jetzt erheb­li­che Dis­kus­sio­nen um die Stu­di­en­ge­büh­ren, und hier sei es selbst­ver­ständ­lich, dass die ange­hen­den Meis­ter ihre Aus­bil­dung selbst finan­zier­ten.

Beliebt sind inzwi­schen auch die zwei­wö­chi­gen Ange­bo­te für Schu­len, hier kön­nen die Schü­ler in ver­schie­dens­te Hand­werks­be­ru­fe hin­ein­schnup­pern. Dass das nötig ist ange­sichts immer mehr leer­blei­ben­der Aus­bil­dungs­plät­ze, da waren sich Mau­te und Det­zer einig. Fast alle Schu­len aus der Umge­bung mach­ten mit, lei­der aber nicht die Gym­na­si­en, die errei­che man ein­fach nicht, so Mau­te. Der manch Haus­auf­ga­be mit nach Stutt­gart gab.

Ein Ange­bot für Flücht­lin­ge, das sie an die Aus­bil­dungs­be­ru­fe her­an­brin­gen soll­te, sei geschei­tert, dabei habe man schon alles vor­be­rei­tet gehabt, die Dozen­ten stan­den Gewehr bei Fuß, die Stun­den­plä­ne waren gemacht. Doch das Pro­blem war die unter­schied­li­che Finan­zie­rung. So sei der Part des Pro­jekts, das das Job­cen­ter bezahl­te, gut ange­kom­men, da hier Druck aus­ge­übt wer­den konn­te: Wer nicht mit­mach­te, krieg­te weni­ger Geld.

Der zwei­te Teil aber, zu dem auch die Ver­mitt­lung in Betrie­be gehör­te, wur­de vom Bund finan­ziert und war rein frei­wil­lig. Drei Teil­neh­mer hät­ten sich wirk­lich dafür inter­es­siert, beton­te Mau­te, und die wären jetzt auch unter­ge­kom­men, aber auf den Rest habe man ein­fach kei­nen Zugriff mehr. Dabei sei im Pro­jekt sogar sozi­al­päd­ago­gi­sche Beglei­tung vor­ge­se­hen gewe­sen – für die jun­gen Flücht­lin­ge unab­ding­bar, fin­det er.

The­ma war aber auch der Min­dest­lohn und die Tat­sa­che, dass Bäcker, Ver­käu­fe­rin­nen und gera­de ange­stell­te Fri­seu­re so schlecht ver­die­nen, dass sie kaum davon leben kön­nen. Und der Man­gel an Fach­kräf­ten, dem die Bil­dungs­aka­de­mie, eine  Ein­rich­tung der Hand­werks­kam­mer, nach Kräf­ten ent­ge­gen­steu­ert. So fehlt es beson­ders an Elek­tri­kern: Hier ist die Nach­fra­ge ange­sichts der Digi­ta­li­sie­rung rie­sig, doch am geeig­ne­ten Nach­wuchs fehlt es. „Die ertrin­ken in Arbeit. Und die guten Gesel­len machen sich selbst­stän­dig.“

Hin­ge­gen sei­en die Zah­len bei den Zim­me­rern gut, da füll­ten die Lehr­lin­ge im letz­ten Jahr sogar zwei Klas­sen. Die Zim­mer­leu­te fie­len posi­tiv auf, so Mau­te, nicht nur durch ihre Klei­dung, hier sei­en oft auch Abitu­ri­en­ten oder gute Real­schü­ler dabei. Und in den Schrein­er­klas­sen sogar immer wie­der Mäd­chen, die sonst in den Hand­werks­be­ru­fen eine Sel­ten­heit sind. Bei den Mau­rern sin­ke die Zahl der Azu­bis dage­gen kon­ti­nu­ier­lich, Mäd­chen fin­de man hier so gut wie nie.

Die Ein­rich­tung der Hand­werks­kam­mer hat aber sonst gro­ßen Erfolg, wovon sich die Poli­ti­ke­rin aus­gie­big ein Bild machen konn­te. In der Schrei­ner­werk­statt kam San­dra Det­zer mit den jun­gen Lehr­lin­gen ins Gespräch, ließ sich ver­schie­de­ne Holz­ver­bin­dun­gen zei­gen und freu­te sich dar­über, dass die Lehr­lin­ge sehr auf Sau­ber­keit ach­ten. Am Ende gab es noch ein Geschenk für den Besuch aus Stutt­gart: Werk­statt­lei­ter Jür­gen Pom­petz­ki über­reich­te der Poli­ti­ke­rin einen hand­ge­ar­bei­te­ten Hocker aus Buchen­holz.