Hängebrücke: Weitere Stadträte sauer wegen der Informationspolitik der Rottweiler Verwaltung

"Nicht nur die Brücke braucht ein gutes Fundament"

Visualisierung der Hängebrücke Rottweil. Fotos: Eberhardt IMMO GmbH

Jetzt gibt’s Saures für die Rottweiler Stadtverwaltung: Die Hängepartie um die geplante Fußgänger-Hängebrücke, die offenkundigen Machenschaften hinter den Kulissen erregen den Unmut von immer mehr Stadträten. Nach Jens Jäger (fraktionslos), der eine Dialoggruppe gefordert hat, und Günter Posselt (CDU), der die mangelnde Kommunikation von OB Broß gerügt hat, meldet sich jetzt der Grüne Hubert Nowack zu Wort. Er spricht von einer „verworrenen Situation.“ UPDATE: Auch FFR hat sich zu Wort gemeldet. Die Leute vom Rottweiler Forum sind ebenfalls stinkig (siehe Artikelende).

Hubert Nowack. Foto: mm

Hubert Nowack versteht die Welt nicht mehr. „Beim Vororttermin am 18. Oktober alles Friede, Freude, Eierkuchen, beste Stimmung“, konstatiert der Fraktionssprecher von Bündnis90/DIE GRÜNEN . Und „jetzt erfahren wir, dass schon seit drei Monaten ein zweiter Investor am Start ist und hinter den Kulissen alles schon geregelt ist“, so Nowack in einem „Statement zum Rottweiler Hängebrücken-Gaigel“, wie er die Partie nennt, weiter.

Nowack schaut zurück: „Herr Eberhardt kommt schon mit dem Messroller, um die genaue Distanz von der Felsnase über den Acker zum Turm zu ermitteln“, erinnert sich der Stadtrat. Es war ein sonniger Oktobertag, an dem sich der Bauausschuss, angeführt von der Stadtspitze, den möglichen Einstiegspunkt von Eberhardts Brücke am Berner Feld hat zeigen lassen.

Was damals auch der NRWZ auffiel: Eberhardt habe sich „komischer Weise eher unauffällig im Hintergrund“ gehalten, sei auch nicht offiziell begrüßt worden. Hier schießen die Spekulationen in der Stadt ins Kraut – warum handelt die Stadtverwaltung so? Warum wird ein Millionen-Investor, der ein von allen Seiten gewünschtes Bindeglied zwischen thyssenkrupp-Aufzugtestturm und Innenstadt schaffen will, so behandelt? Warum sagt Bürgermeister Dr. Christian Ruf ein ausgemachtes Gespräch mit der NRWZ kurzfristig ab und lässt den Pressesprecher knapp antworten?

Erklärungen gibt es mehrere. Das Problem: Jeder kann sich selbst einen Grund für das Verhalten der Stadt ausmalen. Bis gestern. Seit gestern nämlich liegt eine Stellungnahme der Stadtverwaltung vor. Darin reagiert Oberbürgermeister Ralf Broß auf die jüngsten Berichte in den örtlichen Medien zum Projekt Fußgänger-Hängebrücke und einem möglichen zweiten Bauabschnitt.

In dieser Pressemitteilung kündigt Broß einen Dreier an: ein Projekt mit den Beteiligten Stadtverwaltung, dem Investor eins, Günter Eberhardt, und Investor zwei, Joachim Glatthaar. Broß erklärt – und vielleicht ist es symptomatisch für die aktuelle Situation, dass er den Nachnamen Eberhardts teils falsch schreibt: 

Ein weiterer Investor, Joachim Glatthaar,  hat nun signalisiert, sich mit den Besitzern der fehlenden Grundstücke geeinigt zu haben und so den zweiten Brückenschlag zum Berner Feld – in Ergänzung zum Projekt von Herrn Eberhard – realisieren zu können. Wir begrüßen das Engagement von Herrn Glatthaar, denn dies ist für uns eine Chance, das Ziel einer direkten Verbindung Stadt – Berner Feld zeitnah zu erreichen. Daher war es für uns richtig, mit Herrn Glatthaar ins Gespräch zu gehen und Möglichkeiten einer Umsetzung auszuloten. Im Interesse der Stadt und ihrer Bürger ist es unsere Aufgabe, alle Chancen zu nutzen, eine bestmögliche Lösung zu erreichen. Die Gespräche erfolgen ergebnisoffen, setzen jedoch einen Konsens aller Beteiligten voraus. Wir wollen keinesfalls den gemeinsamen Projekterfolg mit Herrn Eberhardt gefährden.

Nowack wiederum muss konstatieren, dass Glatthaar etwas gelungen zu sein scheint, was Eberhardt nicht geschafft hat, jeweils nach den Aussagen der beiden Investoren: „Die beiden strategisch wichtigen Anlandegrundstücke der Hängebrücke hat sich Herr Glatthaar  schon gesichert, somit hat er auch die Trümpfe in diesem Gaigel in der Hand.“ Es geht um die umstrittenen Grundstücke am Steinbruch und am Schafwasen der Eigentümern Benedikt Becker und Kurt Schellenberg.

Der Grüne Nowack sieht sich da in einer Linie mit Jens Jäger, der die Verhandlungen und die Brücke offenbar aus dem stillen Kämmerlein an die Öffentlichkeit bringen und einem größeren Personenkreis zugänglich machen will, und Günter Posselt, der festhält, dass die Kommunikation besser werden müsse. Nowack: „Wir Stadträte sind auf die Zuschauerränge verbannt und können nur den Kopf schütteln, weil ratlos ob der verworrenen Situation.“

Es gelte nun, seitens der Verwaltung schnellstmöglich Klarheit zu schaffen und die vorhandenen Informationen an den Gemeinderat weiter zu geben, fordert Nowack. Er schließt: Eberhardt „als williger und offener Partner auch in anderen Fragen wie etwa E-Bike-Stationen, braucht als Unternehmer Klarheit für seine Entscheidungen, wir als Gemeinderäte aber auch. Nicht nur die Brücke braucht ein gutes Fundament.“

FFR fordert von OB Broß mehr Transparenz gegenüber Bürgern und Gremien

Die aktuellen Entwicklungen zum Thema Hängebrücke verärgerten die Mitglieder von FFR in ihrer jüngsten Sitzung am Montagabend. Sie fordern von OB Ralf Broß vehement, mehr Transparenz gegenüber Bürgern und Gremien zu zeigen. Das erklärt FFR am Dienstag in einer Pressemitteilung. Zum einen halte Broß mit Informationen gegenüber dem Gemeinderat hinter dem Berg, zum anderen verprelle er den lange gehegten Investor Günter Eberhardt. „Seit Monaten verhandelt die Verwaltung mit einem zweiten Investor, und der Gemeinderat weiß nichts davon“, kritisiert FFR-Stadträtin Heide Friederichs. Selbst auf ihre Nachfrage in nichtöffentlicher Sitzung am 25. Oktober, wer denn als zweiter Investor im Gespräch sei, habe der Gemeinderat keine Antwort erhalten.

FFR hat für die momentane Sachlage kein Verständnis: „So kann man doch nicht mit seinem Investor umgehen“, erklärt FFR-Stadtrat Reiner Hils als Reaktion auf die jüngste Meldung in der Presse. Aus der geht hervor, dass die Grundstücke, die eine Verlängerung der Hängebrücke ermöglichen, bereits an den zweiten Investor Joachim Glatthaar verkauft seien. Er habe bereits beim Treffen auf dem Berner Feld am 18. Oktober die Stimmung eigenartig gefunden, sagt Hils. Für FFR ist dies erneut ein Zeichen dafür, dass der OB allzu häufig in Alleinherrschermanier hinter verschlossenen Türen kungelt und keine transparente Verwaltung pflegt. FFR schließt: „Das muss sich ändern!“

 

 

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