Hängebrücke: Weitere Stadträte sauer wegen der Informationspolitik der Rottweiler Verwaltung

"Nicht nur die Brücke braucht ein gutes Fundament"

1695
Visualisierung der Hängebrücke Rottweil. Fotos: Eberhardt IMMO GmbH

Jetzt gibt’s Sau­res für die Rott­wei­ler Stadt­ver­wal­tung: Die Hän­ge­par­tie um die geplan­te Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke, die offen­kun­di­gen Machen­schaf­ten hin­ter den Kulis­sen erre­gen den Unmut von immer mehr Stadt­rä­ten. Nach Jens Jäger (frak­ti­ons­los), der eine Dia­log­grup­pe gefor­dert hat, und Gün­ter Pos­selt (CDU), der die man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­on von OB Broß gerügt hat, mel­det sich jetzt der Grü­ne Hubert Nowack zu Wort. Er spricht von einer „ver­wor­re­nen Situa­ti­on.“ UPDATE: Auch FFR hat sich zu Wort gemel­det. Die Leu­te vom Rott­wei­ler Forum sind eben­falls stin­kig (sie­he Arti­kel­en­de).

Hubert Nowack. Foto: mm

Hubert Nowack ver­steht die Welt nicht mehr. „Beim Vor­ort­ter­min am 18. Okto­ber alles Frie­de, Freu­de, Eier­ku­chen, bes­te Stim­mung“, kon­sta­tiert der Frak­ti­ons­spre­cher von Bündnis90/DIE GRÜNEN . Und „jetzt erfah­ren wir, dass schon seit drei Mona­ten ein zwei­ter Inves­tor am Start ist und hin­ter den Kulis­sen alles schon gere­gelt ist“, so Nowack in einem „State­ment zum Rott­wei­ler Hän­ge­brü­cken-Gai­gel“, wie er die Par­tie nennt, wei­ter.

Nowack schaut zurück: „Herr Eber­hardt kommt schon mit dem Mess­rol­ler, um die genaue Distanz von der Fels­na­se über den Acker zum Turm zu ermit­teln“, erin­nert sich der Stadt­rat. Es war ein son­ni­ger Okto­ber­tag, an dem sich der Bau­aus­schuss, ange­führt von der Stadt­spit­ze, den mög­li­chen Ein­stiegs­punkt von Eber­hardts Brü­cke am Ber­ner Feld hat zei­gen las­sen.

Was damals auch der NRWZ auf­fiel: Eber­hardt habe sich „komi­scher Wei­se eher unauf­fäl­lig im Hin­ter­grund“ gehal­ten, sei auch nicht offi­zi­ell begrüßt wor­den. Hier schie­ßen die Spe­ku­la­tio­nen in der Stadt ins Kraut – war­um han­delt die Stadt­ver­wal­tung so? War­um wird ein Mil­lio­nen-Inves­tor, der ein von allen Sei­ten gewünsch­tes Bin­de­glied zwi­schen Thys­sen-Krupp-Auf­zug­test­turm und Innen­stadt schaf­fen will, so behan­delt? War­um sagt Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf ein aus­ge­mach­tes Gespräch mit der NRWZ kurz­fris­tig ab und lässt den Pres­se­spre­cher knapp ant­wor­ten?

Erklä­run­gen gibt es meh­re­re. Das Pro­blem: Jeder kann sich selbst einen Grund für das Ver­hal­ten der Stadt aus­ma­len. Bis ges­tern. Seit ges­tern näm­lich liegt eine Stel­lung­nah­me der Stadt­ver­wal­tung vor. Dar­in reagiert Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß auf die jüngs­ten Berich­te in den ört­li­chen Medi­en zum Pro­jekt Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke und einem mög­li­chen zwei­ten Bau­ab­schnitt.

In die­ser Pres­se­mit­tei­lung kün­digt Broß einen Drei­er an: ein Pro­jekt mit den Betei­lig­ten Stadt­ver­wal­tung, dem Inves­tor eins, Gün­ter Eber­hardt, und Inves­tor zwei, Joa­chim Glatt­haar. Broß erklärt – und viel­leicht ist es sym­pto­ma­tisch für die aktu­el­le Situa­ti­on, dass er den Nach­na­men Eber­hardts teils falsch schreibt: 

Ein wei­te­rer Inves­tor, Joa­chim Glatt­haar,  hat nun signa­li­siert, sich mit den Besit­zern der feh­len­den Grund­stü­cke geei­nigt zu haben und so den zwei­ten Brü­cken­schlag zum Ber­ner Feld – in Ergän­zung zum Pro­jekt von Herrn Eber­hard – rea­li­sie­ren zu kön­nen. Wir begrü­ßen das Enga­ge­ment von Herrn Glatt­haar, denn dies ist für uns eine Chan­ce, das Ziel einer direk­ten Ver­bin­dung Stadt – Ber­ner Feld zeit­nah zu errei­chen. Daher war es für uns rich­tig, mit Herrn Glatt­haar ins Gespräch zu gehen und Mög­lich­kei­ten einer Umset­zung aus­zu­lo­ten. Im Inter­es­se der Stadt und ihrer Bür­ger ist es unse­re Auf­ga­be, alle Chan­cen zu nut­zen, eine best­mög­li­che Lösung zu errei­chen. Die Gesprä­che erfol­gen ergeb­nis­of­fen, set­zen jedoch einen Kon­sens aller Betei­lig­ten vor­aus. Wir wol­len kei­nes­falls den gemein­sa­men Pro­jekt­er­folg mit Herrn Eber­hardt gefähr­den.

Nowack wie­der­um muss kon­sta­tie­ren, dass Glatt­haar etwas gelun­gen zu sein scheint, was Eber­hardt nicht geschafft hat, jeweils nach den Aus­sa­gen der bei­den Inves­to­ren: „Die bei­den stra­te­gisch wich­ti­gen Anlan­de­grund­stü­cke der Hän­ge­brü­cke hat sich Herr Glatt­haar  schon gesi­chert, somit hat er auch die Trümp­fe in die­sem Gai­gel in der Hand.“ Es geht um die umstrit­te­nen Grund­stü­cke am Stein­bruch und am Schaf­wa­sen der Eigen­tü­mern Bene­dikt Becker und Kurt Schel­len­berg.

Der Grü­ne Nowack sieht sich da in einer Linie mit Jens Jäger, der die Ver­hand­lun­gen und die Brü­cke offen­bar aus dem stil­len Käm­mer­lein an die Öffent­lich­keit brin­gen und einem grö­ße­ren Per­so­nen­kreis zugäng­lich machen will, und Gün­ter Pos­selt, der fest­hält, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on bes­ser wer­den müs­se. Nowack: „Wir Stadt­rä­te sind auf die Zuschau­er­rän­ge ver­bannt und kön­nen nur den Kopf schüt­teln, weil rat­los ob der ver­wor­re­nen Situa­ti­on.“

Es gel­te nun, sei­tens der Ver­wal­tung schnellst­mög­lich Klar­heit zu schaf­fen und die vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen an den Gemein­de­rat wei­ter zu geben, for­dert Nowack. Er schließt: Eber­hardt „als wil­li­ger und offe­ner Part­ner auch in ande­ren Fra­gen wie etwa E‑Bike-Sta­tio­nen, braucht als Unter­neh­mer Klar­heit für sei­ne Ent­schei­dun­gen, wir als Gemein­de­rä­te aber auch. Nicht nur die Brü­cke braucht ein gutes Fun­da­ment.“

FFR for­dert von OB Broß mehr Trans­pa­renz gegen­über Bür­gern und Gre­mi­en

Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zum The­ma Hän­ge­brü­cke ver­är­ger­ten die Mit­glie­der von FFR in ihrer jüngs­ten Sit­zung am Mon­tag­abend. Sie for­dern von OB Ralf Broß vehe­ment, mehr Trans­pa­renz gegen­über Bür­gern und Gre­mi­en zu zei­gen. Das erklärt FFR am Diens­tag in einer Pres­se­mit­tei­lung. Zum einen hal­te Broß mit Infor­ma­tio­nen gegen­über dem Gemein­de­rat hin­ter dem Berg, zum ande­ren ver­prel­le er den lan­ge geheg­ten Inves­tor Gün­ter Eber­hardt. „Seit Mona­ten ver­han­delt die Ver­wal­tung mit einem zwei­ten Inves­tor, und der Gemein­de­rat weiß nichts davon“, kri­ti­siert FFR-Stadt­rä­tin Hei­de Frie­de­richs. Selbst auf ihre Nach­fra­ge in nicht­öf­fent­li­cher Sit­zung am 25. Okto­ber, wer denn als zwei­ter Inves­tor im Gespräch sei, habe der Gemein­de­rat kei­ne Ant­wort erhal­ten.

FFR hat für die momen­ta­ne Sach­la­ge kein Ver­ständ­nis: „So kann man doch nicht mit sei­nem Inves­tor umge­hen“, erklärt FFR-Stadt­rat Rei­ner Hils als Reak­ti­on auf die jüngs­te Mel­dung in der Pres­se. Aus der geht her­vor, dass die Grund­stü­cke, die eine Ver­län­ge­rung der Hän­ge­brü­cke ermög­li­chen, bereits an den zwei­ten Inves­tor Joa­chim Glatt­haar ver­kauft sei­en. Er habe bereits beim Tref­fen auf dem Ber­ner Feld am 18. Okto­ber die Stim­mung eigen­ar­tig gefun­den, sagt Hils. Für FFR ist dies erneut ein Zei­chen dafür, dass der OB all­zu häu­fig in Allein­herr­scher­ma­nier hin­ter ver­schlos­se­nen Türen kun­gelt und kei­ne trans­pa­ren­te Ver­wal­tung pflegt. FFR schließt: „Das muss sich ändern!“