Er will den Rottweilern eine Brücke bauen: Günter Eberhardt. Foto: Ralf Graner

Nach kur­zer Krank­heit und erholt von den anschlie­ßen­den Urlaubs­ta­gen hat Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß am Mon­tag zum Tele­fon­hö­rer gegrif­fen, um Gün­ter Eber­hardt, den Inves­tor der  Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke, anzu­ru­fen. Er woll­te Irri­ta­tio­nen, Dis­so­nan­zen und even­tu­el­le Miss­ver­ständ­nis­se klä­ren. „Es war ein offe­nes Gespräch, wir kön­nen uns noch in die Augen schau­en“, berich­te­te Broß im bes­ten Poli­ti­ker-Deutsch auf Anfra­ge. Eber­hardt äußer­te sich zum Gesprächs­kli­ma zurück­hal­tend, nach­dem er am Wochen­en­de gegen­über der NRWZ sein Unver­ständ­nis über das Geba­ren der Stadt deut­lich zum Aus­druck gebracht hat­te. „Wir müs­sen wie­der auf die sach­li­che Ebe­ne zurück­kom­men“, sag­te er.  Gleich­zei­tig zeigt er sich ent­schlos­sen, „die Brü­cke zügig zu bau­en.“

Wir wol­len so schnell wie mög­lich anfan­gen“, betont Eber­hardt. „Am liebs­ten wür­de ich einen Bag­ger mit­ten in die Stadt stel­len, um zu zei­gen, dass wir jetzt mit dem ers­ten Bau­ab­schnitt begin­nen wol­len.“

Klar ist aller­dings: Auch nach der Unter­re­dung auf höchs­ter Ebe­ne blei­ben Unklar­hei­ten:

  • Der Ober­bür­ger­meis­ter lässt kei­nen Zwei­fel dar­an, dass er die län­ge­re Ver­si­on der Brü­cke bis zum Schaf­wa­sen mit 900 Meter will. Aller­dings gibt es bis­her kei­nen ent­spre­chen­den Beschluss des Gemein­de­rats. Mehr noch: Gün­ter Pos­selt, Vor­sit­zen­der der CDU und damit der größ­ten Frak­ti­on, erklär­te auf Anfra­ge, er habe die neu­es­te Ent­wick­lung aus der Zei­tung erfah­ren und kön­ne des­halb kei­ne Stel­lung bezie­hen. Pos­selt macht kei­nen Hehl aus sei­nem Unver­ständ­nis über die Vor­gän­ge der letz­ten Wochen: „Die Kom­mu­ni­ka­ti­on muss bes­ser wer­den.“ Und er bekennt sich klar zu Eber­hardt. „Wir haben mit ihm begon­nen und müs­sen jetzt auch mir ihm wei­ter­ma­chen.“
  • Eber­hardt macht klar, dass er zunächst die 606 Meter lan­ge Ver­si­on vom Bocks­hof bis zum Fels­vor­sprung in Höhe des Stein­bruchs bau­en und den Fuß­weg bis zum Turm mit Attrak­tio­nen bele­ben will. Den zwei­ten Bau­ab­schnitt wol­le er in einer spä­te­ren Pha­se ver­wirk­li­chen. Das Pro­blem ist, dass ihm die bei­den dafür nöti­gen Grund­stü­cke nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Die hat bereits „vor drei Mona­ten“ der Wald­mös­sin­ger Unter­neh­mer Joa­chim Glatt­haar, wie er gegen­über der NRWZ berich­te­te, erwor­ben. Gleich­zei­tig mach­te er klar, dass auch er bau­en will, „im Kon­sens mit Eber­hardt“, wie Glatt­haar betont.
  • Doch einen Kon­sens wird es in die­sem Punkt mit Eber­hardt nicht geben. „Wir wol­len sel­ber ent­schei­den – von Anfang bis zum Ende. Die Fir­ma Eber­hardt braucht nie­mand, der ihr sagt, was sie zu tun hat. Die Plä­ne lie­gen in der Schub­la­de, die Gut­ach­ten sind fer­tig, wir war­ten noch auf die Ver­trä­ge der Stadt.“ Alles soll Mit­te Novem­ber mit der Stadt bespro­chen und gere­gelt wer­den. Dann will Eber­hardt auch sein gesam­tes Kon­zept vor­le­gen.

Ober­bür­ger­meis­ter Broß hat in einer Pres­se­mit­tei­lung am Mon­tag­ab­bend betont: „Die Gesprä­che erfol­gen ergeb­nis­of­fen, set­zen jedoch einen Kon­sens aller Betei­lig­ten vor­aus. Wir wol­len kei­nes­falls den gemein­sa­men Pro­jekt­er­folg mit Herrn Eber­hardt gefähr­den.“

Stadt­rat Jens Jäger hat eine Dia­lolg­grup­pe ange­regt (die NRWZ berich­te­te zuerst). Von der Stadt­ver­wal­tung heißt es, das sei zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht nötig,. Man sei „in inten­si­ven Gesprä­chen mit allen Betei­lig­ten“.

Hier die komplette Pressemitteilung des OBs im Wortlaut:

Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß reagiert auf die jüngs­ten Berich­te in den ört­li­chen Medi­en zum Pro­jekt Fuß­gän­ger­hän­ge­brü­cke und einem mög­li­chen zwei­ten Bau­ab­schnitt:

Die Stadt Rott­weil ver­folgt das Ziel, die his­to­ri­sche Innen­stadt direkt mit dem Ber­ner Feld über eine Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke zu ver­bin­den. Gün­ter Eber­hardt ist unser Inves­tor und Pro­jekt­trä­ger, der sich bereit­erklärt hat, die­se Ver­bin­dung her­zu­stel­len.

Da der Inves­tor über Grund­stü­cke von zwei pri­va­ten Eigen­tü­mern im Bereich des Schaf­wa­sens der­zeit nicht ver­fügt, sieht sei­ne aktu­el­le Pla­nung eine 600 Meter lan­ge Brü­cke von der his­to­ri­schen Innen­stadt bis zu einem Fel­sen auf der ande­ren Neckar­sei­te ober­halb des Stein­bruchs vor. Eine Ver­bin­dung bis zum Ber­ner Feld müss­te dann über einen Fuß­weg erfol­gen, der vom Brü­cken­kopf kom­mend einen wei­te­ren Tal­ein­schnitt umgeht und dadurch die direk­te Brü­cken­ver­bin­dung auf den letz­ten 300 Metern ersetzt. Die­se Lösung wür­de grund­sätz­lich funk­tio­nie­ren.

Ein wei­te­rer Inves­tor, Joa­chim Glatt­haar,  hat nun signa­li­siert, sich mit den Besit­zern der feh­len­den Grund­stü­cke geei­nigt zu haben und so den zwei­ten Brü­cken­schlag zum Ber­ner Feld – in Ergän­zung zum Pro­jekt von Herrn Eber­hard – rea­li­sie­ren zu kön­nen. Wir begrü­ßen das Enga­ge­ment von Herrn Glatt­haar, denn dies ist für uns eine Chan­ce, das Ziel einer direk­ten Ver­bin­dung Stadt – Ber­ner Feld zeit­nah zu errei­chen. Daher war es für uns rich­tig, mit Herrn Glatt­haar ins Gespräch zu gehen und Mög­lich­kei­ten einer Umset­zung aus­zu­lo­ten. Im Inter­es­se der Stadt und ihrer Bür­ger ist es unse­re Auf­ga­be, alle Chan­cen zu nut­zen, eine best­mög­li­che Lösung zu errei­chen. Die Gesprä­che erfol­gen ergeb­nis­of­fen, set­zen jedoch einen Kon­sens aller Betei­lig­ten vor­aus. Wir wol­len kei­nes­falls den gemein­sa­men Pro­jekt­er­folg mit Herrn Eber­hardt gefähr­den.