Hängebrücke Rottweil: Die Ereignisse überschlagen sich

Informationssperre bei der Stadt / Brückenbauer schickt eine Mahnung an die Verwaltung

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Gute Miene zum nicht ganz durchschaubaren Spiel: Brückenbauer Günter Eberhardt. Foto: Peter Arnegger

Im Tau­zie­hen um die geplan­te Hän­ge­brü­cke zwi­schen dem Test­turm und der Rott­wei­ler Innen­stadt bahnt sich eine über­ra­schen­de Ent­wick­lung, wenn nicht eine Wen­de an.

Nach­dem Inves­tor Gün­ter Eber­hardt erklärt hat­te, er wol­le sich zunächst auf die kür­ze­re Ver­si­on mit 606 Meter beschrän­ken, hat sich ein zwei­ter Inves­tor ange­bo­ten (wir berich­te­ten). Es han­delt sich dabei um Joa­chim Glatt­haar, er ist Chef der Glatt­haar-Fer­tig­kel­ler GmbH in Schram­berg-Wald­mös­sin­gen. Sei­ne Plä­ne sind schon wei­ter gedie­hen, als bis­her bekannt. Die Ereig­nis­se um die Brü­cke über­schla­gen sich.

Am Don­ners­tag die­ser Woche hat­te Glatt­haar einen Gesprächs­ter­min bei Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Ruf, der den in Urlaub wei­len­den Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß ver­trat, und wei­te­ren Teil­neh­mern. Über Inhal­te herrscht bei der Stadt­ver­wal­tung eine Art Infor­ma­ti­ons­sper­re.

Bür­ger­meis­ter Ruf sag­te auf Anfra­ge ein fest ver­ein­bar­tes Gespräch kurz­fris­tig ab. Dafür mel­de­te sich der städ­ti­sche Pres­se­spre­cher, der eigent­lich auch Urlaub hat. Er ver­mel­de­te in dür­ren Wor­ten: „Wir wer­den die Gesprächs­in­hal­te mit Herrn Glatt­haar in der kom­men­den Woche, wenn der OB wie­der da ist, bespre­chen, bewer­ten und dann ent­schei­den, wie es wei­ter­geht.“

Joa­chim Glatt­haar. Foto: Stef­fen Löff­ler

Unter­neh­mer Glatt­haar war auf Anfra­ge deut­lich aus­kunfts­freu­di­ger: Er erklär­te frei von der Leber, dass er über die umstrit­te­nen Grund­stü­cke am Stein­bruch und am Schaf­wa­sen ver­han­delt habe und mit den Eigen­tü­mern Bene­dikt Becker und Kurt Schel­len­berg einig sei – und das bereits seit drei Mona­ten. Die bei­den Flä­chen sind nötig, um die län­ge­re Ver­si­on der Brü­cke mit 800 Metern zu rea­li­sie­ren. Becker ken­ne er schon aus Zei­ten, als er noch das Bau­ge­schäft in Rott­weil betrie­ben habe und auch mit Schel­len­berg sei er einig gewor­den. Zu den Kon­di­tio­nen woll­te sich Glatt­haar nicht äußern. An denen waren die Ver­hand­lun­gen mit Eber­hardt geschei­tert. Schel­len­berg sag­te vor einer Woche auf Anfra­ge: „Ich bin bereit. Ich ste­he nicht im Weg.“

Wich­tig sind Glatt­haar, wie er betont, noch zwei Punk­te: Zum einen wol­le er „Kon­sens“ mit Eber­hardt, denn der sei ja schließ­lich „der Vater der Brü­cke“. Nach dem Gespräch im Rat­haus habe er ihn auch gleich ange­ru­fen. Und zwei­tens lege er Wert dar­auf, sagt der Unter­neh­mer aus Wald­mös­sin­gen, „die längs­te Hän­ge­brü­cke der Welt“ zu bau­en. „Das haben die Rott­wei­ler ver­dient. Ich will Markt­füh­rer wer­den, so wie ich es auch mit mei­nem Geschäft bin.“

Das hört sich so an, als kön­ne Glatt­haar sich gut vor­stel­len, auch gleich die gan­ze Brü­cke zu über­neh­men. So bestä­ti­gen will er das jetzt nicht – aber auch nicht demen­tie­ren.
Gün­ter Eber­hardt bestä­tigt den Anruf von Glatt­haar, viel mehr aber mag er nicht sagen. Nur so viel: „Wir ste­hen zum ers­ten Bau­ab­schnitt und spä­ter dann auch zum zwei­ten.

Der Brü­cken­bau­er kann nur schwer ver­ber­gen, wie sehr ihn das alles trifft, ver­sucht aber gute Mie­ne zum offen­sicht­lich dop­pel­ten Spiel zu machen und pro­fes­sio­nell zu sein. „Wir haben den Fahr­plan ein­ge­hal­ten und wol­len das auch wei­ter­hin tun. Die Gut­ach­ten sind inzwi­schen auch fer­tig.“ Und schiebt er noch einen Satz nach: „Wir müs­sen zu Fair­ness und Ver­trau­en zurück­keh­ren, die Brü­cke braucht ein gutes Fun­da­ment.“ Es ist ein lei­ses, aber unüber­hör­ba­res Signal und viel­leicht auch eine (letz­te?) Mah­nung in Rich­tung Stadt­ver­wal­tung.