Pfarrer Rieger mit dem Kreuzpartikel. Die Vertreter der Zünfte stellen sich mit ihren Zunftlaternen gerade zur Prozession auf. Foto: Hildebrand

ROTTWEIL – Mit dem fei­er­li­chen Ein­zug ins Müns­ter begann der Fest­got­tes­dienst aus Anlass des Titu­lar­fes­tes des Hei­lig-Kreuz-Müns­ters. Die­se Kir­che war einst auf den Namen Hei­lig-Kreuz geweiht wor­den. Zahl­rei­che Gläu­bi­ge sind gekom­men, um die­ses Fest, das all­jähr­lich am Sonn­tag nach Kreuz­er­hö­hung began­gen wird, mit­zu­fei­ern.

Der Müns­ter­chor sang unter der Lei­tung von Wolf­gang Weis Kyrie und Agnus Dei aus der Mis­sa Princeps Pacem von Lloyd Web­ber, den Psalm 118 im Dex­te­ra Domi­ni von Josef Rhein­ber­ger sowie das Ave Ver­um von Alex­and­re Guil­mant und wei­te­re Chor­sät­ze. Nicht feh­len durf­te natür­lich das von einem unbe­kann­ten Rott­wei­ler Meis­ter für die­ses Fest kom­po­nier­te Lied „Ich ver­ehr im Kreu­ze dich“. An der Orgel spiel­te Ste­fa­nie Rie­ger.

Pfar­rer Jür­gen Rie­ger sag­te in sei­ner Pre­digt, die Bot­schaft vom Kreuz sei der Glau­be an die alles über­win­den­de Kraft der Lie­be. Christ­li­ches Leben ste­he im Zei­chen des Kreu­zes. „Wenn einer mir nach­fol­gen will, ver­leug­ne er sich selbst, neh­me sein Kreuz auf sich und fol­ge mir nach“ heißt es im Mar­kus-Evan­ge­li­um. Die­ser Text ste­he völ­lig quer zu heu­ti­gen ganz auf Erfolg und Glück aus­ge­rich­te­ten Lebens­ent­wür­fen und wider­spre­che weit ver­brei­te­ten Denk­mus­tern und Ver­hal­tens­wei­sen. Wer nur um sei­ne eige­ne Exis­tenz krei­se, lebe aber falsch. Wer sein Leben an ande­re ver­schen­ke, schaf­fe Per­spek­ti­ven der Hoff­nung. Das Kreuz sei zum zen­tra­len Sym­bol des Chris­ten­tums gewor­den. In ihm gehe es nicht um die Ver­herr­li­chung des Lei­dens. Das Kreuz wol­le uns viel­mehr sagen: Seht, so ist Gott. Er hat sei­nen ein­zi­gen Sohn geop­fert, um uns zu erlö­sen. Des­halb hei­ße es auch zuver­sicht­lich „im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoff­nung.“

Neben einem Vor­tra­ge-Kreuz aus Äthio­pi­en lasen Kin­der die Für­bit­ten vor und lenk­ten den Blick auf den kom­men­den Monat der Welt­mis­si­on und die ver­folg­ten Chris­ten in vie­len Län­dern der Erde.

Eine fei­er­li­che Abend­an­dacht mit Monats­pro­zes­si­on been­de­te den Fest­tag der Hei­lig-Kreuz-Gemein­de. Bei der Pro­zes­si­on im Müns­ter trug Pfar­rer Jür­gen Rie­ger den kost­ba­ren Kreuz­par­ti­kel, tra­di­ti­ons­ge­mäß beglei­tet von den Ver­tre­tern der Hand­wer­ker­zünf­te mit ihren Zunft­la­ter­nen.

Win­fried Hecht schreibt, dass zur wir­kungs­vol­len Gestal­tung des Fes­tes in Rott­weil schon früh eine Hei­lig-Kreuz-Bru­der­schaft gegrün­det wur­de, die bereits 1314 urkund­lich erwähnt ist. „Ihre Bedeu­tung wird mit den bis heu­te erhal­te­nen bei­den Bru­der­schafts­ge­bäu­den in der Bru­der­schafts­gas­se deut­lich, in wel­chen die sozia­len Diens­te der Reichs­stadt und ihre Ver­wal­tung kon­zen­triert gewe­sen sind“.

Zum kirch­li­chen Fest gehört seit jeher auch der am fol­gen­den Tag abge­hal­te­ne Hei­lig-Kreuz-Markt. Er ist der ältes­te Rott­wei­ler Jahr­markt und über Jahr­hun­der­te zurück belegt. Das war frü­her ein wich­ti­ger Ter­min im wirt­schaft­li­chen Leben von Stadt und Umland.