Herbstsymposium zu Stigmatisierung von Suchtkranken

ROTTWEIL – Das Vinzenz von Paul Hospital Rottweil hatte zum 28. Rottweiler Herbstsymposium für Psychiatrie und Psychotherapie eingeladen. Rund 200 interessierte Besucher aus der ganzen Region verfolgten die Beiträge unter dem Leitthema „Determiniertheit und Stigma in der Psychiatrie“.

Dr. Sven Speerforck von der Universität Greifswald stellte eine aktuelle Studie zum Thema „Stigmatisierung von Suchtkranken“ vor. Suchterkrankungen gehören zu den am stärksten stigmatisierten psychischen Krankheiten überhaupt und zudem zu den häufigsten und schwerwiegendsten. Umso erstaunlicher ist es, dass es kaum Anti-Stigma-Initiativen gibt.

Suchtkranke werden nicht nur gesellschaftlich geächtet. Erschwerend hinzu kommt der Verlust der Achtung vor sich selbst im Sinne einer „negativen Identitätsbildung“ („Ich bin ja selber schuld an meiner Misere“). Da diskriminierendes Handeln bereits mit dem Denken und Sprechen beginnt, kommt dem sorgfältigen, wertschätzenden Sprachgebrauch auch unter Therapeuten eine wichtige Bedeutung zu.

Weiter wies Speerforck auf wirksame Maßnahmen zur Verhinderung von Stigmatisierung Suchtkranker hin. Dazu zählt der persönliche Austausch zwischen Menschen mit und ohne Stigma und die Aufklärung über die Suchterkrankung, um stereotype Vorurteile aufzulösen. Und schließlich sollte Suchtkranken mit Wertschätzung begegnet und ihre Ressourcen viel stärker genutzt werden, statt auf ihre Defizite zu fokussieren.

Professor Dr. med. Alkomiet Hasan, Stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum der Universität München, ging in seinem praxisnahen und packenden Vortrag auf die wichtigsten Empfehlungen der neuen S3-Leitlinie Schizophrenie ein. Schizophrenien zählen zu den schwersten psychischen Erkrankungen. In Deutschland sind rund 400.000 Menschen davon betroffen. Für die Betroffenen und ihr soziales Umfeld bedeutet die Erkrankung eine enorme Belastung. Die neuen Leitlinien sollen dazu beitragen, die bestmögliche Versorgung von an schizophrenen Psychosen erkrankten Menschen zu erreichen und die Behandlungsqualität zu verbessern.

Professor Dr. Paul Enck, Medizinischer Psychologe und Leiter des Forschungsinstitutes der Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Tübingen referierte über Chance und Hype des Mikrobioms, dem vielfältigen und vielzähligen Bakterienkollektiv unseres Darms. Er bremste die Hoffnungen, dass nun alles oder vieles an Erkrankungen mit dem Mikrobiom erklärbar sei. Gleichzeitig geht er schon davon aus, dass es eine besondere Darm-Hirn-Achse gibt, über welche die verschiedenen Nervensysteme miteinander kommunizieren, aber über deren Wirkweise es zurzeit noch mehr Hypothesen als gesichertes Wissen gibt.

Dr. Gabriel Eckermann, langjähriges Mitglied in der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft referierte zum Thema „Psychopharmaka im Spannungsfeld internistischer Therapie“. Dabei legte er ein besonderes Augenmerk auf die Interaktion von Medikamenten und die sich daraus ergebende Problematik einer Polypharmazie, den daraus resultierenden Gefahren, insbesondere bei älteren Menschen. Gängige Beispiele aus dem Alltag weisen auf die hohe Relevanz obiger Problematik hin.

 

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