Mit einer völ­lig fri­schen Idee war­te­te am Diens­tag der Rott­wei­ler Ein­zel­händ­ler Micha­el Grimm auf. Jeden­falls einer für Rott­weil fri­schen und über­ra­schen­den Idee. Um den Gäs­ten der Stadt, die Test­turm und Hän­ge­brü­cke anlo­cken sol­len, eine schö­ne Unter­kunft zu bie­ten, schlägt Grimm ein „Hotel Liber­ty” vor. Das Vor­bild exis­tiert nicht weit weg, in Offen­burg. Es ist ein ehe­ma­li­ges Gefäng­nis. Dort ist man „zu Gast im Knast”, wie Grimm anmerkt.

Erbaut ab 1840 und danach ein Ort der Unfrei­heit, an dem Men­schen, die frei dach­ten, genau des­we­gen ein­ge­sperrt wur­den. Die ers­ten Gefan­ge­nen in die­ser ehe­ma­li­gen Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt in Offen­burg waren die Visio­nä­re und Vor­den­ker der Frei­heit und Demo­kra­tie in Deutsch­land, die badi­schen Revo­lu­tio­nä­re.

Lie­be­voll, behut­sam und mit Respekt vor der Geschich­te die­ses alten Hau­ses haben wir lan­ge dar­über nach­ge­dacht, wie wir es umge­stal­ten und neu nut­zen könn­ten. Haben Plä­ne und Skiz­zen ent­wor­fen, wie­der ver­wor­fen und noch­mals von vor­ne ange­fan­gen – bis wir genau die pas­sen­de For­mel fan­den. Mit Begeis­te­rung fürs Detail haben wir die­sen mas­si­ven Mau­ern neu­es Leben ein­ge­haucht, konn­ten Alt und Neu in wun­der­ba­rer Wei­se ver­bin­den. Von nun an wird die­ses kolos­sa­le Gebäu­de mit sei­nen wuch­ti­gen Fens­tern und Türen Ihnen immer offen­ste­hen.
Herz­lich wil­kom­men im LIBERTY!

(Eigen­wer­bung Hotel Liber­ty, Offen­burg).

Der Test­turm sol­le und wer­de Besu­cher anlo­cken. Davon ist der Wein­händ­ler und Inha­ber der Bac­chus-Vino­thek, Micha­el Grimm, über­zeugt. Das sei­en Men­schen, die vor­her viel­leicht noch nie in der Gegend oder in Rott­weil gewe­sen sind. „Damit aus die­sen Besu­cher Gäs­te, ‚Freun­de‘ und Mul­ti­pli­ka­to­ren wer­den, müs­sen sie mög­lichst lan­ge ver­wei­len und hof­fent­lich auch über­nach­ten, kau­fen, Muse­en, Thea­ter, Kon­zer­te und Kir­chen besu­chen und in unse­ren Restau­rants und Loka­len kon­su­mie­ren”, argu­men­tiert Grimm wei­ter. Und dafür brau­che es: Bet­ten. 

Tat­säch­lich wird in Rott­weil über Hotel­bau nach­ge­dacht – etwa am Alten Spi­tal in der Unte­ren Haupt­stra­ße. Oder über Erwei­te­rung – bei­spiels­wei­se beim Johan­ni­ter­bad. „Und sogar das ‚Lamm‘ wird wie­der­be­lebt”, so Grimm. Er ver­weist auf Plä­ne für ein oder meh­re­re Hotels auf dem Ber­ner Feld, wo zudem sich die Pen­si­on Haas unlängst vom Gemein­de­rat die Erlaub­nis zur Erwei­te­rung geholt hat.

Aller­dings sei es zu ver­mei­den, dass Besu­cher nur zum Turm fah­ren, sich dort „ein­bet­ten“ und auf Rott­weil „glot­zen“, wie Grimm in einer Mail am Diens­tag­mor­gen schreibt. „Die­se Gäs­te müs­sen zu uns kom­men. In unse­re Stadt”, ergänzt er.

Bei der geplan­ten Hän­ge­brü­cke spre­che man immer nur von einer Marsch­rich­tung. Turm-Brü­cke-Rott­weil und zurück. „Das soll­te von Rott­weil mit einer Shut­tle- oder Bahn­lö­sung ein­fach ermög­licht wer­den”, so Grimm wei­ter. War­um aber nicht in der Stadt über­nach­ten und über die Brü­cke zum Turm gehen und dort das Shut­tle zurück in die Stadt neh­men?

Unser Test­turm ist für Rott­weil nicht nur Turm und Besu­cher­ma­gnet. Als Initi­al­bau­werk beflü­gelt er die Gedan­ken derer, die Rott­weil in die Zukunft füh­ren wol­len. Hän­ge­brü­cke, Bewer­bung zur Gar­ten­schau, … kurz Rott­weil 5.0.

(Micha­el Grimm)

Die Stadt­pla­ner sei­en gefor­dert und auf­ge­for­dert, den Ver­kehr zu orga­ni­sie­ren. Über visio­nä­re Höhen­flü­ge wie eine auto­freie Innen­stadt mit dafür instal­lier­tem Ring­zug über Via­dukt, Turm­ge­län­de und über eine Brü­cke zurück zum Näge­les­gra­ben müs­se und kön­ne dis­ku­tiert wer­den.

Um ein The­ma sei es der­zeit aber sehr ruhig gewor­den: „Mit dem Neu­bau der JVA wird ein groß­ar­ti­ges Gebäu­de im Her­zen der Innen­stadt frei. Das alte Gefäng­nis. Was wird aus dem? Ein Muse­um? Bit­te nicht. Ein Hotel!” Es wer­de noch eini­ge Zeit ver­ge­hen, bis das Alte Gefäng­nis vakant wird. Pro­jek­te wür­den von einer Stadt aber” ger­ne ver­wal­tet statt direkt ange­gan­gen”, so der Ein­zel­händ­ler. Das ver­schlin­ge Zeit. „Des­halb bes­ser früh dar­über nach­den­ken.”

Grimm ist über­zeugt: „Wir benö­ti­gen in Rott­weil drin­gend Hotel­bet­ten.” Bei dem The­ma Hotel­neu­bau oder auch nur Erwei­te­rung stel­le sich die Fra­ge nach den Park­plät­zen. Sowohl beim alten Spi­tal als auch beim Johan­ni­ter­bad sind die­se bekannt­lich Man­gel­wa­re und ein Streit­punkt. Der Näge­les­gra­ben ver­fügt aller­dings über einen per­fek­ten Anschluss an das Herz von Rott­weil. Ein Bus­bahn­hof und Park­plät­ze sind vor­han­den. Eine Erwei­te­rung sei sicher mög­lich. Es gibt eine Jugend­her­ber­ge auf die­ser Sei­te der Stadt. Aber ein Hotel gibt es hier bis­her noch nicht. Das sol­le das alte Gefäng­nis wer­den.

Apro­pos: Im Volks­mund wird das Rott­wei­ler Gefäng­nis nach dem Nach­na­men eines frü­he­ren Lei­ters auch als „Café Lang“ bezeich­net. Der frü­he­re Stutt­gar­ter Bür­ger­meis­ter Ger­hard Lang, der als Sohn des Gefäng­nis­ver­wal­ters dort auf­wuchs, beschreibt in sei­nem Buch Kein Engel in der Höll­gas­se humor­voll das Leben im und um das Gefäng­nis. Quel­le: Wiki­pe­dia.

Bei jeder alter­na­ti­ven Ver­wen­dung müs­se die Zel­len­struk­tur ver­mut­lich auf­ge­bro­chen wer­den, glaubt Grimm. Kos­ten wür­den ent­ste­hen und das „Flair“ eines Gefäng­nis­ses wer­de zer­stört.

Das „Hotel Liber­ty” in Offen­burg. Ein Vor­bild für Rott­weil? Foto: pm

Für die kom­men­de JVA Rott­weil gibt es ein Vor­bild in Offen­burg. Dort ist bereits ein neu­es Lan­des­ge­fäng­nis in Betrieb gegan­gen, der Gemein­de­rat hat sich dort auch schon umge­schaut, um zu erfah­ren, was auf ihn und die Stadt Rott­weil zukommt.

Nun gibt es auch dort ein aus­ge­dien­tes Gefäng­nis. „Nur unwe­sent­lich älter als unser Gefäng­nis”, hat Grimm her­aus­ge­fun­den. Die Stadt habe einen Inves­tor gesucht und mit Diet­mar Funk auch gefun­den.  Im Okto­ber 2017 wur­de das „Hotel Liber­ty” eröff­net. Grimm war dort. „Letz­te Woche hat­te ich ein län­ge­res Gespräch mit Diet­mar Funk und am Sonn­tag habe ich sein ‚Gefäng­nis‘ besucht. Hotel und Restau­rant ‚Wasser&Brot‘ sind abso­lut groß­ar­tig. Fah­ren Sie hin. Da geht man ger­ne in den Knast.”

Hin­ter den dicken Gefäng­nis­mau­ern in der Gra­ben­al­lee ist in den ver­gan­ge­nen 18 Mona­ten ein moder­nes Luxus-Hotel vom Feins­ten ent­stan­den”, urteil­te die „Badi­sche Zei­tung”.

Hotels in aus­ge­dien­ten Gebäu­den wie Was­ser­tür­men (Köln, Ham­burg,..), Silos (Kap­stadt), Indus­trie­ge­bäu­den, … sei­en zudem abso­lut in und in allen ent­spre­chen­den Hotel- und Gas­tro­no­mie­ma­ga­zi­nen beschrie­ben und gefei­ert, argu­men­tiert Grimm wei­ter

Um ein sol­ches Pro­jekt rea­li­sie­ren zu kön­nen, brau­che es aller­dings einen Inves­tor. „Man gewinnt der­zeit den Ein­druck, dass wir mehr Inves­to­ren als Objek­te in Rott­weil haben. In Rott­weil geht was. Ich den­ke, wir haben gute Chan­cen, hier einen visio­nä­ren Inves­tor zu fin­den”, erklärt der Wein­händ­ler.

Als Rott­wei­ler wün­sche er sich ein Leben in die­ser Stadt in Balan­ce zwi­schen Tra­di­ti­on und Zukunft. „Rott­weil muss nach vor­ne bli­cken, damit wir es erhal­ten kön­nen, wie wir es lie­ben.”

UPDATE: Der ehe­ma­li­ge Stadt­rat Die­ter E. Albrecht erhebt aller­dings Ein­spruch gegen die Idee: „Das alte Gefäng­nis hal­te ich unver­än­dert für den bes­ten Muse­ums­stand­ort” für die Waf­fen­samm­lung des ver­stor­be­nen Peter See­mann, schreibt er. „Sie wur­de auf mei­ne Inten­ti­on hin der Stadt ver­macht mit der Ver­pflich­tung die­se aus­zu­stel­len. Dazu schlug ich damals bereits das Gefäng­nis vor”, so Albrecht. Mit der Fra­ge, wo die Samm­lung unter­zu­brin­gen sei, beschäf­tigt sich der­zeit das Kul­tur­amt der Stadt im Rah­men einer Neu­kon­zep­ti­on für das Stadt­mu­se­um und die Tou­rist-Info. Für bei­des oder alle drei ist auch ein Neu­bau denk­bar. Der Gemein­de­rat soll in die­sem Jahr Plä­ne vor­ge­legt bekom­men.