Ich habe Pilze genommen“ – Überfall auf Joggerin im Drogenrausch?

Prozess vor dem Landgericht Rottweil: Vorgesetzter weiß nur Gutes über den Angeklagten zu sagen

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Foto: him

Ein biss­chen Licht in die Hin­ter­grün­de des Über­falls auf eine Jog­ge­rin in Schiltach brach­te der drit­te Pro­zess­tag. Hier sag­te näm­lich unter ande­rem der Poli­zist aus, der den 24-Jäh­ri­gen mut­maß­li­chen Täter am Abend des 19. Febru­ar fest­ge­nom­men hat­te. Und er erwähn­te, der Mann habe ihm gesagt, er habe Pil­ze genom­men. Nor­ma­ler­wei­se neh­me er nur Mari­hua­na. Er habe sich erkun­digt, wie es dem Opfer gehe. Zur Tat habe er erklärt, er wür­de sowas nicht machen.

Da die Öffent­lich­keit bei der Ver­neh­mung des Ange­klag­ten aus­ge­schlos­sen war, konn­te man bis­lang nur ver­mu­ten, dass der jun­ge Mann zur Tat­zeit unter Dro­gen gestan­den hat­te. Anders lie­ße es auch kaum erklä­ren, dass ein bis­lang unbe­schol­te­ner Mensch mit einer ganz bür­ger­li­chen Lebens­ge­schich­te zu so einer Tat fähig sein kann: einer ahnungs­lo­sen Jog­ge­rin mit einem Ham­mer gleich vier­mal auf den Kopf zu schla­gen, auch als die Frau längst am Boden liegt. Am hell­lich­ten Vor­mit­tag, offen­bar grund­los, mit den Wor­ten: „Dir zeig‘ ich’s jetzt“, wie es das Opfer am Frei­tag aus­sag­te.

Ein jun­ger Mann, über den sein Vor­ge­setz­ter nur Gutes sagt. Flei­ßig, höf­lich, loy­al, gern gese­hen, enga­giert, sehr fit: Das sind die Wor­te, mit denen der Mann sei­nen frü­he­ren Mit­ar­bei­ter beschreibt. Selbst­stän­dig gear­bei­tet habe er, Jün­ge­re ange­lei­tet, in chi­ne­si­schen Toch­ter­fir­men das Qua­li­täts­ma­nage­ment mit auf­ge­baut, sei auch mehr­fach nach Chi­na gereist. „Er hat sehr schnell begrif­fen, war her­aus­ra­gend enga­giert.“

Auch bei Fei­ern sei der Jun­ge Mann nie nega­tiv auf­ge­fal­len, sein Ver­hält­nis zu Alko­hol und Frau­en sei wohl ganz nor­mal gewe­sen. „Er war ein lus­ti­ger Gesel­le“, so sein Vor­ge­setz­ter.

Als er dann von sei­nen Plä­nen erzählt habe, Psy­cho­lo­gie stu­die­ren zu wol­len, „hat uns das geschockt, gewun­dert. Es hat uns leid getan.“

Ein belieb­ter Kol­le­ge und Mit­ar­bei­ter, der sich nun für die­se schreck­li­che Tat ver­ant­wor­ten muss. Der sich inzwi­schen aber auch bei sei­nem Opfer ent­schul­digt hat: Es tue ihm unheim­lich leid, sag­te er. Meh­re­re Zeu­gen berich­te­ten, wie auch das Opfer selbst, er habe an die­sem ver­häng­nis­vol­len 19. Febru­ar rote Augen und einen „irren Blick“ gehabt.

Ob dar­an Pil­ze schuld waren? Das Gericht zieht nach eige­nen Wor­ten die Unter­brin­gung des 24-Jäh­ri­gen in der Psych­ia­trie in Erwä­gung. Nähe­res, auch zu sexu­el­len Nei­gun­gen, erfährt man mög­li­cher­wei­se, wenn der Sach­ver­stän­di­ge sei­nen Bericht vor­legt. Bis­lang so viel: Der Poli­zist fand bei der Ver­haf­tung einen Vibra­tor in sei­ner Hosen­ta­sche.

Gewehrt habe der mut­maß­li­che Täter sich nicht, sei frei­wil­lig gekom­men, als der Beam­te ihn dazu auf­ge­for­dert hat­te. Zuvor war der Mann zwei vor­bei­fah­ren­den Frau­en auf­ge­fal­len, da habe er auf einem Fel­sen gestan­den und habe auf die Stra­ße zwi­schen Schiltach und Schram­berg gestarrt, mit einem merk­wür­dig lee­ren Blick. Da sie wuss­ten, was am Vor­mit­tag pas­siert war und der Täter gesucht wur­de, hät­ten sie gleich die Poli­zei infor­miert, die den Mann wider­stands­los fest­neh­men konn­te.

Der Pro­zess wird am Diens­tag, 7. Novem­ber fort­ge­setzt.

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