IG Metall: Protest am ThyssenKrupp-Testturm

Gewerkschaft hat zu Kundgebung aufgerufen / Etwa 250 Teilnehmer

Der Auf­sichts­rat von thyssenkrupp Ele­va­tor unter Vor­sitz von Dr. Hein­rich Hie­sin­ger tagt am heu­ti­gen Frei­tag im Test­turm des Unter­neh­mens in Rott­weil. Eine Gele­gen­heit, die die Gewerk­schaft IG Metall für ihren Pro­test gegen die Per­so­nal­po­li­tik der Fir­ma sich nicht ent­ge­hen las­sen woll­te. Die Poli­zei aber sorg­te zunächst für Ärger, weil sie einen Erlass der Stadt Rott­weil umset­zen muss­te.

Vom soge­nann­ten Feld­her­ren­hü­gel aus – einem Beob­ach­tungs­pos­ten für Bau­stel­len­be­su­cher – konn­te die Pro­test­ak­ti­on der IG Metall star­ten.
Auf­sichts­rats­mit­glie­der auf dem Weg zur Sit­zung, beglei­tet vom Gewerk­schafts­pro­test.
Demons­tra­ti­on am Fuß des Rott­wei­ler Test­turms.
Ins­ge­samt etwa 250 Gewerk­schaf­ter mach­ten ihrem Unmut in Rott­weil Luft. Fotos: Peter Arn­eg­ger

Nicht nur im Stahl­be­reich bro­de­le es im thyssenkrupp-Kon­zern, teil­te die IG Metall im Vor­feld mit. Auch in der Auf­zugs- und Fahr­trep­pen­spar­te wol­le das Manage­ment restruk­tu­rie­ren. Laut der Gewerk­schaft stün­den gro­ße Tei­le der Fer­ti­gung im Auf­zugs­werk in Neu­hau­sen auf den Fil­dern wie auch ein­zel­ne Berei­che im Fahr­trep­pen­werk in Ham­burg auf dem Prüf­stand. Zudem sei die Aus­la­ge­rung von admi­nis­tra­ti­ven Tätig­kei­ten in den Nie­der­las­sun­gen, den Regio­nal- und den Ser­vice-Cen­tern geplant.

Alle Maß­nah­men wür­den von Per­so­nal­ab­bau beglei­tet. Des Wei­te­ren wer­de auch die Tarif­bin­dung an die Tarif­ver­trä­ge der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie Baden-Würt­tem­berg in Fra­ge gestellt, die für gro­ße Tei­le der Beschäf­tig­ten in Deutsch­land gilt.

Dies alles schü­re bei vie­len Beschäf­tig­ten der thyssenkrupp Ele­va­tor AG Ver­un­si­che­rung und Ängs­te. Aus die­sem Grund plan­te die IG Metall für den Frei­tag­vor­mit­tag am Test­turm in Rott­weil eine Pro­test­kund­ge­bung. „Wir wol­len unse­ren Pro­test laut for­mu­lie­ren und wir wol­len”, so der Zwei­te Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall Ess­lin­gen Jür­gen Groß. Die Kund­ge­bung stand unter dem Mot­to „Nein zu Pro­fit­ma­xi­mie­rung durch Per­so­nal­ab­bau! Nein zu Out­sour­cing! Nein zu Tarif­flucht!”

Etwa 250 Demons­tran­ten haben sich am Mor­gen in Rott­weil, am Fuß des Test­turms ver­sam­melt. Mit Tril­ler­pfei­fen und gas­be­trie­be­nen Hupen machen sie ihrem Unmut Luft.

Aller­dings muss­ten sie zunächst umzie­hen. Die Stadt Rott­weil hat ver­bo­ten, die Kund­ge­bung auf der Wen­de­plat­te beim Test­turm abzu­hal­ten. Ret­tungs­we­ge müss­ten frei blei­ben. Die Demons­tran­ten gin­gen des­halb zunächst zum soge­nann­ten Feld­her­ren­hü­gel für Bau­stel­len­be­su­cher wei­ter. Als die Auf­sichts­rä­te zu ihrer Sit­zung ein­tra­fen, wur­de dies vom Pro­test der Gewerk­schaf­ter beglei­tet. Zwei Rott­wei­ler Poli­zei­be­am­te aber genüg­ten, um die Demons­tran­ten von einer direk­ten Kon­fron­ta­ti­on abzu­hal­ten. Es blieb bei ver­ba­len Pro­vo­ka­tio­nen, wäh­rend die Auf­sichts­rats­mit­glie­der schnel­len Schrit­tes in den Test­turm ent­schwan­den, um dort in luf­ti­ger Höhe über Rott­weil zu tagen.

Par­al­lel dazu soll­ten die Beschäf­tig­ten in allen thyssenkrupp Ele­va­tor-Stand­or­ten per Flug­blät­tern infor­miert wer­den.

Ein Unter­neh­mens­spre­cher hat der NRWZ bestä­tigt, dass eine Auf­sichts­rats­sit­zung von thyssenkrupp Ele­va­tor im Test­turm Rott­weil statt­fin­de. Es han­de­le sich um eine tur­nus­ge­mä­ße Sit­zung. Die IG Metall habe im Zusam­men­hang mit dem Effi­zi­enz­pro­gramm „ele­va­te“, das in der Geschäfts­ein­heit „Euro­pe Afri­ca“ durch­ge­führt wer­de zu einer Kund­ge­bung am Test­turm auf­ge­ru­fen, so der Spre­cher wei­ter. Zur Geschäfts­ein­heit zähl­ten 4200 Beschäf­tig­te an rund 50 Stand­or­ten in Deutsch­land.

Im Rah­men von ele­va­te wür­den seit eini­gen Mona­ten sys­te­ma­tisch alle Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten von „Euro­pe Afri­ca“ unter ande­rem in Bezug auf die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung, Orga­ni­sa­tion­ent­wick­lung, Per­for­mance, Pro­duk­ti­on und Ver­trieb betrach­tet, so der Unter­neh­mens­spre­cher zur NRWZ. Dies gesche­he mit dem Ziel, das Unter­neh­men ins­be­son­de­re in punc­to Pro­dukt­port­fo­lio, Qua­li­tät und Kun­den­ori­en­tie­rung für die Zukunft noch wett­be­werbs­fä­hi­ger aus­zu­rich­ten.

Poten­zi­el­le Hand­lungs­fel­der wür­den regel­mä­ßig mit den Mit­be­stim­mungs­gre­mi­en bespro­chen. Über Maß­nah­men sei noch nicht im Detail ent­schie­den wor­den.