Investor steht zur Hängebrücke – aber nur bis zu einem gewissen Punkt

Bauvorhaben: Die Pläne für das Sechs-Millionen-Projekt befinden sich in einer heiklen Phase

Die „Neckar Line“, die geplante Fußgänger-Hängebrücke, ist schon an der B 462 zwischen der Autobahnauffahrt bei Zimmern und Rottweil ausgeschildert. Foto: Peter Arnegger

Wie geht es weiter mit der Fußgänger-Hängebrücke zwischen dem Testturm und der Innenstadt? Es sind Irritationen entstanden. Investor Günter Eberhardt sagt, er stehe zu dem Sechs-Millionen-Euro Projekt, allerdings nicht um jeden Preis. Nötig wären jetzt Brückenbauer – in des Wortes doppelter Bedeutung.

Plötzlich stand „die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt” in Frage. Noch im März haben sich beim Bürgerentscheid 72 Prozent dafür ausgesprochen. Jetzt sagt Oberbürgermeister Ralf Broß: „Ich mache mir Sorgen.” Das war vor einer Woche (siehe unseren Beitrag ”Rottweil: Irritationen zwischen OB Broß und Brücken-Investor Eberhardt”). Er habe den Eindruck, Rottweil stehe bei Investor Günter Eberhardt mittlerweile nicht mehr ganz vorne auf der Prioritätenliste. Ohnehin warte die Stadt auf die konkreten Pläne. Wenn Eberhardt sich auf die 606 Meter lange Brücke beschränken wolle, stehe ein weiterer Investor bereit, der den zweiten Abschnitt bis zum Schafwasen übernehmen würde. Die Grundstücksbesitzer seien jetzt verhandlungs- und verkaufsbereitbereit.

Das führte beim Investor- vorsichtig formuliert – zu Irritationen. „Uns war das so bisher nicht bekannt”, sagt Projektleiter Roland Haag.

OB Broß versuchte, die Wogen zu glätten und erklärte, es sei ja für Anfang November ohnehin ein Gespräch anberaumt, da könne man eventuelle Unklarheiten beseitigen. Doch so lange wollte Eberhardt nicht warten. Er rief gleich am nächsten Tag bei Broß an.

Auf die Frage, was herausgekommen sei, antwortet er: „Es müsste halt noch ein weiteres Gespräch geben, vielleicht sollten sich alle mal zusammensetzen.” Und, ist ein Termin vereinbart? „Nein”, sagt Eberhardt.

[nextpage title=“Das Grundsätzliche“]

Dann geht Eberhardt ins Grundsätzliche, und es wird deutlich, dass es viele offene Fragen, diverse Missverständnisse und Probleme mit der Kommunikation zwischen ihm und der Stadt gibt. Zunächst stellt er klar, dass sich an seinem Engagement in Rottweil nichts verändert habe, dass die mit 320 Metern viel kürzere Hängebrücke in Bad Wildbad aber „ein Parallelprojekt” sei, bei dem man für Rottweil wichtige Erfahrungswerte und Synergie-Effekte gewinnen könne. Noch eins ist ihm wichtig in dieser heiklen Phase. „Ich bin kein Typ, der aufgibt.” Und er sei auch durchaus offen für Gespräche, Anregungen, Vorschläge, Ideen. Das erwarte er aber auch von den anderen Beteiligten.

Projektleiter Roland Haag sagt es so: „Für Herrn Eberhardt ist die Brücke Rottweil Herzblut pur. Er kommt jeden Tag zu mir und fragt mich, wie weit wir sind.” Allein die bisherigen Investitionen in Höhe von rund 300.000 machten das enorme Engagement deutlich.
Im Gespräch mit Eberhardt offenbart sich schnell, dass er sich in einer Rolle der Rechtfertigung und Verteidigung wiederfindet. Er sagt es so nicht, er klagt auch nicht, aber seine Worte sprechen für sich.

Er habe hier einen Vertrauensvorschuss bekommen, der nicht selbstverständlich sei, sagt Eberhardt. „Und ich tue alles, um diesen Vertrauensvorschuss einzulösen.” Bisher habe er sich auch nichts vorzuwerfen: Der Bebauungsplan sei am 28. Juni aufgestellt worden, seither habe man acht Gutachten in Auftrag gegeben, drei weitere Expertisen eingeholt, Konzepte entwickelt, die Investition von sechs Millionen Euro sichergestellt, einen weiteren Mitarbeiter eingestellt und dazwischen sei noch die Ferienzeit gefallen. „Mehr konnten wir nicht tun”, sagt Eberhardt. „Der Stadt geht das trotzdem offenbar nicht schnell genug. Alle wollen die längste Hängebrücke der Welt, aber die wird bald überboten sein. Wir wollen eine möglichst perfekte Planung, und das braucht Zeit.”

Damit ist der Investor beim Knackpunkt angekommen. Er sagt klar und offen, dass er zunächst einmal die Brücke über 606 Meter vom Bockshof (unterhalb der Treppe) bis zum Felsvorsprung auf dem Berner Feld realisieren möchte. Damit steht er im Gegensatz zur Mehrheit des Gemeinderats und wohl auch vieler Bürger.

[nextpage title=“Der Plan ist da“]

Günter Eberhardt hat einen Plan und ziemlich klare, wenn auch noch unausgereifte Vorstellungen, wie er der Brücke zum Erfolg verhelfen will. Das Problem ist, dass er diese Vorstellungen noch nicht öffentlich vermitteln konnte. Eine Möglichkeit wäre beim Ortstermin des Bauausschusses vor einer Woche am Felsvorsprung gewesen. Die Gemeinderäte verschafften sich einen Eindruck vom herrlichen Blick auf die Stadt. Als Eberhardt kam, stellte er sich bescheiden in die hintere Reihe, keiner begrüßte ihn offiziell, keiner bat ihn nach vorn, keiner fragte ihn nach seinem Konzept. Es blieb bei einer paar Verständnisfragen, dann ging man sang- und klanglos auseinander. Dabei hätte die Möglichkeit bestanden, mal die Strecke bis zu jenem Punkt am Schafwasen zu laufen, an der die Brücke in der längeren Version anlanden würde. Eberhardt hatte – für jeden sichtbar – einen rollenden Meterzähler mitgebracht.

„Ich habe eine riesige Verantwortung”, sagt er, „gegenüber meiner Familie, gegenüber meinen Mitarbeitern und gegenüber der Stadt Rottweil.” Um dem gerecht zu werden, suche er unablässig nach „der perfekten Lösung” für die Brücke. Er könne sich nicht nur vom Turm abhängig machen, der ja an Wochentagen gar nicht geöffnet sei, gibt er zu bedenken, und auch nicht von einer Anfangseuphorie. „Die Brücke wird nicht das Allheilmittel sein, wir brauchen ein Gesamtkonzept, das funktioniert.”

Da müssten alle mitwirken, also zum Beispiel auch Stadt und Gastronomie. Ziel müsse es sein, die Besucher einen ganzen Tag – oder noch besser: länger – in Rottweil zu (unter-)halten und ihnen entsprechende Attraktionen zu bieten. Denkbar wären für ihn zum Beispiel ein Klettergarten oder geführte Radtouren rund um die Stadt mit verschiedenen Perspektiven auf den Turm.

Für Skeptiker der kurzen Lösung stellt sich die Frage, ob die Besucher bereit wären, einen längeren Fußweg – nach Eberhardts Rechnung sind es 700 Meter – vom Turm zum Felsvorsprung in Kauf zu nehmen. Der Investor hat da kaum Zweifel – wenn man es richtig anpacke. Er will deshalb für eine Belebung entlang des Weges sorgen. Eigentlich mache die Fußstrecke zwischen kleiner und großer Lösung gerade mal 170 Meter Mehrweg aus. Er plane schon jetzt den zweiten Bauabschnitt ein, finanziere ihn auch, wolle ihn aber erst später realisieren, um so möglichst jedes Jahr neue Anreize zu setzen.

[nextpage title=“Offenes Konzept“]

Das ist sein grobes Konzept, „aber ich bin da total offen”, betont Eberhardt. Nur in einem Punkt lässt er nicht mit sich reden: „Wenn mir das Vertrauen entzogen wird, bin ich a bissle empfindlich”, sagt er und formuliert es dann im Klartext: „Ich habe aus der NRWZ erfahren, dass es einen zweiten Investor gibt. Aber ein Kuddelmuddel mit einem zweiten Investor geht mit mir nicht. Nein, zwei Köche verderben den Brei. Dann können wir uns auch aus dem Markt zurückziehen. Wir wollen ehrlich und glaubwürdig, aber auch unabhängig sein.”

Eberhardt erinnert noch mal an die Anfänge: „Wir sind mit der Zusage nach Rottweil gekommen, dass es keine Probleme mit den Grundstücken gebe. Dann gab es die doch, und wir sind trotzdem bei der Stange geblieben. Das haben wir auch weiterhin vor.” Und wie geht es jetzt weiter? „Man müsste halt noch mal reden”, sagt Eberhardt.

OB Broß ist in dieser Woche krankgeschrieben und hat für nächste Woche Urlaub geplant. Sein Sprecher sagt, das Gespräch mit Eberhardt sei „konstruktiv” verlaufen, man werde „den Gesprächsfaden erhalten.”

 

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