Kameralamtsgarten in Rottweil: Der Gemeinderat ist sich uneins, Anwohner protestieren

Erstes Stimmungsbild unter den Stadträten

Bisher privat genutzt: Dieser Teil des Kameralamtsgartens soll für fünf Jahre Parkplätze bieten. Foto: Peter Arnegger

Uneinigkeit herrscht im Rottweiler Gemeinderat über das Vorhaben, einen Teil des Kameralamtsgartens im Johannserort in Parkplätze umzugestalten. Vorübergehend, wohlgemerkt. Notwendig ist das, wie die NRWZ zuerst berichtet hat, weil das Hotel „Johanniterbad“ erweitern will und dafür Stellplätze ausweisen muss. Am liebsten sehr nahe beim Eingang, der Geschäftskundschaft wegen. Eine Abstimmung hat es im Gemeinderat nicht gegeben, dazu ist das Verfahren in einem viel zu frühen Stadium. Wohl aber ein Stimmungsbild. Das scheint unter den Anwohnern bereits ein einhelliges: Nein zu den Parkplätzen. Sagen jedenfalls diejenigen, die den abgeriegelten Garten bislang nicht nutzen können.

Von Moni Marcel und Peter Arnegger

Geteilter Meinung sind die Rottweiler Stadträte in Sachen Kameralamtsgarten. Die einen sprechen von einem „Kleinod“, einer „städtischen grünen Perle“, wie etwa SPD-Stadtrat Ralf Armleder. Der auch zu bedenken gibt, was denn die Stadt den anderen Hoteliers im Viertel geben will, den Betreibern des „Sternen“, denen des „Lamm“, beispielsweise. Die haben ja teils gar keine Stellplätze, aber dazu später mehr.

„Wir haben einen inhabergeführten Traditionsbetrieb, der erweitern möchte“, sagt hingegen Ingeborg Gekle-Maier von den Grünen. Ihm sei eine „perspektivische Weiterentwicklung“ zu ermöglichen. Zumal das Johanniterbad vor einem Generationswechsel steht, in jüngere Hände kommen soll, wie die NRWZ berichtete.

Die CDU zeigte sich nicht überzeugt von der Notwendigkeit, den Garten für Stellplätze zu opfern, will später alternative Flächen aufzeigen. Die Aussprache fand unter Punkt „Verschiedenes“ statt, da erlaubt die Gemeindeordnung keine Diskussion. Jörg Stauss von den Freien Wählern zeigte sich skeptisch, dass die Parkplätze, wie von der Stadtverwaltung angekündigt, wirklich zu einer öffentlichen Grünfläche werden könnten. „Man sollte das Hotel nach Kräften unterstützten“, sagte er, aber „nichts ist beständiger als ein Provisorium.“

Bekanntlich, auch das stand in der NRWZ, will der Johanniterbad-Betreiber, Tobias Maier, ein Stockwerk auf das bestehende Haus draufsatteln. Dafür braucht er acht weitere Stellplätze. Bis etwa ein Parkhaus an der „Villa Duttenhofer“ fertig oder eine andere Lösung gefunden ist, will er den an sein Hotel angrenzenden Garten gerne nutzen. Und über einen neuen Hotel-Lobby-Anbau direkt andienen.

Unzugängliches Grundstück

Diesen Garten umgibt eine Mauer. Er ist unzugänglich. Nur, wer einen Schlüssel für das Eisentor hat, kommt hinein. Diesen Schlüssel sollen nach Aussagen des aktuellen Pächters des Gartens – der dem Land gehört, weswegen die Stadt sich zunächst auch gar nicht zuständig gesehen hatte – einige Anwohner bereits besitzen. Und einmal im Jahr geht das Eisentor fürs Johannserortfest auf, wenn es nicht regnet und es bei einem der Anwohner im Haus stattfindet. Zu diesem Fest sind dann auch nur die Anwohner eingeladen, per Zettelchen läuft das, bei neuen Nachbarn wird geklingelt.

Häufiges Grillen?

Dass dieser Teil des Kameralamtsgartens nun den Parkplätzen für das Hotel Johanniterbad weichen soll, finden einige Anwohner gar nicht gut. Denn für viele, die hier wohnen, ist das der einzige Garten, und den nutzen viele, wie Klaus-Georg Fuchs, der seit vielen Jahren in der Badgasse wohnt, betont. Manche hätten dort einfach einen Liegestuhl aufgestellt, um sonnige Stunden im Grünen zu genießen. Man  treffe sich zum Grillen. Im vergangenen Sommer war das nach Beobachtern aber tatsächlich nur einmal der Fall, beim erwähnten Johannserortfest.

Ein Blick in die Bauordnung

Fuchs hat aber handfestere Argumente, hat die städtische Bauordnung vorliegen. Und in der steht schwarz auf weiß, dass es nicht erlaubt ist, im historischen Stadtkern Grünflächen in Parkplätze umzuwandeln. Allerdings kann sich der Gemeinderat darüber hinweg setzen, wenn er das möchte.

Fuchs verweist zudem auf die Geschichte des lauschigen Plätzles. Einst stand dort nämlich ein Kloster, und als das Hotel 1970 schon einmal erweitert wurde und deshalb mehr Parkplätze brauchte, wurde die übriggebliebene Klostermauer versetzt, um welche zu schaffen. Ein großer Grünstreifen ging damals schon verloren. Wenn man das so nennen will: Jetzt sitzen eben Gäste des Hotels Johanniterbad im Grünen.

Maiers Parkschild

Fuchs und seine Mitstreiter sehen daher gar keinen Bedarf, denn neben den bestehenden Parkmöglichkeiten vor dem Hotel – diese gehören ausschließlich zum Johanniterbad, Anwohner dürfen dort nicht parken, das Hotelpersonal passt da auch auf – könnten die Hotelbesucher abends und am Wochenende zusätzlich die 15 Parkplätze beim ehemaligen Kameralamt, wo heute das Lehrerseminar ist, nutzen. Doch sind die nur werktags nach 18 Uhr frei. Und am Wochenende. Dann stellt Tobias Maier sein Schild auf, dass die Parkplätze seinen Gästen dienen könnten. Und nachts schließt er die Autos dort ein.

Vergleichsweise komfortable Situation

Nun aber habe das Johanniterbad im Vergleich zu anderen Hotels in der Innenstadt eine geradezu komfortable Situation, argumentieren die Nachbarn des Betriebs. So hat das Hotel Sternen beispielsweise keinen einzigen Stellplatz, nicht einmal eine Möglichkeit zum Kurzparken, um das Gepäck auszuladen. Das bestätigt dessen Betreiberin, Julia Ehrenberger, der NRWZ.

Die Parkplatz-Gegner verweisen aber auch auf die Parkplätze bei der Villa Duttenhofer, wo ja derzeit noch zusätzliche geschaffen werden. Und sie fragen sich, ob man es den Gästen des Johanniterbads nicht zumuten könnte, die paar Meter über die Hochbrücke zu laufen.

Das hat Maier aber schon gegenüber der NRWZ zurückgewiesen: Was er brauche, seien Parkplätze nahe am Hotel. Touristen könne man vielleicht auferlegen, nach dem Ausladen das Auto wegzuparken und dann ein paar Meter zu laufen. Geschäftsreisenden nicht. Die kämen gestresst an, wollten auf dem Zimmer noch am Laptop arbeiten. Und diese seien seine hauptsächliche Klientel, so Maier, der sein Hotel mit 49 Mitarbeitern betreibt.

Doch die Anwohner zeigen sich überzeugt: Innerstädtisches Grün für Parkplätze zu opfern, das geht gar nicht.

Schwur steht noch aus

Das Thema wird im Gemeinderat erst richtig aufkochen, wenn die Pläne vorgestellt werden und wenn es zum Schwur kommt: Parkplätze oder privates Grün. Wobei: Für immer sollen die Parkplätze ja nicht sein. „Den Kameralamtsgarten muss man als Komplettpaket sehen“ so die Grüne Gekle-Maier. Es gehe um eine Überbrückung, bis die Stellplätze an anderer Stelle zur Verfügung stünden. Und dann gewinne man eine Fläche für die Allgemeinheit.

Gekle-Maier konnte sich mit der Vorstellung auch deshalb anfreunden, weil die notwendigen acht Stellplätze auf dem Areal so ausweisbar sein sollen, dass kein einziger Baum zu fällen sei, wie der Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung, Lothar Huber, versicherte.

Doch schon Gekle-Maiers Sitznachbarin an diesem Abend im Gemeinderatsausschuss, Heide Friederichs (FFR), hat sich ganz gegenteilig festgelegt: „Wegen acht Stellplätzen einen denkmalgeschützten Garten zu opfern, halte ich für falsch.“

Das Hotel brummt

Tobias Maier ist derweil, wie er im Gespräch mit der NRWZ versicherte, daran gelegen, wegen seines Vorhabens keinen Streit mit den Nachbarn zu provozieren. Ihm sei an einem guten Verhältnis gelegen.

Dass er die Parkplätze braucht wird an diesem Mittwochabend auch klar: Fahrer von Autos  mit regionalen und mit Schweizer Kennzeichen suchen sich einen Stellplatz. Es kommt sogar zu kleinen Staus im Johannserort. Alles voll, auch auf den vorgeblichen Ausweichplätzen am Lehrerseminar.

Das wird noch eine spannende Geschichte.

 

 

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