Kreis Rottweil: Menschen sind meist mit dem eigenen Wagen unterwegs – und der ist selten ein E-Auto

Im ländlichen Raum, etwa im Landkreis Rottweil, nutzen die Menschen meist das eigene Auto. Nicht öffentliche Verkehrsmittel. Das hat der Rottweiler Landtagsabgeordete Daniel Karrais mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung herausgefunden. Er leitet daraus den Auftrag ab, bei der Verkehrswende auf die Bedürfnisse der Menschen im ländlichen Raum zu achten. Und auf E-Fuels zu setzen, nicht nur auf E-Autos.

Karrais, FDP-Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg, hat sich nach Angaben seines Büros mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung über die Individualmobilität im Landkreis Rottweil informiert. Die Antwort des Verkehrsministeriums wertet der Umweltpolitiker Karrais laut einer Pressemitteilung als „Handlungsaufforderung, eine technologieoffene Verkehrswende auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft zu betreiben, die besonders die Gegebenheiten im ländlichen Raum berücksichtigt“.

Seit dem Jahr 2018 ist demnach die Zahl der neu zugelassenen Pkw im Landkreis Rottweil um 6 Prozent auf zuletzt 96.615 gestiegen. Gleichzeitig stieg die Zahl der zugelassenen E-Autos auf 1087. Sie machen damit nur 1,2 Prozent der Gesamtzahl der Fahrzeuge aus. Damit befinde sich der Landkreis unter dem Landes- und dem Bundesdurchschnitt, welcher bei 1,5 beziehunsgweise 1,3 Prozent liegt. „Es zeigt sich, dass die E-Mobilität noch die Ausnahme ist“, so Karrais, der außerdem Vorsitzender des Ausschusses für Klima, Umwelt und Energiewirtschaft ist. 

Die Zahlen zeigten eindeutig, warum es zwangsläufig für existierende Verbrenner, die momentan mit fossilen Kraftstoffen fahren, eine Alternative benötige, wenn man ernsthaft die Klimaziele erreichen wolle. „Rund 95.000 Fahrzeuge werden allein im Kreis Rottweil noch mit Benzin oder Diesel betrieben. Davon fährt ein Großteil noch mindestens zehn Jahre glücklich mit fossilen Kraftstoffen auf der Welt umher“, sagt der Abgeordnete. Diese Fahrzeuge zu verschrotten, um sie durch E-Fahrzeuge zu ersetzen, sei nicht nur unrealistisch, sondern eine Verschwendung von Ressourcen, so Karrais. Allein für diese schon vorhandenen Verbrenner brauche es eine Lösung. 

Darum sei es richtig gewesen, dass die Bundesregierung in der Europäischen Union durchgesetzt habe, dass synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) eine Zukunft haben. „Wäre es beim Verbot von E-Fuels geblieben, hätte man sich wohl kaum mit der Herstellung solcher Kraftstoffe beschäftigt. Jetzt gibt es dafür eine Chance“, so der FDP-Politiker. Mit Blick auf die Diskussion um die Effizienz solcher Kraftstoffe winkt Karrais ab: „Kirchturmpolitiker meinen, dass Energie, Kraftstoffe und sonstige Güter allein in Deutschland hergestellt werden. Schon heute importieren wir über 90 Prozent der Kraftstoffe und das wird auch in Zukunft so sein, nur eben in Form von klimafreundlicheren Energieträgern“.  

Die deutliche Zunahme von zugelassenen Fahrzeugen sei aus Sicht von Karrais ein Zeugnis dafür, dass der öffentliche Verkehr bei Weitem noch nicht leistungsfähig genug sei, um eine Alternative zu bieten. „Wir brauchen eine stetige Verbesserung des ÖPNV-Angebots. Das Deutschlandticket schafft über den Preis Anreize, umzusteigen. Die Zahl der Verbindungen und die Zuverlässigkeit sind im ländlichen Raum jedoch noch sehr verbesserungswürdig“, meint der FDP-Abgeordnete. Er erwartet, dass es noch einige Jahre in Anspruch nimmt, bis man im Kreis Rottweil vollständig auf ein Auto verzichten könne. „Bis dahin muss vernünftige Politik offen für verschiedene Ansätze sein. Mobilität ist Freiheit und Notwendigkeit. Man darf einzelne Mobilitätsformen nicht verteufeln, sondern muss beste Voraussetzungen schaffen, um den ländlichen Raum nicht zu benachteiligen“, schließt Karrais.

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