Kunst im Parkhaus: Graffiti statt grauen Wänden

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Das Parkhaus zum Wohlfühlort machen: Michael Grimm und Rob Hak vor dem ersten Graffiti im Parkhaus. Foto: Moni Marcel

ROTTWEIL – Als Wein­händ­ler Micha­el Grimm letz­tes Jahr die Staats­ga­le­rie Stutt­gart besuch­te, staun­te er, als er sein Auto im Park­haus im Haus der Geschch­te abstell­te: Die Wän­de waren nicht grau, son­dern von Schü­lern in ein bun­tes Kunst­werk ver­wan­delt wor­den. „Es war ver­edelt. Plötz­lich war selbst ein Park­haus, sonst eher ein Ort, den man schnells­tens ver­lässt, span­nend, schön und bei­na­he ein Wohl­fühlort.”

Zudem steht Rott­weil ja auch für Kunst in der Stadt, „Kunst gehört nicht nur in Muse­en, Kunst gehört raus”, so der rüh­ri­ge Wein­händ­ler. Und weil Grimm eben kei­ner ist, der lan­ge zögert, beschloss er, auch das Rott­wei­ler Park­haus zu einem sol­chen Ort zu machen. Julia Rot­ha­mer vom Park­haus­be­trei­ber Pro­cu­ra­tor war gleich begeis­tert von der Idee, wird es doch der­zeit ohne­hin reno­viert, „ich rann­te offe­ne Türen ein.”

Aller­dings dau­er­te es dann recht lan­ge bis zur Umset­zung: Schon im Sep­tem­ber traf man sich mit den Park­haus­be­trei­bern, um das Pro­jekt zu bespre­chen. Grimm und Robert Hak, Teil der Street-Art-Sze­ne und selbst Spray­er, über­leg­ten dann, wie sie Decken und Heiz­lüf­ter orge­ni­sie­ren könn­ten, um die Akti­on im Win­ter zu wup­pen, dann ging der vor­bei, und nun ist es Ende Juli, am 1. August muss alles fer­tig sein, dann macht das reno­vier­te Park­haus wie­der auf.

Das ers­te Graf­fi­ti ist gera­de fer­tig gewor­den, Nase96 aus Ham­burg hat sich voll­endet ver­ewigt, in den nächs­ten Tagen kom­men acht wei­te­re Spray­er und eine Spraye­rin aus ganz Deutsch­land und Euro­pa, welt­weit in der Sze­ne bekann­te Leu­te, Rob Hak zulie­be nach Rott­weil. Leu­te, die sonst viel Geld kos­ten, aber man kennt sich, unter­stützt sich gegen­sei­tig. „Wir hät­ten das sonst nicht stem­men kön­nen”, sagt Micha­el Grimm. Er war für die Spon­so­ren­su­che zustän­dig, fand Paten, denn die Künst­ler müs­sen ja auch woh­nen, essen und trin­ken, haben Fahrt­kos­ten, und Spray­do­sen gibt es auch nicht umsonst.

Und so darf man sich auf ein bun­tes, fröh­li­ches, ein­la­den­des Park­haus freu­en, mit dem Grimm, ganz Geschäfts­mann, natür­lich auch vie­le Besu­cher nach Rott­weil locken will, „gleich mit einem freund­li­chen Park­haus auf unse­re schö­ne Stadt ein­stim­men!” Ein Park­haus, in dem man dann nicht nur sein Auto abstellt, son­dern auch mal ger­ne durch­schlen­dert. Und das ein zen­tra­ler Punkt der Stadt sein wird, wenn die Hän­ge­brü­cke kommt. Und die Graf­fi­tis wer­den sich im Lauf der Zeit auch ver­än­dern. „In der Sze­ne ist es gang und gebe, dass die Bil­der in ein paar Mona­ten wie­der über­malt wer­den”, so Rob Hak. Zudem ist Micha­el Grimm mit den Rott­wei­ler Schu­len im Gespräch, viel­leicht kommt dann neben Street-Art von den Pro­fis auch noch Schul­kunst ins Park­haus.

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