Kurz vor dem Bürgerentscheid am kommenden Sonntag hat sich die Rottweiler Stadtrats-SPD von der geplanten Fußgänger-Hängebrücke distanziert. Bislang haben die örtlichen Genossen den Bau unterstützt, wenn ihnen auch immer der Denkmalschutz vorrangig erschien. Jetzt können sie den geplanten Bau nicht mehr “gutheißen”, schreiben sie. Zugleich melden sich der Rapper Rob Hak und der Comedian Heinrich del Core zu Wort – sie unterstützen den Bau. Brückengegner Werner Fischer argumentiert in einem letzten Leserbrief vor dem Bürgerentscheid nochmals dagegen. Die CDU und die FDP in der Stadt haben sich zudem zuletzt zur Brücke bekannt. Eine Zusammenfassung in Wort und Bild.

Die SPD-Gemeinderatsfraktion habe “die vielfach ausgetauschten und zuletzt auf der Bürgerversammlung dargelegten Argumente für und gegen die Hängebrücke zwischen Berner Feld und der historischen Innenstadt abgewogen.” So beginnt ein Schreiben der örtlichen Genossen, das diese am Donnerstagabend an die örtlichen Redaktionen verschickt haben. Die erhofften Vorteile einer solchen Brücke etwa für die Entwicklung des Tourismus und die Belebung der Innenstadt hätten durchaus Gewicht, heißt es darin weiter. Dem gegenüber stünden aber vor allem die Veränderung der Innenstadtsilhouette und des Ausblicks ins Neckartal.

“Die SPD-Gemeinderatsfraktion hatte gehofft, dass sich eine größtmögliche Verträglichkeit mit der bisher gewohnten Stadtansicht erzielen lassen könnte”, schreibt Fraktionssprecher Arved Sassnick weiter. Er und seine Kollegen hätten bei der Bürgerversammlung allerdings feststellen müssen, dass “ihre im Informationsheft genannten Voraussetzungen für ein Akzeptieren der Brücke größtenteils nicht vorliegen.”

So habe der Investor, der Unternehmer Günter Eberhardt nicht zusagen können, die Andockstelle in die unmittelbare Nähe des Dominikanermuseums zu setzen. Sie liegt nun eher in der Mitte zwischen Dominikanermuseum und Pulverturm. Die vorgeschlagene Eingangssituation erschien den SPD-Stadträten zwar weniger wuchtig als befürchtet, “unauffällig war sie aber noch immer nicht.”

Einen Rabatt der Eintrittspreise für Rottweiler Bürger oder aber eine wie auch immer geartete Beteiligung an den Einnahmen für die Stadt Rottweil, die wenigstens teilweise die für Rottweil entstehenden Kosten leichter tragbar erscheinen lassen würden, wollte oder konnte der Investor nicht versprechen, konstatieren die Genossen zudem.

Das Schreiben der SPD-Stadtratsmitglieder Ralf Armleder, Dr. Jürgen Mehl und Arved Sassnick endet daher: “Somit ist der Brückenbau für die SPD-Gemeinderatsfraktion nicht gutzuheißen.”

Rob Hak ist für die Brücke

Der Rottweiler Rapper, Künstler und Werbemann Robert “Rob” Hak spricht sich in einer Videobotschaft klar für die Hängebrücke auf. Das Video haben die Brückenbauer, die Leute von der “Neckar-Line” initiiert und auf Facebook geteilt.

Heinrich del Core auch

Auch der Comedian Heinrich del Core, der als Zimmerner Bürger zwar nicht am Sonntag mit abstimmen darf, dessen Worte aber dennoch Gewicht haben dürften, spricht sich auf Facebook klar für das Projekt aus.

CDU Rottweil: „Die Hängebrücke dient der Denkmalpflege“

„Gerade unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten macht die geplante Hängebrücke großen Sinn.” Diese Erkenntnis zieht die Rottweiler CDU aus dem Verlauf der Einwohnerversammlung und aus vielen Bürgergesprächen.

Die Hängebrücke gebe dem historischen Thema „Brücken überwinden tiefe Gräben und schaffen Zugang zur Stadt” eine zeitgemäße Gestalt und eröffne im wirklichen wie im übertragenen Sinn einen neuen Zugang zum mittelalterlichen Rottweiler Stadtkern, heißt es in einer Mitteilung der örtlichen CDU. Die Christdemokraten stellen eine Analogie her: Denkmalgeschützte Gebäude könnten nur erhalten werden, wenn eine Nutzung unter zeitgemäßen Bedingungen möglich sei.

Dies erfordere zwangsläufig einen mehr oder minder großen Eingriff in die historische Substanz, was allerdings möglichst ohne Zerstörung des Gesamtcharakters geschehen solle. Nach Auffassung der CDU bleibt auch der Charakter des mittelalterlichen Stadtkerns durch die Hängebrücke erhalten. Das neue Bauwerk trage sogar zur Aufwertung des historischen Ensembles bei, weil durch den Anstieg der Besucherzahlen mehr Kaufkraft in die Stadt gezogen werde, was wiederum den Hauseigentümern Investitionen in ihre Gebäude ermögliche. „Wenn wir bewahren wollen, was wir haben, müssen wir vieles ändern”, wird abschließend Goethe von der CDU zitiert.

FDP Rottweil: „Die Hängebrücke ist ein Glücksfall für die Stadt“

Der FDP-Ortsverband Rottweil bot am vergangenen Samstag einen Infostand auf dem Wochenmarkt in Rottweil. Thema war der Bürgerentscheid zur Hängebrücke am kommenden Sonntag.

Neben anderen Parteimitgliedern warben der Landtagsabgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende Gerhard Aden und die beiden FDP-Stadträte Michael Gerlich und Hermann Klein (Bild) für ein Ja zur Hängebrücke bei der Volksabstimmung. „Einmalige Chancen mit einem JA! für die Brücke. Der nächste Schritt für unsere Stadt!” konnten die Marktbesucher auf Plakaten lesen. „Wir sehen in dem Bau der Hängebrücke durch einen Privatinvestor einen Glücksfall für die Stadt. So wachsen der Turm und unsere schöne Innenstadt zusammen”, erklärte der frühere Stadtrat Aden.

Auf einem anderen Plakat riefen die örtlichen Freidemokraten aber neutral zur Teilnahme an der Abstimmung auf. Es sei wichtig, dass genügend Bürger die Möglichkeit zur Mitgestaltung nutzten. „Der Bürgerentscheid ist kein Selbstläufer. Jeder hier in Rottweil ist gefragt mitzumachen. Es wäre schlimm, wenn keine der Seiten das nötige Quorum von etwa 4000 Stimmen erreicht”, so Aden.

Werner Fischers letzter Leserbrief

Die Bühne vor dem Alten Rathaus, von der aus das Ergebnis des Bürgerentscheids am Sonntagabend irgendwann nach 18.45 Uhr bekannt gegeben werden sollen, steht schon. Da meldet sich Brückengegner Werner Fischer, einer der Sprecher der Bürgerinitiative “Rottweil OHNE Hängebrücke” nochmal zu Wort. Hier sein Leserbrief im Original-Wortlaut:


Hängebrücke: Auf der Zielgeraden

Desinformation gegen Information

Nach langem Lauf befinden sich Befürworter und Gegner nun kurz vor dem Bürgerentscheid auf der Zielgeraden.

Die Stadt hat hierbei den für sie einfachsten Weg gewählt, nämlich den der Desinformation. Statt zu informieren, hat sie an vielen Straßen, Wegen und Plätzen Plakatwände aufgebaut, die nicht zu übersehen sind und ein JA der Bürger einfordern. Diese Werbemaßnahme wird die Einwohner als Steuerzahler viel Geld kosten. Dafür hat die Stadt an notwendigen Informationen zu dem Brückenvorhaben gespart. Es fehlen nach wie vor Aussagen zu der Frage im Bürgerentscheid, welche Voraussetzungen von der Stadt zu schaffen sind, damit der Investor die Hängebrücke bauen kann. Warum werden hierzu die notwendigen Aussagen verweigert? Besteht die Angst, die Bürger würden verschreckt reagieren, wenn sie den gesamten Umfang dieser Maßnahmen und deren Kosten erführen? Weiter fehlt seitens der Stadt jegliche Aussage dazu, wo eine für den Bockshof noch zumutbare Andockstelle der Brücke sein soll. Dies darf nicht allein dem Investor überlassen bleiben, denn dieser wird unter Umständen die für ihn wirtschaftlich günstigste Platzierung vornehmen ohne Rücksicht auf die Belange des Bockshofes. Außerdem sind mit dem Brückenvorhaben noch viele ungelöste Probleme (Parkierung, WC-Anlagen usw.) verbunden, die nicht übersehen werden dürfen.

Die Bürgerinitiative „Rottweil OHNE Hängebrücke“ hat keine Plakatierung vorgenommen, sondern hat seit Monate den beschwerlichen Weg der Vermittlung von Informationen gewählt. So hat die BI vielfältige Themen aufgegriffen, Problembereiche erläutert und diese der Bürgerschaft nahe gebracht. Die wahlberechtigten Einwohner haben ein Recht auf voll umfängliche Information, um eine verantwortliche Entscheidung treffen zu können. Leider ist die Stadt ihrer Verpflichtung zur Information nicht nachgekommen.

Die Bürgerinitiative ist überzeugt, dass das Brückenvorhaben für die Stadt mehr Schaden als Nutzen bringen wird. Sollte im Bürgerentscheid die Mehrheit gegen den Bau der Hängebrücke stimmen, dann ist der Gemeinderat drei Jahre an dieses Votum gebunden. In dieser Zeit kann die Stadt dann die wegen der Hängebrücke zurückgestellten, aber dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, Schulen, Kindergärten usw. erledigen, die dem Wohl der hier lebenden Menschen dienen. Die Einwohner sind der Schlüssel einer Stadt.

Deswegen im Bürgerentscheid ein NEIN zur Hängebrücke

Werner Fischer, Rottweil