Landesgartenschau Rottweil: Gemeinderäte schon sehr angetan von der Bewerbung

In Landesgartenschau-Laune: die Rottweiler Stadtverwaltung am Schmotzigen. Foto: Ralf Graner

14 Bewerber insgesamt, neun wollen die große Landesgartenschau – wie Rottweil. Die Konkurrenz ist da, Rottweil aber will den Zuschlag. „Wir werden uns überlegen müssen, was wir in den nächsten Monaten in die Hand nehmen, bis zum Besuch der Kommission im April“, so Oberbürgermeister Ralf Broß. Wie, das erklärte die Stadtverwaltung am Mittwoch dem Gemeinderat. Es sei „schon ganz viel Hirnschmalz“ in die Planung geflossen, sagte Broß. Mehr als das: Die Verwaltung konnte einen detaillierten Zeitplan vorlegen. Das und auch dessen Inhalt gefiel den Gemeinderäten.

Zunächst die Reaktionen

Die Stadträte nahmen die Pläne sehr wohlwollend und zustimmend zur Kenntnis. „Wir sehen, dass sich die Anstrengungen jetzt intensivieren“, sagte etwa CDU-Stadträtin Monika Hugger. „Es geht hier auch nicht um eine Blümchenschau, sondern um Stadtentwicklung, ums Vorwärtsbringen. Das muss man den Leuten klar machen“, ergänzte SPD-Stadtrat Arved Sassnick. Es sei das große Ziel, das nicht aus den Augen zu verlieren sei.

„Uns sind Ideen gezeigt worden, die wir auf jeden Fall verwirklichen sollten“, warb der Freie Wähler Hermann Breucha. Er will, dass „wir die Dinge Zug um Zug abarbeiten.“ FFR-Mann Reiner Hils pflichtete ihm bei, er nimmt ein „Feuer in der Stadt“ wahr, das erhalten werden solle, Vorfreude unter den Bürgern. Das Gesamtkonzept sei nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Region „eine super tolle Sache.“

Als „begeisternd und wirklich gelungen“, bezeichnete der Grüne Jochen Baumann die Pläne. Zudem seien die Bürger bereit, die „über die Jahre entwickelte Bürgerbeteiligung ist jetzt da.“  

„Das ist eine hervorragende Arbeit“, die die Verwaltung hier abgeliefert habe, so der Sprecher der Freien Wähler, Dr. Martin Hielscher. Er zeigte sich begeistert darüber, welche Qualität die Bewerbung bereits jetzt, nach der kurzen Vorbereitungsphase, habe.

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CDU-Mann Hans-Peter Alf regte eine Makroplanung an, die die Schritte der nächsten Jahre en Detail aufzeigt. Diese solle dem Land beweisen, dass die Stadt bereit ist bei einem Zuschlag für die Landesgartenschau.

„Das Ganze ist kein Selbstläufer, aber der Zug ist ins Rollen gekommen“, urteilte Dr. Michael Gerlich für die FDP. „Ich habe keine Bedenken, dass Rottweil den Zuschlag erhält“, erklärte er weiter. Es seien lauter Dinge gezeigt worden, die Rottweil eigentlich auf der Agenda habe. Keine Spinnereien.

Die Pläne der Stadt

Der entscheidende Termin ist Mitte April. Dann kommt die Bewerbungskommission mit sechs oder sieben Personen. Die Verwaltung, die die wichtigen Besucher mit ebenso vielen Fachleuten empfangen will, wolle erreichen, dass sich die Kommission für Rottweil ausspreche, so Bürgermeister Dr. Christian Ruf am Mittwoch. Die Entscheidung der Landesregierung wird für die Jahresmitte erwartet.

An diesem Tag will die Verwaltung den Bewertern zeigen, was sie mit Rottweil vor hat.

Kern des Rottweiler Konzepts: Der stark beeinträchtigte Grüngürtel um die mittelalterliche Kernstadt soll mithilfe des Landesprogramms reaktiviert und das von Industrie- und Gleisanlagen zerschnittene Neckartal als Erholungsraum zurückgewonnen werden. Die Landesgartenschau Rottweil soll zudem Wege für eine nachhaltige Stadtentwicklung aufzeigen. „Innovative Mobilitätslösungen haben wir bereits heute in die Konzeption einbezogen“, erklärte Broß und verwies auf die Idee, in Rottweil als kommunalem Mobilitätslabor Fortbewegungsmöglichkeiten der Zukunft zu erproben. „In Rottweil wird der erste seillose Aufzug entwickelt, der horizontal wie vertikal fahren kann und vielleicht auch eines Tages Menschen vom Bahnhof direkt in die Stadt transportieren könnte.“

„Wir sind sehr, sehr auf dem richtigen Weg“, so Bürgermeister Ruf. Die Bewerbung werde „sehr wertvoll für die Stadt sein“, man habe „ein sehr gutes Produkt abgegeben, das inhaltlich toll ist“, da seien „mehr als großartige Projekte drin.“ Kosten: 20 Millionen Euro insgesamt bei einem Zuschuss von 10 Millionen.

Die gezeigten Ideen vor allem auch im Mobilitätsbereich brachten Rottweil nachhaltig nach vorne. Auch das Bürgerforum und die Lokale Agenda würden die Stadt mit tollen Ideen versorgen. Diese Ideen seien ein wichtiger Bestandteil der Bewerbung. Auch eine Arbeitsgruppe des Jugendhearings befasst sich jetzt explizit mit der Landesgartenschau. Der GHV ist als Vertreter des Einzelhandels ebenfalls einbezogen. Er plant eine Frühjahrsaktion zum Thema.

Es gebe jetzt zwei Etappen: Bis die Kommission kommt, „wollen wir ordentlich die Werbetrommel rühren.“ Und wenn die Kommission da ist, sei das „eine Herausforderung, der wir uns stellen werden.“

Wichtig sei jetzt, die Zeit zwischen dem Kommissionbesuch und der Entscheidung der Landesregierung mit Aktionen zu füllen, erklärte Medienreferent Tobias Hermann fürs Organisationsteam. Er präsentierte den derzeit geplanten Ablauf der Bewerbung.

„Wir waren eine der ersten Städte, die die Inhalte der Bewerbung öffentlich gemacht haben. Die anderen haben inzwischen nachgezogen, wir beobachten das auch“, so Hermann. Die Werbematerialien liegen vor, es gibt Buttons und Broschüren, zum Beispiel. Und die Website unter www.rw2028.de

Alles unter der Vision „Höher, grüner, weiter.“ Das werde auch ein Pilotprojekt der neuen Agenda 2030. Hier könnten sich „einige Impulse entwickeln, die später in die Landesgartenschau einfließen können“, so der Medienreferent weiter.

Auch die Fastnacht hat unter dem Motto „Landesgartenschau“ gestanden. Eine Aktion mit Außenwirkung, die Fotos davon gingen über die Lokalmedien und Facebook in die Region (und vielleicht auch Richtung Stuttgart, wo die Entscheider sitzen, wie man in Rottweil hofft).

Im Hintergrund laufen bereits organisatorische und Planungsarbeiten für die Schau. Die Stadt hat eine Zeitschiene entwickelt, welche Aktionen sie wann starten will. Außerdem hat sie begonnen, Verantwortliche für die Teilbereiche zu benennen und sie berechnet das Budget live mit. Ein extrem detaillierter Projektplan mit ‚zig Einträgen, bereits jetzt.

Er nennt als große Themenkomplexe Öffentlichkeitsarbeit, Wettbewerber-Analyse, Marketing, begleitende Veranstaltungen, die Bewerbung insgesamt, den Kommissionsbesuch als Höhepunkt, Gemeinderatsansprache und weitere. Wobei die Stadträte öffentlich nicht alles zu sehen bekommen hätten, was im Hintergrund laufe, wie Broß sagte. Das könne in einer nicht-öffentlichen Sitzung kommuniziert werden. „Wir wollen uns in allen Dingen in die Karten schauen lassen“, so der Oberbürgermeister.

Am 20. März soll es eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Stadthalle geben. „Dort wollen wir den Bürgern unsere Planung im Detail vorstellen“, so Hermann. „Und wir wollen Ideen, Wünsche und Anregungen der Bürger einsammeln.“ Um auch der Jury zu zeigen, dass es in Rottweil viele Ideen gebe.

Die Pläne vor allem mit den Vorher-Nachher-Bildern sollen im Rathaus gezeigt werden, sie könnte zur Wanderausstellung in die Rottweiler Teilorte werden. Mit den Schulen soll es einen Kreativwettbewerb geben. Die Landesgartenschau solle ins Stadtbild Einzug halten, so Hermann. Rottweil wolle zeigen, dass die Bürger dahinter stehen.

Jetzt gehe es vor allem darum, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zu machen, um die Stimmung in der Stadt „in den Ministerrat in Stuttgart“ zu tragen, wie Broß sagte.

Die Festlegung auf das Jahr 2018 sieht die Stadtverwaltung derweil nicht als eine Einschränkung. Es handele sich um einen Wunschtermin, der selbstbewusst kommuniziert worden sei. Das sei auch der Wunsch des Landes gewesen.