Petra Afonin war mit ihrem neue Theater- und Chanson-Programm „Es ist nie genug“ zu Gast in Rottweil. Fotos: Barabara Deiber

ROTTWEIL – Kaba­rett zu den Tabu­the­men Alter und Tod, geht das? Es geht wun­der­bar! Das haben Schau­spie­le­rin Petra Afon­in und Pia­nis­tin Susan­ne Hin­kel­bein am Sonn­tag­abend bewie­sen. Auf Ein­la­dung der bei­den Grup­pen Sitz­wa­che Rott­weil und Hos­piz­grup­pe Rott­weil anläss­lich ihrer Jubi­lä­en, füll­ten die bei­den Damen den Pavil­lon der Kon­rad-Witz-Schu­le kom­plett. Und das trotz des mehr als lau­en Herbst­abends und der für vie­le „schwe­ren Kost“.

Wie sich Ramo­na den Lebens­abend so vor­stellt, ein Begriff den eine Grund­schü­le­rin natür­lich nur vom Hören­sa­gen kennt, las Petra Afon­in pas­send aus einem gro­ßen Mär­chen­buch. Ja, es war ein wun­der­ba­res Mär­chen vom Lebens­abend an reich gedeck­ter Abend­brot­ta­fel, den Lohn für ein anstren­gen­des Leben ern­tend und so man­cher Zuhö­rer wünsch­te sich womög­lich zurück in eine Zeit, wo die Kennt­nis der Rea­li­tät noch in wei­ter Fer­ne lag.

„Es ist nie genug“ lau­te­te der Titel des Abends. Wer sich – oft selbst schon in fort­ge­schrit­te­nem Alter – um hin­fäl­li­ge Ange­hö­ri­ge küm­mert, weiß ein Lied davon zu sin­gen. Und genau das macht Petra Afon­in, beglei­tet und akzen­tu­iert unter­malt von Susan­ne Hin­kel­bein am Kla­vier, die fast alle Bei­trä­ge des Pro­gramms auch selbst ver­tont hat.

Die arme Gat­tin des Hypo­chon­ders und ihr vor­zei­ti­ges Able­ben unter einem Auto – auf dem Weg in die Apo­the­ke. Der ewig nör­geln­de alte Vater, des­sen Ende man sich nur in den aller­heim­lichs­ten Träu­men vor­stel­len mag. Der All­tag in nicht allen, aber doch zu vie­len Alten­hei­men, par­don ‑resi­den­zen.  Petra Afon­in bringt alles auf den Punkt. Und sel­ten ist ein Punkt so aus­drucks­stark.

Den Fra­ge­bo­gen zur Pfle­ge­stu­fe ver­such­te sie dem Publi­kum in Lied­form näher zu brin­gen. Aber selbst in die­ser Form ist ist das Ding nun wirk­lich „schwe­re Kost“. „Le Mori­bond“, das berühm­te Abschieds­lied von Chan­son­nier Jaques Brel run­de­te einen immer wie­der sehr berüh­ren­den Abend ab.

Gemein­sam konn­ten die Mit­glie­der von Sitz­wa­che und Hos­piz­grup­pe anschlie­ßend mit ihren Gäs­ten ins Gespräch kom­men. Bei Häpp­chen und Geträn­ken, kre­denzt von vier enga­gier­ten Schü­lern der KWS und ihrer Klas­sen­leh­rein.