Lernentwicklungsberichte statt Noten an der Gemeinschaftsschule

ROTTWEIL – „Schule ohne Noten – geht ja gar nicht.“- Doch, sagen die Fünft- und Sechstklässler der Gemeinschaftsschule Rottweil (GMS) mit voller Überzeugung. Wie das sehr wohl funktioniert zeigen sie mit ihren Lernentwicklungsberichten, die sie in diesen Tagen von ihren Lehrkräften erhalten.

Denn im Unterschied zu den üblichen Halbjahresinformationen werden in den Berichten die Kompetenzen und Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Fächern und Fächerverbünden ausführlich verbal beschrieben. Lernentwicklungsberichte (LEB) sind die schriftlichen Halbjahres- und Schuljahresinformationen in der Gemeinschaftsschule.

Jan etwa begründet seine Zufriedenheit damit, dass diese Art der Leistungsrückmeldung ihm persönlich mehr hilft sich einzuschätzen als eine Ziffernnote. Was die einzelnen Formulierungen bedeuten, wenn man sie in die herkömmlichen Noten umrechnen würde, weiß er auch. Denn er bekommt wie seine Mitschüler regelmäßig Rückmeldungen über seine individuellen Lernfortschritte. „Ohne Noten lernen ist ja viel anstrengender, denn ich muss ja zeigen, dass ich wirklich etwas kann.“ Und seine Mutter würde ihm schon mächtig Dampf machen, wenn ihr die eine oder andere Formulierung nicht gefällt.

Leonie, seine Mitschülerin, hat auch mächtig viel dafür getan, dass die meisten Berichte richtig gut ausfallen. „Von Nix kommt Nix“ meint sie lachend.
Für Gabi Leins, Koordinatorin der Gemeinschaftsschule an der Konrad-Witz-Schule, ist klar, dass sich der große Aufwand der Lehrkräfte mit den regelmäßigen Rückmeldungen an Schüler und Eltern lohnt, obwohl es vielleicht einfacher wäre etwa. eine 3+ als eine Ziffer in eine Halbjahresinformation zu schreiben, nachdem man die einzelnen Noten zusammengerechnet hat.

Die überzeugte GMS-Lehrerin verweist darauf, dass viele Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Fächern unterschiedlich leistungsstark sind. In der Gemeinschaftsschule haben sie, außer in den Abschlussklassen, die Möglichkeit, in den einzelnen Fächern auf unterschiedlichem Niveau zu lernen. Damit alle Beteiligten den Lernfortschritt richtig einschätzen können, arbeiten die Schüler in der Regel mit Lernwegelisten und Lernnachweisen, die sich an den landeseinheitlichen Kompetenzrastern aus dem Bildungsplan orientieren.

Leins erklärt weiter, dass die Schüler dabei Rückmeldung auf die Fragen zu den jeweiligen Lerngebieten: „Was kann ich?“ und „Wie gut kann ich es?“ erhalten. Die Lernwegelisten und der individuelle Lernplaner, eine Art Lerntagebuch, ermöglichen es, den eigenen Lernprozess zu planen, sich Ziele zu setzen und das Lerntempo selbst zu finden. Damit wird auch eine zentrale Grundlage für die systematischen Gespräche zwischen Schülern und  Lehrern sowie für Beratungsgespräche mit den Eltern geschaffen.

Diese Rückmeldungen finden in der systematischen Lernbegleitung und Lernberatung (LEBE) statt. In den regelmäßigen LEBE-Gesprächen eines Schülers mit der Lehrkraft gehe es besonders um die angeleitete Selbstreflexion. Mit dabei sind die Beobachtungen und Rückmeldungen zu den überfachlichen Kompetenzen. Es genüge halt nicht, die Eltern einmal im Jahr zum Gespräch zu bitten oder dass der Lehrer dem Schüler einfach mal sagt, wo es lang geht.

Konrektorin Stefanie Hess und das GMS-Team sind selbstkritisch genug anzuerkennen, dass diese Art der Leistungsbeurteilung und –rückmeldung mit individueller Lernplanung, Lernwegelisten, LEBE-Gesprächen und Lernentwicklungsberichten ein aufwändiger Prozess für alle Beteiligten ist und seine Zeit gebraucht hat, damit die Schüler mit ihren Eltern damit gut zurechtkommen. Die stellvertretende Schulleiterin ergänzt, dass es in der Abschlussklasse sehr wohl Noten gibt ebenso in den verschiedenen Abschlussprüfungen, wo die zu erbringenden Leistungen für alle Schularten gleich sind.

Wenn die Kinder in der Gemeinschaftsschule wie in diesen Tagen anstelle eines Zeugnisses, in dem die Leistung mit Noten beurteilt wird, einen detaillierten Lernentwicklungsbericht erhalten, dient das nicht der üblichen summativen Leistungsbeurteilung sondernn der formativen als Grundlage für die weitere Lernplanung.

Wie das im Einzelnen an der GMS aussehen kann, erklären Schüler und Lehrkräfte gern allen, die es wissen wollen, am Tag der offenen Tür in der Konrad-Witz-Schule am Samstag, 11.März, wenn die Gemeinschaftsschule Rottweil zu GMS-erleben einlädt. Mehr Infos unter: www.kws-rw.de

 

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