Martin Luther und die Juden“- Ausstellung im Konvikt eröffnet

ROTTWEIL – Nach­dem die ers­ten Klezmerklän­ge, vor­ge­tra­gen von Karin und Vol­ker Wel­ge, ver­klun­gen waren, begrüß­te Johan­na Knaus, die neue Vor­sit­zen­de des jun­gen Ver­ei­nes „Ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge Rott­weil“ vie­le Inter­es­sier­te.

Nach­dem sie einen kur­zen Über­blick über den Wer­de­gang der Aus­stel­lung „Ertra­gen kön­nen wir sie nicht – Mar­tin Luther und die Juden“ gege­ben hat­te, bedank­te sie sich beim Lei­ter den Kon­vikts, Dr. Uli Fied­ler, für die gute Zusam­men­ar­beit. Das Bischöf­lich Kon­vikt Rott­weil als Aus­stel­lungs­ort zu gewin­nen, sei dem Ver­ein ein gro­ßes Anlie­gen gewe­sen. War­um? Zum einen lie­ge das Gebäu­de nur einen Stein­wurf (dies sei durch­aus mehr­deu­tig zu ver­ste­hen) ent­fernt von der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge Rott­weil. Die Mau­ern bei­der Häu­ser könn­ten sicher so man­ches aus der reich­hal­ti­gen, span­nungs­rei­chen und oft tra­gi­schen Geschich­te die­ser Nach­bar­schaft berich­ten, ver­mu­te­te Johan­na Knaus.

Zum ande­ren sei das Kon­vikt sofort zur Stel­le gewe­sen, als sich der „Arbeits­kreis ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge Rott­weil“ um die Her­ren Kessl, Boos und Braun vor etwa 20 Jah­ren dar­an mach­te, das Geden­ken an die „Reichs­pro­grom­nacht“ in das Bewusst­sein der Stadt zu rücken. Nach jeder Gedenk­ver­an­stal­tung vor dem ehe­ma­li­gen Bet­saal lud es gast­freund­lich zu Begeg­nun­gen der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer und trug so maß­geb­lich zur Eta­blie­rung des Andenkens an den 9. Novem­ber hier in der Stadt bei.

Dar­aus ging her­vor, dass die­ser Saal seit eini­gen Jah­ren der Ort ist, an dem die Stadt Rott­weil offi­zi­ell die Gedenk­fei­er zum 9. Novem­ber aus­rich­tet. Der Ver­ein „Ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge Rott­weil e. V.“ hat es sich zum Ziel gesetzt, das Erbe der frü­he­ren jüdi­schen Gemein­de Rott­weils zu bewah­ren, wei­ter zu erfor­schen und in der Öffent­lich­keit prä­sent zu hal­ten. Zudem will er über jüdi­sches Leben im Ver­lauf der Geschich­te infor­mie­ren.

In die­sem Zusam­men­hang sei die prä­sen­tier­te Aus­stel­lung zu sehen, auch wenn es zu der Zeit kei­ne jüdi­sche Gemein­de hier gege­ben habe, fuhr Knaus fort. Arved Sass­nick, der im Auf­trag von Ober­bür­ger­meis­ter Bross die Grü­ße der Stadt über­brach­te, bot einen kur­zen geschicht­li­chen Abriss über den Umgang, auch kirch­li­cher­seits, mit Juden im Ver­lauf der Geschich­te bis nach dem zwei­ten Welt­krieg. Nach einem wei­te­ren schwung­vol­len Klez­mer­stück für Kla­ri­net­te und Kla­vier, erneut into­niert vom Ehe­paar Wel­ge, war es an Pfar­re­rin Esther Kuhn-Luz ers­te Bli­cke auf die 18 Tafeln der Aus­stel­lung zu gewäh­ren.

Die­se zei­gen Luther als Mensch mit vie­len Facet­ten. Dabei erwähn­te Kuhn-Luze ins­be­son­de­re die Ver­än­de­rung Luthers Hal­tung gegen­über den Juden im Ver­lau­fe sei­nes Lebens. Hat­te er die­se in jun­gen Jah­ren noch in Schutz genom­men, ver­här­te­te sich sei­ne Spra­che gegen sie mit zuneh­men­dem Alter radi­kal. Dar­in drück­te sich wohl sei­ne Ent­täu­schung dar­über aus, dass sie sich sei­ner per­sön­li­chen Ein­schät­zung ‚… daß wir glau­ben sol­len, allein Chris­tus sei der ein­zi­ge Hei­land und Trost der Welt“ nicht anschlos­sen. Sei­ne Punk­te zum Umgang mit den Juden lesen sich wie eine Anwei­sung für die Über­grif­fe der Reichs­pro­grom­nacht 1938.

Luther war aller­dings nicht allei­ne mit sei­ner anti­jü­di­schen Phi­lo­so­phie. Zita­te von Kir­chen­vä­tern (1. – 5. Jh. n. Chr.) zeu­gen auf einer eige­nen Aus­stel­lungs­fah­ne davon. Esther Kuhn-Luz sprach die unter den Anwe­sen­den wei­len­de Vor­sit­zen­de der israe­li­ti­schen Gemein­de Rott­weil, Ele­na Logu­n­o­va, direkt an. Die Zita­te sei­en für jüdi­sche Men­schen auch heu­te noch sehr schmerz­haft. Die Tat­sa­che des geschwis­ter­li­chen Dia­lo­ges der christ­li­chen Kir­chen in Rott­weil mit der israe­li­ti­schen Gemein­de bestä­tig­ten ihr sicher, dass die­se Wort­wahl und Hal­tung inzwi­schen über­wun­den sei. Ele­na Logu­n­o­va stimm­te dem mit einem leb­haf­ten Nicken zu. Dar­an schloss sich der Abschluss der klei­nen Fei­er­stun­de mit dem Kanon „Sha­lom“, gesun­gen von den Anwe­sen­den an.

Die Aus­stel­lung „Ertra­gen kön­nen wir sie nicht – Mar­tin Luther und die Juden“ ist noch vom 25. 9. bis 28. 9 sowie am 4. und 5. Okto­ber jeweils von 16 bis 18 Uhr im Kon­vikt in der Johann­s­er­gas­se 1 zu sehen.