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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Rott­weil ”Mega­pein­lich”: Nar­ren­zunft ver­passt Ladungs­frist knapp

”Megapeinlich”: Narrenzunft verpasst Ladungsfrist knapp

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(gg). ”Quel mal­heur”, wür­de der Fran­zo­se rufen. Der Ruhr­­­pott-Fuß­bal­­ler Jür­gen Weg­mann hät­te gesagt: ”Zuerst hat­ten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.” Und ein Obern­dor­fer Nar­ro wür­de gedehnt kla­gen: ”O jerum…die Fas­net het e Loch!” Denn der Nar­ren­zunft Rott­weil – ohne­hin gebeu­telt von der öffent­li­chen Dis­kus­si­on und Geg­ner­schaft zu ihren Sprung­ver­laufs­plä­nen – ist ein laut Nar­ren­meis­ter Chris­toph Bech­told ”mega­pein­li­cher” Feh­ler unter­lau­fen: Sie hat zu spät zur am Frei­tag anste­hen­den Haupt­ver­samm­lung ein­ge­la­den. Beschlüs­se kön­nen des­halb dort nicht gefasst wer­den. Über Anträ­ge kann nicht ent­schie­den wer­den.

”Ihren Antrag” schrieb die Nar­ren­zunft heu­te an Leu­te, die einen Antrag zur Haupt­ver­samm­lung ein­ge­reicht haben, ”wer­den wir bei der Gene­ral­ver­samm­lung behan­deln und auch dar­über dis­ku­tie­ren. Aller­dings wer­den wir den Antrag nicht zur Abstim­mung stel­len, (weil) … wir bei der dies­jäh­ri­gen Gene­ral­ver­samm­lung kei­ner­lei Beschlüs­se fas­sen kön­nen, da zu die­ser lei­der einen Tag zu spät ein­ge­la­den wur­de.” Die NRWZ ist sich sicher: Das wird Ein­gang fin­den in das eine oder ande­re Nar­ren­buch.

Das Mal­heur hat die Zunft ges­tern im Rah­men der außer­or­dent­li­chen Aus­schuss­sit­zung ent­deckt. Wäh­rend der Dis­kus­si­on über die ein­ge­reich­ten Anträ­ge, die zum Ziel haben, dass die Zunft die ursprüng­li­chen Plä­ne zum Ver­lauf von Umzug und Sprung an den drei Fast­nachts­ta­gen auf­gibt bezie­hungs­wei­se modi­fi­ziert.

Die Zunft hat die Plä­ne modi­fi­ziert – und hält, auch das ist fest­zu­hal­ten – allein schon des­halb einen Ent­scheid über die Anträ­ge etwa von den ”D’Stadt nab-Befür­wor­­tern” für obso­let. Und: Die Zunft ist nach eige­ner Aus­sa­ge auch ”der Mei­nung …, dass die Pla­nung und Durch­füh­rung der Nar­ren­sprün­ge eine Orga­ni­sa­ti­ons­fra­ge von Aus­schuss und Vor­stand­schaft ist, da damit zum Bei­spiel auch finan­zi­el­le und sicher­heits­re­le­van­te Punk­te ver­bun­den sind.”

Die Anträ­ge wären also ohne­hin nur ver­le­sen wor­den. Und dis­ku­tiert. Aber es wäre auch so, ohne den Faux­pas, nicht über sie abge­stimmt wor­den. Dar­auf legt Nar­ren­meis­ter Chris­toph Bech­told im Gespräch mit der NRWZ gro­ßen Wert. Es sei ”mega­pein­lich”, was der Zunft da pas­siert sei, aber ”es ändert nichts dar­an”, dass die Zunft sich nun­mal selbst als zustän­dig sieht für den Sprung­ver­lauf, Und nicht die Mit­glie­der­ver­samm­lung.

”Die­sen Feh­ler kann auch nichts hei­len”, so Bech­told wei­ter – und er ver­wen­det damit einen Rechts­be­griff. Bei­spiel: Dass etwa die Mit­glie­der­ver­samm­lung am Frei­tag zunächst per Abstim­mung akzep­tiert, zu spät ein­ge­la­den wor­den zu sein, das funk­tio­nie­re nicht, erklärt der Nar­ren­meis­ter. Laut Sat­zung müs­se dazu jedes Mit­glied befragt wer­den. Ein Ding der Unmög­lich­keit, weil man mit Kauf der Nar­ren­kar­te Zunft­mit­glied wird, und weil die Nar­ren­kar­te etwa bei den Aus­schuss­mit­glie­dern, aber auch in den vie­len alt­ein­ge­ses­se­nen Ein­zel­han­dels­ge­schäf­ten in der Innen­stadt zu bekom­men ist. Alle Mit­glie­der zu befra­gen, das geht schlicht nicht, ”ich sehe kei­ne Mög­lich­keit, das Pro­blem zu lösen”, so Bech­told.

Des­halb sei der Ver­ein jetzt mit der pein­li­chen Nach­richt an die Pres­se und damit an die Öffent­lich­keit gegan­gen. Bech­told bestä­tigt, dass es even­tu­ell einen Tumult hät­te geben kön­nen, wenn er erst bei der Haupt­ver­samm­lung damit her­aus­ge­rückt wäre. Zudem steht die­se Poli­tik für eine neue, trans­pa­rent agie­ren­de Nar­ren­zunft, erin­nert er. Kom­mu­ni­ka­tiv und bereit, sich mit Kri­ti­kern aus­ein­an­der zu set­zen.

Die Sat­zung der Zunft sieht eine Ladungs­frist von 14 Tagen für die Haupt­ver­samm­lung vor. Die wird ein­ge­hal­ten, wenn die Ein­la­dun­gen dazu recht­zei­tig ver­öf­fent­licht wer­den, etwa in der Tages­zei­tung oder der NRWZ. Am 9. Janu­ar hät­te die Anzei­ge drin sein müs­sen. Drin war sie einen bezie­hungs­wei­se drei Tage spä­ter.

Der Zunft nun Stra­te­gie zu unter­stel­len, mit der ver­spä­te­ten Ladung die Kri­ti­ker an den Ent­schei­dun­gen des Vor­stands bis weit nach der Fas­net aus­he­beln zu wol­len (Insi­der spre­chen hier von der ”Schel­l­horn-Stra­­te­gie”, weil das Aus­schuss­mit­glied, der Notar Mar­kus Schell­horn, für die recht­li­chen Belan­ge der Zunft zustän­dig ist und als geschick­ter Rechts­kund­ler gilt), die­ser Vor­wurf ver­fängt nicht.

Denn die Zunft hat bei­spiels­wei­se am 27. Dezem­ber 2014 die fer­ti­ge Anzei­ge, in der zur Haupt­ver­samm­lung ein­ge­la­den wird, zur nächst­mög­li­chen Ver­öf­fent­li­chung an die NRWZ geschickt (am 10. Janu­ar wur­de sie ver­öf­fent­licht,  Rott­wei­ler hat­ten sie einen Tag frü­her,  aber auf der NRWZ prangt eben das Sams­tags­da­tum). Ab dem 5. Janu­ar 2015 ist die Zunft mit ihren Plä­nen zum neu­en Sprung­ver­lauf an die Öffent­lich­keit gegan­gen, am 10. Janu­ar etwa stand’s in der NRWZ tum Wochen­en­de. Sel­ben Tags ist auch erst der Pro­test laut gewor­den.

Wochen vor­ab schon zu wis­sen, dass die­ser Pro­test so mas­siv wer­den und in Anträ­ge mün­den wür­de, die das Vor­ha­ben zu kip­pen trach­ten, kann man der Zunft bei allem ihr eige­nen Weit­blick sicher­lich nicht unter­stel­len. Auch im ”Schwarz­wäl­der Boten” ist die Anzei­ge eben zu spät erschie­nen.  Ein Feh­ler der Zunft, wie Bech­told jetzt zer­knirscht zuge­ben muss.

Dass der Vor­stand in der Haupt­ver­samm­lung nicht ent­las­tet wer­den kann,  sieht Bech­told nicht als Pro­blem. Kei­ner der Vor­stän­de wol­le das Gre­mi­um ver­las­sen,  alle setz­ten ihre Arbeit fort,  wes­halb die Ent­las­tung auch spä­ter im Jahr noch erfol­gen kön­ne.

So wird des­halb die Haupt­ver­samm­lung am Frei­tag (20 Uhr, Kapu­zi­ner, Rott­weil) ablau­fen:

Der Ablauf sieht dann vor, dass der Nar­ren­meis­ter zunächst sei­ne Eröff­nungs­re­de hält. Im Anschluss kom­men die Berich­te des Zunftschrei­bers und des Säckel­meis­ters sowie der Kas­sen­prü­ferbe­richt. Auf­grund der Ver­zö­ge­run­gen in der Ver­öf­fent­li­chung der Ein­la­dung zur Gene­ral­ver­samm­lung wer­den kei­ne Beschlüs­se gefasst und Vor­stand­schaft sowie Aus­schuss auf der nächs­ten Gene­ral­ver­samm­lung ent­las­tet. Auch die Ände­rung des Mit­glieds­bei­trags steht dadurch zu einem ande­ren Datum auf der Agen­da. Ange­dacht ist, dass die Nar­ren­zunft nach Gesprä­chen mit den Ver­tre­tern der d’ Stadt nab – Grup­pe und einer Auf­ar­bei­tung der dies­jäh­ri­gen Sprung­füh­rung Mit­te des Jah­res eine Ver­samm­lung ein­be­ruft. Nach den kur­zen Aus­füh­run­gen des 2. Nar­ren­meis­ters zum Ablauf der Fas­net sol­len dann die ein­ge­gan­ge­nen Anträ­ge im Wort­laut vor­ge­le­sen und dis­ku­tiert, aber nicht abge­stimmt wer­den. Auf einen sach­li­chen Ver­samm­lungs­ver­lauf freut sich die Nar­ren­zunft Rott­weil.

 

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