Projektleiter Hardy Stimmer (rechts) erläutert Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller die spätere Höhe des Testturms.
Projektleiter Hardy Stimmer (rechts) erläutert Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller die spätere Höhe des Testturms.

Rott­weil (mm). Hoher Besuch am Mitt­woch auf der Bau­stel­le, des thyssenkrupp-Test­turms in Rott­weil: Baden-Würt­tem­bergs Umwelt­mi­nis­ter Franz Unter­stel­ler schau­te auf sei­nem Weg nach Deiß­lin­gen, wo es um die geplan­te Wind­kraft­an­la­ge geht, auch auf dem Ber­ner Feld vor­bei.

Bilergalerie vom Ministerbesuch: Bitte klicken Sie hier. Fotos: Moni Marcel
Bilerga­le­rie vom Minis­ter­be­such: Bit­te kli­cken Sie hier. Fotos: Moni Mar­cel

Dort ent­steht der­zeit das Fun­da­ment des 246-Meter-Bau­werks, in dem thyssenkrupp Ele­va­tors (TKE), eine Toch­ter von thyssenkrupp, spä­ter Hoch­leis­tungs­auf­zü­ge tes­ten will. 246 Meter, das ist mehr, als der Stutt­gar­ter Fern­seh­turm hoch ist – der hat 30 Meter weni­ger –, und weil man­che in Rott­weil klag­ten, das rie­si­ge Bau­werk wür­de die mit­tel­al­ter­li­che, von Tür­men gepräg­te Stadt­bild ver­un­stal­ten, wird es qua­si zum Aus­gleich bald eine Aus­sichts­platt­form geben, die auch der Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht wird.

Wir haben hier einen deut­li­chen Mil­lio­nen­be­trag in die Hand genom­men“, so Alex­an­der Kel­ler, Euro­pa­chef bei TKE, gegen­über dem Besuch aus Stutt­gart. Nicht nur für die Platt­form, son­dern auch für das Design, das die bei­den Star­ar­chi­tek­ten Hel­mut Jahn und Wer­ner Sobeck ent­wor­fen haben. . „Es ist unser kla­res Ziel, dass die Bevöl­ke­rung das Ding mit­trägt“, so Kel­ler. Des­halb wird sich die Außen­hül­le des Turms ähn­lich einem Boh­rer in die Höhe schrau­ben, umhüllt von einer tex­ti­len, durch­sich­ti­gen Tex­til­haut, die ver­schie­de­ne Farb­schat­tie­run­gen anneh­men kann und sich so ihrer Umge­bung und den Licht­ver­hält­nis­sen anpas­sen soll – und nachts leuch­tet.

Die Ent­schei­dung für den Stand­ort Rott­weil ver­tei­dig­te Kel­ler: „Ich bin belä­chelt wor­den, als ich anfangs von der Inno­va­ti­ons­ach­se gespro­chen habe“ – eine Ach­se zwi­schen Zürich und Stutt­gart, wo in der Nähe des Flug­ha­fens die Zen­tra­le von TKE liegt. Und Rott­weil mit­ten­drin.

Da wer­den Din­ge kom­men, die wir heu­te noch nicht sehen, das füh­le ich regel­recht“, so Kel­ler. Was sich auch Rott­weils Bür­ger­meis­ter Wer­ner Guhl – OB Ralf Broß hat die Grip­pe erwischt – erhofft. „Das wird ein Leucht­turm­pro­jekt, das ande­re nach sich zieht“, ist er sich sicher.

Die Zukunft begin­ne hier erst, und Unter­stel­ler wit­zel­te dazu, er brau­che noch ein paar Stand­or­te für Wind­kraft­an­la­gen. Nun, auf das Dach des Mega­turms wird kei­ne kom­men, das stell­te Kel­ler klar, die Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­ge, die spä­ter in rie­si­ge Hoch­häu­ser in Städ­ten wie Chi­ca­go, Shang­hai oder Abu Dha­bi kom­men sol­len, müs­sen unter rea­lis­ti­schen Bedin­gun­gen getes­tet wer­den, und da wür­den die Schwin­gun­gen eines Wind­rads ein­deu­tig stö­ren.

Helm­be­wehrt und in Leucht­wes­te bestaun­te Minis­ter Unter­stel­ler das 30 Meter tie­fe Loch, das auf dem Ber­ner Feld bereits ent­stan­den ist, und aus dem ab über­nächs­ter Woche der Turm täg­lich 3.50 Meter in die Höhe wach­sen wird.

Die Ein­la­dung von Pro­jekt­lei­ter Har­dy Stim­mer, sich das Gan­ze auch mal von unten anzu­schau­en, schlug Unter­stel­ler aber aus – dabei hät­te er nicht ein­mal Trep­pen stei­gen müs­sen, immer­hin war man zu Gast bei einem Auf­zugs­her­stel­ler.

Ganz aus­ge­klam­mert wur­de die Kri­tik am Turm nicht, denn die ist inzwi­schen auch in Stutt­gart ange­kom­men. Da man den Turm bei sei­ner Grö­ße auf kei­nen Fall über­se­hen kön­ne, „muss er halb­wegs ästhe­tisch gelun­gen sein“, mein­te Unter­stel­ler. Doch da scheint er den Bau­her­ren und Archi­tek­ten zu ver­trau­en.