Soll unberührt bleiben: der Bockshof. Foto: pm

Ver­wir­rung im Rott­wei­ler Bau­aus­schuss. Und ein gehö­ri­ges Maß Miss­trau­en. Wo soll die künf­ti­ge Hän­ge­brü­cke begin­nen, wo enden? Und war­um ist der his­to­ri­sche Bocks­hof plötz­lich im Pla­nungs­ge­biet? Beden­ken, die weder der Inves­tor, noch der Ober­bür­ger­meis­ter zer­streu­en konn­ten. Die Beden­ken­trä­ger bil­de­ten aber eine Min­der­heit. Was noch inter­es­sant war an die­ser Bau­aus­schuss­sit­zung? Es gab auch einen leicht belei­dig­ten Stadt­rat. Und einen Appell an einen bocki­gen Grund­stücks­be­sit­zer und sei­ne Ver­hand­lungs­part­ner.

Die Stadt­ver­wal­tung hat­te dem Gre­mi­um am Mitt­woch erst­mals einen Bebau­ungs­plan für die Hän­ge­brü­cke Ber­ner Feld-Test­turm vor­ge­legt – und der umfasst auch den his­to­ri­schen Bocks­hof. Was er dage­gen nicht tut: die jewei­li­gen Start- und End­punk­te der Brü­cke fest­zu­le­gen. Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß ver­such­te gemein­sam mit dem Inves­tor, die miss­traui­schen Stadt­rä­te zu beru­hi­gen. Es gelang ihm nicht.

Mit sie­ben zu vier Stim­men hat der Bau­aus­schuss am Mitt­woch wie erwar­tet den Emp­feh­lungs­be­schluss an den Gemein­de­rat für kom­men­de Woche gefasst: Er sol­le den Bebau­ungs­plan für die „Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke Ber­ner Feld – His­to­ri­sche Innen­stadt“ auf­stel­len. Pro­blem: Die Stadt hat ein „recht groß­zü­gig bemes­se­nes” Gebiet für den Bebau­ungs­plan vor­ge­se­hen, wie es SPD-Stadt­rat Dr. Jür­gen Mehl for­mu­lier­te. Ein Gebiet, das auch den Bocks­hof mit Pul­ver­turm und Lorenz­ka­pel­le umfasst, bei­de denk­mal­ge­schützt. Das mach­te Mehl miss­trau­isch. Es wun­de­re ihn, dass die Pla­ner die­ses Kon­flikt­feld ein­be­zo­gen hät­ten. Das auch einer unkla­ren Ein­stiegs­si­tua­ti­on in die Hän­ge­brü­cke auf Sei­ten der Innen­stadt.

Der Freie Wäh­ler Her­mann Breu­cha und der FFR-Ralt Rei­ner Hils sahen’s genau so. Bei­de hiel­ten es für unver­ständ­lich, dass der his­to­ri­sche Bocks­hof nun in der für den Bebau­ungs­plan vor­ge­se­he­nen Flä­che auf­tau­che. Außer­dem stieß sich Hils dar­an, dass auf Sei­ten des Ber­ner Felds kei­ne Klar­heit über die Ein­stiegs­si­tua­ti­on herr­sche. „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass wir uns damit nicht lächer­lich machen”, sag­te er. Man kön­ne nicht „irgend­wo ober­halb eines Stein­bruchs” ando­cken (weil der Besit­zer des Stein­bruchs sein Grund­stück nicht her­ge­ben will).

Um die Stim­men die­ser Stadt­rä­te war’s damit gesche­hen. Sie blie­ben miss­trau­isch. Und das, obwohl die ver­meint­li­che Gegen­sei­te mit ver­ein­ten Kräf­ten ver­such­te, Fahrt raus­zu­neh­men und die Wogen zu glät­ten, wie man so schön sagt.

Etwa CDU-Stadt­rat Gün­ter Pos­selt: „Wir machen den Bebau­ungs­plan doch, um eine Tras­se fest­le­gen zu kön­nen. Zunächst brau­chen wir ein rele­van­tes Gebiet. Wir legen doch heu­te das Gebiet fest und nicht die Tras­se von A nach B.”

Etwa OB Broß: „Wir müs­sen doch irgend­wann los­le­gen, um auch die Stel­lung­nah­me etwa des Lan­des­amts für Denk­mal­schutz zu bekom­men. Das will sich erst im Ver­fah­ren schrift­lich äußern. Dazu brau­chen wir den Auf­stel­lungs­be­schluss für den Bebau­ungs­plan.”

Etwa Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf: „Der im Bebau­ungs­plan dar­ge­stell­te Gel­tungs­be­reich deckt sich fast mit dem Gebiet, das auch in der Info­bro­schü­re vor dem Bür­ger­ent­scheid abge­druckt war. Fast des­halb, weil es jetzt auch den Bocks­hof umfasst. Wir brau­chen die­sen Bereich aber auch, um Fest­le­gun­gen tref­fen zu kön­nen – was dort geschieht und was dort eben nicht geschieht.”

Und noch­mal Broß: „Der Gemein­de­rat ent­schei­det am Schluss, wo die Brü­cke beginnt. Sie ent­schei­den, was mach­bar ist und was nicht. Wir haben den Bocks­hof dazu genom­men, um even­tu­el­le Ände­run­gen dort aus­schlie­ßen zu kön­nen. Wir brau­chen eine pla­ne­ri­sche Grund­la­ge, um auch die Lage von Neben­an­la­gen bestim­men zu kön­nen.”

Und für den Inves­tor Pro­jekt­lei­ter Roland Haag: „Es ist nicht unser Ansin­nen, Rich­tung Pul­ver­turm und Lorenz­ka­pel­le zu gehen. Um aber das Gebiet als schutz­wür­dig aus­wei­sen zu kön­nen, müs­sen wir den Bocks­hof mit über­pla­nen.”

Und wie­der Broß: „Kon­kre­te Start- und End­punk­te kön­nen wir noch nicht ein­zeich­nen.”

Es half nichts, vier Stadt­rä­te ent­schie­den sich ob der Unwäg­bar­kei­ten gegen den Bebau­ungs­plan. Sie blie­ben miss­trau­isch. Weil sie­ben dafür waren, inklu­si­ve OB, wird der Gemein­de­rat kom­men­de Woche einen posi­ti­ven Beschluss­vor­schlag für die Auf­stel­lung des Bebau­ungs­plans bekom­men.

Und was war noch? Ach ja: der leicht belei­dig­te Stadt­rat. Der Fecken­hau­se­ner Ewald Grimm fand’s nicht schön, dass Brü­cken­bau­er Eber­hardt auch noch in Bad Wild­bad ein Brück­lein plant – und gar noch frü­her wird fer­tig­stel­len kön­nen als die Rott­wei­ler. Die NRWZ hat­te sei­ner­zeit exklu­siv berich­tet. Grimm mein­te, er wol­le das ein­fach mal gesagt haben. Nicht mehr, aber auch nicht weni­ger.

Und dann war da noch der Appell – an die Brü­cken­bau­er, einen effi­zi­en­ten Weg zwi­schen Turm und Brü­cke zu fin­den. Auch die NRWZ hat­te zu den aktu­el­len Plä­nen schon befun­den: Es wird eine klei­ne Wan­de­rung für die­je­ni­gen, die vom Test­turm zur Brü­cke und dar­über hin­weg in die Innen­stadt wol­len. „Ein lan­ger Weg zwi­schen Turm und Brü­cke ist unspan­nend”, leg­te sich CDU-Stadt­rat Her­bert Sau­ter fest.

Und wor­an hapert’s? Dar­an, dass sich Stadt­ver­wal­tung und Inves­tor einer­seits und Grund­stücks­be­sit­zer Prof. Kurt Schel­len­berg ande­rer­seits nicht eini­gen kön­nen. An die­se drei Ver­hand­lungs­part­ner rich­te­te Sau­ter sei­ne Bit­te, eine gemein­sa­me Lösung zu fin­den, sich zu eini­gen. Das sei im Sin­ne der Bür­ger und der Tou­ris­ten.