13.1 C
Rottweil
Sonntag, 23. Februar 2020

Mit dem Endoskop in den Elefantenrüssel

ROTTWEIL – „Was ist denn passiert?“ Dominik Haas, Leiter der Zentralen Notaufnahme in der Helios Klinik Rottweil, schaut besorgt auf den Patienten, den der Rettungswagen eben ins Krankenhaus gebracht hat. Seinem Blick folgen 20 neugierige Augenpaare – allesamt Kinder des KiJu-Sommerferienprogramms.
 

Auf der Trage in der Notfallambulanz liegt kein gewöhnlicher Patient, sondern Kimmi – ein schwer verletzter Stoffelefant. Mit Blaulicht und Martinshorn kommt er mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus, wo ihn die Kinder bereits an der Liegendanfahrt erwartet haben.

Kaum öffnen sich die Türen des RTW, werden die Rettungsassistenten schon ausgefragt. Warum hat der Verletzte denn eine Infusion? Und was ist das an seinem Hals? Und gibt es in dem Auto auch einen Defibrillator? Geduldig erklärt die Besatzung die Funktionen des Rettungswagens, in diesem Fall übrigens das neueste Auto aus dem Fahrzeugpark des DRK: Er ist speziell für schwere Patienten ausgelegt und kann mit bis zu 318 Kilo belastet werden. Also genau richtig für Kimmi, den Elefanten.

Nun muss der Verletzte schnell in die Notaufnahme. Dominik Haas übernimmt ihn und untersucht Kimmi: „Das Bein könnte gebrochen sein, und auch mit dem Rüssel scheint etwas nicht zu stimmen“ stellt Haas fest. Der Arzt ordnet die weiteren Untersuchungen an: Röntgen und Blut abnehmen.

In der Notfallambulanz wird Kimmi untersucht. Foto: pm

Zusammen mit Gertrud Allgeier legen die Kinder den Patienten auf den Röntgentisch. Die erste Diagnose war richtig. Benjamin Graf, Facharzt für Radiologie, erklärt den Kindern die Aufnahmen am Bildschirm. „Das gebrochene Bein sieht man gut, aber was im Rüssel steckt, können wir auch auf dem Röntgenbild nicht genau erkennen!“ Also ist eine weitere Untersuchung nötig.

Doch zuerst bekommt Kimmi einen Gips, den ihm Pflegedirektorin Martina Hattler anlegt. So versorgt, schieben die Kinder den Patienten in die Endoskopie. Oberärztin Dr. Miriam Stengel erwartet ihn bereits. „Jetzt schauen wir zuerst einmal mit der Kamera in den Rüssel!“ Die Kinder assistieren der Oberärztin, und schnell wird klar: Im Rüssel steckt eine Geldmünze!

Kein Problem für Dr. Stengel: Mit Kamera, Lichtquelle und einer speziellen Zange angelt die Oberärztin der Klinik für Innere Medizin die Münze aus dem verstopften Rüssel. „Machst du sowas auch in echt?“ fragt ehrfurchtsvoll eine junge Dame. „Ja, zwar nicht bei einem Elefanten, aber bei Kindern, die stecken sich manchmal auch Sachen in die Nase!“

Zum Abschluss muss der Elefant noch gepiekst werden. Laborleiter Holger Beha erklärt, was die Ärzte im Blut eines Patienten alles erkennen können und zeigt, wie man Blutzucker misst. „Wer von euch möchte denn seinen Blutzucker messen lassen?“ fragt er. Zögerlich geht ein Arm in die Höhe – gefolgt von vielen anderen, die jetzt doch neugierig geworden sind und sich ganz mutig einen Tropfen Blut abnehmen lassen.

Die Blutzuckerwerte sind ok. Foto: pm

Nachdem klar ist, dass sowohl Kimmi als auch die KiJu-Ferienkinder hervorragende Blutzuckerwerte haben, darf der Patient auf Station in sein Bett – und die Kinder, nach einem Eis im Krankenhauscafé, mit vielen Eindrücken und hoffentlich weniger Angst vor dem Krankenhaus wieder nach Hause.

 

Mehr auf NRWZ.de