Mit dem Feuerwehrauto gegen das Fischsterben

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Seit dem vergangenen Dienstag steht der Sportanglerverein Rottweil vor einem Problem: ihr Hardthausweiher lief zunächst leer. Das konnten die Vereinsmitglieder beheben – doch nun droht wegen der hohen Temperaturen ein Fischsterben. Die Vereinsführung bezeichnet das, was an dem kleinen See gerade passiert, bereits als „Beinahe-Katastrophe“. 

Der Hardthausweiher. Foto: pm

Am Dienstag gegen 11.30 Uhr erreichte Dietmar Greuter, den Vorsitzenden des Sportanglervereins, die erste der beiden schlechten Nachrichten. Der Weiher, der an der Bundesstraße 27 Richtung Neukirch liegt, liefe leer. „Tatsächlich waren wohl im Mönch, der Ablaufvorrichtung des Weihers, Bretter durchgebrochen, so dass das Wasser sturzbachartig aus dem Weiher ablief“, so Greuter in einer Mitteilung an die Lokalpresse.

Der Vereinschef trommelte daraufhin zehn seiner Angelkollegen zusammen. Gemeinsam schafften sie es, das Leck zu stopfen – allerdings erst nach mehreren Stunden Arbeit. Inzwischen hatte ein Vereinsmitglied seinen Radlader zur Verfügung gestellt. „Damit konnten mehrere sogenannte Bigbags mit feinem Schotter vor dem Leck platziert werden“, berichtet Greuter. Zahlreiche weitere Maßnahmen seien notwendig gewesen, um den enormen Wasserverlust weiter einzudämmen.

Erst am späten Abend des Dienstags zeigten sich die Angler einigermaßen zuversichtlich, dass der Wasserverlust gestoppt und ein Fischsterben vorläufig verhindert hatte werden können.

„Doch kaum ist das eine Problem behoben, bereitet die aktuelle hochsommerliche Wetterlage das nächste Problem“, so Greuter in seinem Bericht weiter. Der Weiher führe nun wenig Wasser, habe etwa 26 Grad Wassertemperatur, es gehe nur ein schwacher Wind und es herrsche eine hohe Fischdichte vor. All das führe zu einer „extrem schlechten Sauerstoffversorgung der Fische und damit zu einem hohen Risiko eines Massenfischsterbens“, schreibt Greuter. „Dies gilt es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern“, sagt er.

Wie gut, dass der Verein auch einen Feuerwehrmann in seinen Reihen hat. Andre Keller von der Abteilung Göllsdorf hat das gute, alte Löschfahrzeug organisiert. Mit dem Mercedes aus den 80-ern wird nun täglich Wasser aus dem Weiher gepumpt und in einer Fontäne in den See zurückgespritzt. „Das soll dazu führen, dass das Wasser zum Einen abkühlt und zum Anderen zusätzlich wieder Sauerstoff aufnimmt“, erklärt Greuter.

„Wir und unsere Fische müssen die Phase bis zum nächsten richtigen Regen überstehen,“ sagen Gewässerwart Günter Lüthy und sein Stellvertreter Achim Grabert zu der Situation. Aktuell gefährdet seien mehrere Tonnen Karpfen, Hechte, Zander, Welse und Weißfische. Erst wenn der Wasserspiegel wieder deutlich steige, sieht sich der Verein auf der sicheren Seite. Bis dahin wollen die Angler bereitstehen, um alles zu tun was für sie möglich ist.

„Langfristig kommen wir nicht darum herum, den Weiher grundsätzlich zu sanieren“, ergänzt Vereinschef Greuter. Vieles sei zwischenzeitlich marode. „Dazu müssen wir gemeinsam mit dem Gewässerbesitzer, der Stadt Rottweil, einen Plan entwickeln und eine Finanzierung sicherstellen, um das Gewässer sowohl hinsichtlich der Betriebssicherheit aber auch im Hinblick auf ökologische Anforderungen umzugestalten“, so Greuter abschließend.

„Die Rettung von Tieren ist auch eine Aufgabe der Feuerwehr.“ Damit begründet Stadtbrandmeister Frank Müller den Einsatz des Göllsdorfer Fahrzeugs seiner Wehr. Der sei in Absprache mit ihm erfolgt, er sei selbst beim Weiher schon draußen gewesen und von den Anglern ins Bild gesetzt worden.

Seitens der Göllsdorfer sind mehrere Feuerwehrmänner beteiligt – alle ehrenamtlich, alle in ihrer Freizeit, so Müller weiter. Die Einsatzfähigkeit der Abteilung sei zudem sichergestellt. Das alte Löschfahrzeug sei entbehrlich, die Göllsdorfer Wehr verfüge über ein weiteres. Dies ist ein Löschfahrzeug aus dem Jahr 2005, das zudem einen Wassertank hat.

Eine Alternative zu der Aktion mit dem Löschfahrzeug sieht Müller nicht. „Wir müssten eine Kilometer lange Leitung legen“, sagt er, „und woher sollten wir das Wasser nehmen?“ Tinkwasser sei tabu. Zumal man in der laufenden Hitzeperiode auch ans Wasser sparen denken solle.

Während Müller das sagt, trudelt bei ihm eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes ein – eine „amtliche Warnung vor Hitze“, wie der Feuerwehrkommandant vorliest.

Deshalb sieht er auch ziemlich schwarz für den Hardthausweiher. „Derzeit ist kein Regen in Sicht“, die Meteorologen hätten keine ausreichende Menge an Niederschlag angekündigt. Der Weiher drohe, auszutrocknen. „Ich sehe die Gefahr, dass er durch seine natürliche Verdunstung weiter Wasser verliert“, sagt Müller. Zumal der Weiher nicht tief sei.

Das Umwälzen, das derzeit läuft, aber bringe schon etwas. „Dabei wird das Wasser des Teichs mit Sauerstoff angereichert“, so Müller. „Das probieren wir so lange, wie die Pumpen nicht mit Schlick zugesetzt werden.“

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