Warum der Schwabe kein Viagra braucht: Christoph Sonntag beim Ferienzauber. Foto: Moni Marcel 

ROTTWEIL – Chris­toph Sonn­tag ist bekann­ter Garant für gute Lau­ne, Wort­witz und spit­ze Sei­ten­hie­be. Am Mitt­woch war er am Was­ser­turm, und Kar­ten gab es schon lan­ge zuvor kei­ne mehr, das Zelt war rest­los aus­ver­kauft. Ent­spre­chend gut die Stim­mung, denn der schwä­bi­sche Kaba­ret­tist ist lan­ge genug auf der Büh­ne, um zu wis­sen, wie man die Leu­te nimmt.

Nahm sich gleich den aus dem Saar­land stam­men­den ers­te-Rei­he-Sit­zer Ernst vor, denn das Saar­land, das ist der ein­zi­ge Ort, wo man auf der Auto­bahn wen­den darf, näm­lich, um gar nicht erst dort­hin zu kom­men. Ernst war dann auch der Run­ning-Gag des Abends, glück­li­cher­wei­se hat er näm­lich eine Frau mit dem schö­nen Namen Dia­na, und außer­dem lebt er in Wald­mös­sin­gen. Etwas Bes­se­res hät­te ihm gar nicht pas­sie­ren kön­nen.

Auch Chris­toph Sonn­tag pas­sie­ren tol­le Sachen, etwa als sei­ne Toch­ter ihn Chia­sa­men ein­kau­fen schickt, er aber von dem Gesund­heits­ge­tue die Nase voll hat und sich statt­des­sen mit Hut und ange­kleb­tem Bart zur Imbiss­bu­de schleicht. Wo er dann – oh Wun­der – lau­ter ande­re Väter trifft, eben­so ver­klei­det, Cur­ry­wurs­tessend. Wal­dorf­schul­vä­ter. Die er vom Eltern­abend her kennt, auch das eine Erfah­rung für sich: „Da spricht mich so ein selbst­ge­filz­ter Typ an…“

Ein Mon­tag bei der Fami­lie Sonn­tag? Oh, da pas­siert so aller­hand. Frau Sonn­tag möch­te Sport machen, aber irgend­wie ist das mit Falt­rad so eine Sache. Und dann noch ohne Helm und Klin­gel, auweia. Also geht man shop­pen, und weil Chris­toph Sonn­tag bekannt­lich kei­nen Trend ver­pennt, lan­det er beim Suga­ring und lässt sich unfrei­wil­lig die Haa­re vom Rücken abrei­ßen, von deren Exis­tenz er bis­lang noch gar nicht wuss­te. Ach ja, sei­ne Masch­t­häv­le, denen spürt Sonn­tag mit Vor­lie­be nach. Dem Fit­ness­arm­band, das ihm sei­ne Frau geschenkt hat.

Das ist wie eine Fuß­fes­sel für Men­schen, die es noch nicht mal schaf­fen, straf­fäl­lig zu wer­den!“, Der Unter­schied zum Fit­ness­arm­band? „Die Fuß­fes­sel kriegst Du bei guter Füh­rung wie­der los.“ Er hat sei­ne dem Hund umge­hängt, und so zeigt sie dann abends an: Neun­mal gegen den Baum gepin­kelt und vier­mal Sex gehabt.

Sein neu­es­tes Masch­t­häv­le nahm er am Mitt­woch gleich mit dem Rott­wei­ler Publi­kum zusam­men auf, man wird es nächs­te Woche im SWR zu hören bekom­men: Infu­sed Water, also Quell­was­ser, das bei­spiels­wei­se mit Bio-Ing­wer und fran­zö­si­schem Knob­lauch ver­setzt ist. Wie prak­tisch, fin­det Papa Sonn­tag, denn nun kann er  das Spu­del­kis­ten­schlep­pen abha­ken und den jedem Trend nach­het­zen­den weib­li­chen Mit­glie­dern sei­ner Fami­lie mit Küchen­ab­fäl­len ver­setz­tes Lei­tungs­was­ser vor­set­zen.

Man erfährt hier aber auch, war­um der Schwa­be an und für sich kein Via­gra braucht: Für daheim ist‘s zu teu­er und aus­wärts geht’s ohne. Sonn­tag mag es def­tig und das Publi­kum auch, aber der sprach­ge­wal­ti­ge Schwa­be kann auch anders. Sei­ne Kret­sch­mann-Oet­tin­ger-Hand­pup­pen legen einen köst­li­chen Dia­log hin, das ist gran­di­os.

Ein beein­dru­cken­der Abend im ziem­lich über­hitz­ten Zir­kus­zelt, die Zuga­be ein Rück­blick in die Acht­zi­ger, als der Och­sen­wirt noch die Plat­ten auf­leg­te in sei­ner gleich­na­mi­gen Dis­ko und man noch rich­tig Steh­blues tan­zen konn­te. Sonn­tag ist tat­säch­lich auch ein tol­ler Schau­spie­ler. Und er hat eine Stif­tung gegrün­det, die man am Ende mit dem Kauf von Büchern und CDs unter­stüt­zen konn­te. Sie küm­mert sich unter ande­rem um obdach­lo­se Kin­der und Jugend­li­che. Auch das ist beein­dru­ckend.