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Landkreis Rottweil
Dienstag, 25. Februar 2020

Mozart anders mit Germanistik-Pianist Christoph Schanze

Von Bernhard Pahlmann

ROTTWEIL – Klassik in der Hauptstraße? Wo? Na, in dem Laden wo es die Überraschungen gibt, Glückseligkeiten von Rau, Hauptstraße 41. Dr. Christoph Schanze, ein Germanist, der auch Klavier studiert hat, oder ein Pianist, der sein Brot in der Literaturwissenschaft verdient? Beides trifft zu und ist doch nicht ganz richtig.

Vor handverlesenem Publikum im Ambiente dessen, was Rau als Glückseligkeiten verheißt, ein Mozartabend. Das Klavier ist sicher verbesserungsbedürftig. Aber was ist wichtig an diesem Abend? Die Sechzehntel wollen nicht so recht perlen. Und so scheint Mozart immer mal frech dazwischen zu rufen: “Bei mir war das vor 235 Jahren auch nicht immer perfekt!“ Nein, mit den marktwirtschaftlich geprägten Ansprüchen des aktuellen Klassik-Konsumenten kommt das Auditorium heute nicht weiter.

Angesagt ist vielmehr die persönliche Annäherung an die Lebenssituation, das gesellschaftliche Umfeld und die Ungewöhnlichkeiten des Lieblingsknaben der musikalischen Epoche, die auch nach über 200 Jahren nicht ganz out ist. Und da kommt eine Stärke des Künstlers ins Spiel: er versteht es auch mit Texten umzugehen und wichtige Informationen zu seinem Programm den Zuhörern nahe zu bringen.

Zwei Dur-Sonaten (C und A.Dur, Köchelverzeichnis 330 und 331) stehen den Moll-Werken (Fantasie d-Moll und Rondo a-Moll, Köchelverzeichnis 397 und 511) im Wettbewerb um die Zuwendung des Pianisten gegenüber. Und dieser hält es eindeutig mit den zweiteren, vor allem dem Rondo mit ungewöhnlichen Mozart-Harmonien. Das Publikum ist begeistert, so dass noch ein Adagio aus der Sonate F-Dur, Köchelverzeichnis 332 als Zugabe zur zweiten Kategorie hinzugefügt wird. Schönes Beispiel für die Methode Schanze: in Ermangelung des Hammerklaviers imitiert er im Türkischen Marsch der A-Dur Sonate sogar die ‚Janitscharenmusik‘, indem er Verzierungen wie hinkend zusammenpresst.

Vor fünfzig Jahren konnte ein pfiffiger Journalist musizierenden Studenten ihren schwarzen Anzug in der Konzertkritik um die Ohren hauen. Da steht Christoph Schanze 2018 drüber, sogar mit Krawatte. Er hat wirklich etwas zu sagen.

 

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