Mysterienspiel-Aufführung in Brugg . Foto: vhh

ROTTWEIL – Die Rott­wei­ler Mys­te­ri­en­spie­ler waren bereits zum sieb­ten Mal zu einem Gast­spiel in Brugg, in der schwei­zer Part­ner­stadt von Rott­weil. Die Auf­füh­rung des neu­en Mys­te­ri­en­spiels „Sehn­sucht nach Erneue­rung- Suche nach Wahr­heit und Frei­den um 1500 und heu­te“ hat in der St.Nikolaus-Kirche ein begeis­ter­tes Publi­kum gefun­den.

Die Mys­te­ri­en­spiel­grup­pe mit Jugend­li­chen des Alber­tus-Magnus-und Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­ums Rott­weil unter der Lei­tung von Vero­ni­ka Heck­mann-Hage­loch lässt im neu­en Stück die Zeit um 1500 leben­dig wer­den in Wor­ten, Kos­tü­men und Musik. Berühm­te Per­sön­lich­kei­ten tre­ten auf. Eras­mus von Rot­ter­dam, Theo­lo­ge und Wis­sen­schaft­ler, zum Bei­spiel ist in der Schweiz noch gut bekannt, denn er leb­te zeit­wei­se in Basel und ist als katho­li­scher Pries­ter im damals schon refor­mier­ten Bas­ler Müns­ter in Hoch­ach­tung sei­ner Lebens­leis­tung bei­gesetzt wor­den. Er setz­te sich damals für bedin­gungs­lo­sen Frie­den ein und erin­nert auch heu­te dar­an, dass der Frie­de eine wich­ti­ge Auf­ga­be ist.

Eras­mus stand im Brief­wech­sel mit Mar­tin Luther und mahn­te auch ihn zum Frie­den. In sei­nem Buch „Das Lob der Tor­heit” schreibt er kri­tisch und zugleich hoff­nungs­voll über die Not­wen­dig­keit von Refor­men in der Kir­che. Aus­zü­ge aus die­ser berühm­ten Schrift bringt ein Narr zu Gehör. Eng befreun­det mit Eras­mus waren Tho­mas Morus und des­sen Toch­ter Mar­ga­ret. Der Poli­ti­ker Tho­mas Morus, eng­li­scher Lord­kanz­ler unter König Hein­rich VIII., wur­de hin­ge­rich­tet, weil er sei­nem Gewis­sen treu geblie­ben ist. In sei­ner Schrift „Uto­pia” ent­warf er das Ide­al eines Staa­tes, in dem Men­schen in Frie­den leben kön­nen. Neben Theo­lo­gie und Poli­tik wer­den in wei­te­ren Sze­nen des Mys­te­ri­en­spiels auch Kunst und Wis­sen­schaft in die­ser an Umbrü­chen rei­chen Zeit der Spät­go­tik bzw. Renais­sance vor­ge­stellt.

Im Gemein­de­haus war die Grup­pe nach der Pro­be zu Ves­per, Kaf­fee und köst­li­chem Kuchen  ein­ge­la­den. Als das stür­mi­sche und reg­ne­ri­sche Wet­ter sich beru­higt hat­te, konn­te die Grup­pe in der Pau­se vor der Auf­füh­rung noch einen kur­zen Rund­gang durch die reiz­vol­le Alt­stadt unter­neh­men und das tie­fe Aare-Tal an der Brü­cke mit dem Schwar­zen Turm betrach­ten, in den ein Stein vom Rott­wei­ler Schwar­zen Tor ein­ge­fügt ist. Der ältes­ten Städ­te­part­ner­schaft Deutsch­lands, die seit 1913 gepflegt wird, begeg­ne­te man auch an einer „Freund­schafts­lin­de“ vor dem präch­ti­gen „Latein­schul­haus“ mit sei­nen Fas­sa­den-Fres­ken aus dem Früh­ba­rock. Illu­sio­nis­tisch, als wären es Nischen­fi­gu­ren, sind dort die sie­ben frei­en Küns­te als Per­so­ni­fi­ka­tio­nen dar­ge­stellt und Inschrif­ten zu lesen in Hebrä­isch, Alt­grie­chisch und Latein, sym­bo­lisch für das, was in die­ser Schu­le gelehrt wur­de.

Pas­to­ral­re­fe­rent Simon Mei­er, Gemein­de­lei­ter der katho­li­schen Gemein­de, dank­te im Anschluss an die Auf­füh­rung  für das beein­dru­cken­de Spiel und beson­ders auch Bea­te Vöh­rin­ger für das Orgel­spiel, bei dem auch Stü­cke aus dem 16. Jahr­hun­dert erklun­gen sind. Die Rott­wei­ler dank­ten wie­der­um für die herz­li­che Gast­freund­schaft, mit der sie wie­der emp­fan­gen wor­den sind. Dies sind wirk­lich Zei­chen der Freund­schaft zwi­schen Brugg und Rott­weil.

Am Sams­tag, 25. Novem­ber, um 18 Uhr steht nun die ers­te Auf­füh­rung in Rott­weil bevor. Zum ers­ten Mal zeigt die Grup­pe ein Stück in der Basi­li­ka St.Pelagius in Rott­weil-Alt­stadt (Orgel: Bea­te Vöh­rin­ger). Am Mitt­woch, 7. März ab 20 Uhr und am Sonn­tag, 11. März, um 17 Uhr fol­gen dann wei­te­re Auf­füh­run­gen in Rott­weil im neu reno­vier­ten Hei­lig-Kreuz-Müns­ter.

Eine Gast­spiel­rei­se führt die Grup­pe im Mai ins Rhein­land, wo am Frei­tag, 11.Mai, in Heim­erz­heim in der Maria-Mag­da­le­na-Kir­che das Mys­te­ri­en­spiel gezeigt wird. Der Ein­tritt ist wie immer frei, um Spen­den wird gebe­ten. Aktu­el­le Infor­ma­tio­nen unter: www.mysterienspiel.de.