NRWZ.de, 20. September 2022, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Nach 40 Jahren im Gesundheitswesen verabschiedet

Gynäkologe Günter Derleth geht in Rente

ROTTWEIL – Die letzte OP ist zu Ende, alle Patientinnen sind versorgt, ein großer Blumenstrauß schmückt den Tisch im Büro – und für Günter Derleth ist an diesem Tag die Zeit gekommen, von der Helios Klinik Rottweil, von seinem Team, von Patientinnen und vom weißen Arztkittel Abschied zu nehmen. Mit 71 Jahren wird er in den Ruhestand verabschiedet. Nach 40 Jahren im Gesundheitswesen und 33 Jahren im Krankenhaus am Standort Rottweil. Eine beeindruckende Bilanz. Es ist ein echtes Urgestein, das geht.

An diesem letzten Arbeitstag hat er noch alle Hände voll zu tun. Für große Worte bleibt nur wenig Zeit. Und trotzdem wird ihm sehr viel Dankbarkeit entgegengebracht – vom Klinikgeschäftsführer Tobias Grundmann im Namen der ganzen Belegschaft, von den Teamkollegen, von den Patientinnen. Die Wehmut ist deutlich zu spüren, auf allen Seiten. „Es war mir immer eine Freude, hier zu arbeiten“, sagt Günter Derleth, sichtlich gerührt.

„Und es endet, wie es angefangen hat. Es gibt immer zu tun“, stellt der Oberarzt fest. Seine Schwerpunkte an der Helios Klinik Rottweil waren gynäkologische Onkologie sowie spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin. Er hat von Anfang an das Brustzentrum mit aufgebaut, betreut und eine Zeit lang auch geleitet. „Dieses ist nun mit Doktor Stefan Pastor in guten Händen. Jetzt kann ich ruhig in Rente gehen“, sagt Günter Derleth.

Eigentlich wollte er den Schritt schon mit 65 Jahren machen – doch weil das Team so gut und die Chefs so „nett und kompetent“ waren, ist er doch „ein bisschen länger“ geblieben. Am Ende sind sechs Jahre daraus geworden, in denen Günter Derleth viele Patientinnen auf dem Weg der Heilung begleiten durfte. Er hat operiert, junge Assistenten angelernt, sein profundes Wissen weitergegeben. Auch die erfolgreiche Rezertifizierung des Brustzentrums fiel in diese Zeit. Und er hat selbst nie aufgehört, dazuzulernen – auch nach 40 Jahren im Gesundheitswesen nicht.

„Die Medizin hat sich dramatisch verändert. Man weiß viel mehr, die Therapie ist viel weiter. Wir haben tolle Fortschritte gemacht“, sagt Dr. Derleth. Man könne viele Patientinnen mit Mamma-Karzinom (Brustkrebs) heilen. „Man kann vielen wirklich helfen“, freut er sich. Auch deshalb sei es für ihn immer wichtig gewesen, „am Ball zu bleiben und permanent zu lernen“.

Viele Geschichten und Schicksale von Patientinnen, vor allem in der Onkologie, haben ihn in all den Jahren bewegt und nachhaltig geprägt. „Als Arzt muss man natürlich versuchen, wenn man nach Hause geht, etwas Abstand zu schaffen. Es gab aber immer wieder Fälle, bei denen es nicht funktioniert hat. Die gingen einem persönlich sehr nah“, schildert Dr. Derleth. Dafür werde man aber entschädigt – dadurch, dass man so viele Patientinnen heilen kann, betont er.

Und manche von ihnen hat er während seiner beruflichen Laufbahn in Rottweil sogar mehrmals gesehen: „Ich hatte Frauen, die bei mir entbunden haben und die ich dann 25 Jahre später an der Gebärmutter oder an der Brust operiert habe. Die Patientinnen, die werden ja mit einem älter.“

Dass er Arzt wird und Gynäkologie zu seinem Spezialgebiet, das war übrigens alles andere als selbstverständlich und eher einem Zufall geschuldet. „In meinem ersten Leben war ich Kaufmann“, sagt Günter Derleth schmunzelnd. „Auf Buchhaltung spezialisiert, man würde jetzt Accountant sagen“, schiebt er hinterher. Sein Abitur hat der zukünftige Arzt im zweiten Bildungsweg gemacht. Und während seines Medizinstudiums in Frankfurt hat er den Lebensunterhalt als Taxifahrer verdient, erinnert er sich.

In seinem praktischen Jahr wollte er eigentlich in die Pädiatrie. Da aber viele den gleichen Wunsch hatten und die Plätze am Krankenhaus rar waren, wurde gelost. „Es hieß: Die Gynäkologie hat auch was mit Kindern zu tun.“ Und es erwies sich als Glücksfall: Derleth wurde „in einer tollen Abteilung mit einem tollen Chef“ empfangen. Nach seiner Facharztprüfung zog er dann in den Süden. Rottweil ist so für Jahrzehnte zu seiner nicht nur beruflichen Heimat geworden.

Nun freut sich der 71-Jährige darauf, im Ruhestand mehr Zeit privat verbringen zu können, mehr zu reisen und „alles zu erledigen, was zu Hause liegen geblieben ist“, verrät er seine Pläne. Und wenn im Dezember ein Enkelkind auf die Welt kommt, dann ist Günter Derleth bestimmt auch gut eingespannt. Für Langeweile sind dann auf jeden Fall kein Platz und keine Zeit.

Nach 40 Jahren im Gesundheitswesen verabschiedet