Eine eilige Aktion noch am Mittwoch, dem Tag des Orkans: Das Katholische Verwaltungszentrum Rottweil hat den Kapellenhof am Fuße des Kapellenturms durch den städtischen Bauhof absperren lassen. Einzelne, faustgroße Gesteinsbrocken waren bereits herab gefallen. Jetzt prüft ein Steinmetz vor Ort die Sicherheit des schönen Turms, mit dessen Bau 1330 begonnen worden sein soll.

Reagierte rasch: Hausmeister Klaus Wydra. Foto: gg

Klaus Wydra reagierte rasch. Laut seinem Chef, Michael Rais vom Katholischen Verwaltungszentrum, hat der Hausmeister sofort das Ordnungsamt der Stadt kontaktiert, nachdem er erkannt hatte, dass Orkan “Burglind” sich auch am ehrwürdigen Kapellenturm vergriffen hatte. “Nach einer halben Stunde war schon der Bauhof da und hat den Bereich vor dem Turm abgesperrt”, gibt Wydra das Lob gleich an die Stadt weiter. “Die waren sehr schnell.”

“Die Absperrung ist eine Vorsichtsmaßnahme”, so Rais auf Nachfrage der NRWZ. Bauzäune verhindern jetzt den Zugang zum Hauptportal der gotischen Kirche. Es seien “kleinere Steinteile” vom Turm herab gefallen. Es habe eine Gefahr für Passanten bestanden. Deshalb sei die Kirche auch gleich auf einen Steinmetz zugegangen, der nun die Sicherheit am Turm überprüfen soll.

Schaut sich den Schaden an: Steinmetz Klaus Locher. Foto: gg
Locher mit einem der Bruchstücke. Dieses lose Stück Stein hat er selbst entfernt, es ist nicht herunter gefallen. Foto: gg

Die NRWZ trifft diesen Steinmetz direkt vor Ort. Es ist Klaus Locher aus Fridingen. In Rottweil ist der Steinrestaurator und-bildhauer kein Unbekannter, er hat das Schwarze Tor mit saniert, war bei der Renovation des Münsters beteiligt. Und jetzt sollte, wenn es nach ihm geht, die Sanierung des Kapellenturms geplant werden.

Locher ist einen der beiden seitlichen Türme hinauf geklettert – eine steinerne Wendeltreppe, deren Enge und Höhe einen schwindeln lässt. Die herum liegenden toten Tauben sorgen beim NRWZ-Mann für zusätzlichen Nervenkitzel.

“Das sind eingebaute Zeitbomben”, sagt Locher und deutet, nein, nicht auf eine tote Taube oder einen der Silvester-Raketenköpfe, die herum liegen, sondern auf einen Eisennagel, mit dem die Steine offenbar teils miteinander verbunden worden sind. Eisen rostet, sprenge deshalb das Gestein allmählich auseinander. Und bei einem Orkan wie “Burglind” können dann Stücke ausbrechen. Heute würde man Edelstahl für die Nägel nehmen, so Locher. Nun ist die Kirche aber eben bald 700 Jahre alt.


“Eingebaute Zeitbombe”: ein rostiger Eisennagel. Foto: gg

Allerdings sieht der Steinmetz kein größeres Problem am Kapellenturm. “Er ist nicht einsturzgefährdet”, sagt der Experte zum Journalisten. Mit einem mahnenden Blick, man möge das keinesfalls anders schreiben. Während seines Rundgangs habe er, Locher, bislang zehn Stellen ausgemacht, an denen Steinstücke ausgebrochen sind. “Die werden wir flicken”, sagt er, und meint es auch so. Entweder mit den eingesammelten Bruchstücken oder eben mit Ersatzstücken. “Überhaupt kein Problem.”

Bleibt wenigstens für eine Woche eingerüstet: der Kapellenturm. Foto: gg

Nun will Locher noch einen Steiger organisieren, mit dem er den äußeren Bereich des Turms abfahren kann. Und in einer Woche, wenn das Wetter nicht gar zu schlecht wird, will er mit der Flickerei fertig sein. Dann könne auch der Bauzaun weichen.