Nach Katz-und-Maus-Spiel: Rottweiler Ordnungsamt verschrottet erstmals ein Auto

Stadtverwaltung hat die Faxen dicke / Wagen bereits Ziel von Vandalismus

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Bereits Ziel von Vandalismus: abgemeldeter Wagen in Rottweil. Foto: Peter Arnegger
Bereits Ziel von Vandalismus: abgemeldeter Wagen in Rottweil. Foto: Peter Arnegger

Jetzt hat­te die Stadt­ver­wal­tung Rott­weil die Faxen dicke. Nach mona­te­lan­gem Katz-und-Maus-Spiel mit dem Eigen­tü­mer eines abge­mel­de­ten Klein­wa­gens hat sie ihre Dro­hung wahr gemacht, das Auto abge­schleppt und bereits ver­schrot­tet. Eine Pre­mie­re in Rott­weil, so alt­ge­dien­te Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter.

Zuletzt stand der Klein­wa­gen ohne Kenn­zei­chen, ein dun­kel­blau­er Opel Cor­sa, am Ende des Ross­wa­sen­wegs. Gleich beim Stadt­gra­ben, auf einem städ­ti­schen Schot­ter­park­platz. Zuvor war das Auto mehr­fach bereits, berich­ten Anwoh­ner, umge­parkt wor­den. Der Eigen­tü­mer und sein abge­mel­de­tes Hei­lix-Blech­le – immer auf der Flucht vor dem Ord­nungs­amt.

Bis 18. Okto­ber hat­te der mut­maß­lich jun­ge Mann noch eine letz­te Frist, sein Vehi­kel vom öffent­li­chen Grund zu ent­fer­nen. Das teil­te die Stadt­ver­wal­tung ihm unmiss­ver­ständ­lich mit roten Auf­kle­bern mit. Net­tes Detail: Frü­he­re Auf­kle­ber glei­chen Inhalts, aber frü­he­ren Datums, hat der Eigen­tü­mer des Cor­sas ent­fernt. Wahr­schein­lich, als er ihn gera­de wie­der mal umpark­te.

Klare Ansage

Der auf­fäl­li­ge, knall­ro­te Kle­ber ist ein­deu­tig for­mu­liert, eine ech­te Ansa­ge. „Sie haben ein für den Stra­ßen­ver­kehr nicht zuge­las­se­nes Fahr­zeug im öffent­li­chen Ver­kehrs­raum abge­stellt”, steht da. Das sei eine Ord­nungs­wid­rig­keit. Bis zum ange­ge­be­nen Datum habe der Hal­ter das Fahr­zeug zu ent­fer­nen. Andern­falls über­neh­me das die Ord­nungs­be­hör­de: abschlep­pen, ver­wah­ren, besei­ti­gen. Alles inklu­si­ve.

Aktiver Halter

Aller­dings war der Hal­ter fin­dig. Bezie­hungs­wei­se recht aktiv. „Der Fahr­zeug­hal­ter wur­de bereits mehr­fach ange­schrie­ben”, so das Ord­nungs­amt der Stadt in einer Stel­lung­nah­me gegen­über der NRWZ. Und: „Es ist tat­säch­lich so, dass das Fahr­zeug nach jedem Anschrei­ben wie­der umge­stellt wor­den ist und wir es nach ein paar Tagen an ande­rer Stel­le, immer im öffent­li­chen Ver­kehrs­raum, wie­der gefun­den haben.” Die Poli­zei sei eben­falls infor­miert wor­den und die Vor­ge­hens­wei­se abge­stimmt.

Am Ende hat es dem Cor­sa-Eigen­tü­mer nichts genutzt. Am gest­ri­gen Mitt­woch ist das Auto abge­schleppt und ver­schrot­tet wor­den. „Schnel­ler geht das lei­der nicht, weil ich das ankün­di­gen und den Wert schät­zen las­sen muss­te”, so Rena­te Glatt­haar, Abtei­lungs­lei­te­rin im Rott­wei­ler Ord­nungs­amt.

Eine Premiere

Den Ver­si­che­rungs­schutz ver­lie­ren wegen Zah­lungs­ver­zugs, des­halb auch die Kenn­zei­chen – das kann schon pas­sie­ren. An 25 bis 30 Autos pro Jahr kle­ben die Stadts­he­riffs den knall­ro­ten Hin­weis. Manch ein Wagen bekommt auch eine Weg­fahr­sper­re, eine Kral­le ans Rad. Das beschleu­nigt oft aus­ste­hen­de Zah­lun­gen erheb­lich.

Noch nie aber sei es in Rott­weil vor­ge­kom­men, dass ein Auto tat­säch­lich abge­schleppt und dann ver­schrot­tet wor­den ist. Jeden­falls erin­nern sich auch alt­ge­dien­te Ord­nungs­amts­mit­ar­bei­ter auf Nach­fra­ge der NRWZ an kei­nen sol­chen Fall.

Der Hal­ter des Cor­sas hat­te das Ord­nungs­amt und die Ner­ven sei­ner Mit­ar­bei­ter zu sehr stra­pa­ziert. Er hat sie gereizt, wie noch kei­ner zuvor.

Ziel von Vandalismus

Inzwi­schen war der abge­mel­de­te Opel Cor­sa dort am Ross­wa­sen­weg bereits Ziel von Van­da­lis­mus. Mit ein­ge­schla­ge­ner Heck­schei­be hat er wenigs­tens seit 8. Novem­ber dort gestanden.Jetzt hat die Stadt die kaput­te Kar­re end­gül­tig besei­tigt.