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Rottweil
Samstag, 7. Dezember 2019
Start Rott­weil Nach­dem zwei Kin­der nachts stun­den­lang in der Not­auf­nah­me war­ten muss­ten: Lob und…

Nachdem zwei Kinder nachts stundenlang in der Notaufnahme warten mussten: Lob und Tadel für die Rottweiler Helios-Klinik

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ROTTWEIL, 9. Okto­ber (gg) – Stress in der Not­auf­nah­me: Zwei klei­ne Mäd­chen, eines acht, das ande­re noch jün­ger, muss­ten in der Nacht zum Fei­er­tag ver­gan­ge­ne Woche meh­re­re Stun­den lang in der Not­auf­nah­me des Rott­wei­ler Kran­ken­hau­ses aus­har­ren. Das eine mit einer Bän­der­deh­nung, das ande­re mit Ver­brü­hun­gen am Arm. Eine Spre­che­rin der Kli­nik bestä­tigt gegen­über der NRWZ, dass es zu Ver­zö­ge­run­gen in der Zen­tra­len Not­auf­nah­me und beim Rönt­gen gekom­men ist. Und sie ent­schul­digt sich für län­ge­re War­te­zei­ten. Auf Face­book hat NRWZ.de dann über den Fall berich­tet und zur Dis­kus­si­on auf­ge­ru­fen. Weit mehr als 100 Kom­men­ta­re sind dar­auf­hin inner­halb von 24 Stun­den ein­ge­gan­gen – was zeigt, dass das The­ma inter­es­siert. Die Heli­os-Kli­­nik Rott­weil kann in den Leser­mei­nun­gen sehr viel Tadel ent­de­cken. Aber auch sehr viel Lob.

Die Nacht zum Tag der Deut­schen Ein­heit ver­gan­ge­ne Woche. Es ist etwa 20.30 Uhr. Das Not­fall­team in der Rott­wei­ler Heli­os-Kli­­nik hat Stress etwa mit einer betrun­ke­nen Frau und einem CT für einen Schwerst­ver­letz­ten im Schock­raum. So viel Stress, dass für die bei­den klei­nen Mäd­chen zunächst kei­ne Zeit bleibt.

Gegen 23.30 Uhr kommt das acht­jäh­ri­ge Mäd­chen dann dran. Ihre Bän­der­deh­nung wird behan­delt, sie kann anschlie­ßend mit dem Arzt wie­der nach Hau­se. Inter­es­sant ist: Das Pro­to­koll der Kli­nik führt im genann­ten Zeit­raum nur die­sen einen Fall eines Kin­des. Vom ande­ren Mäd­chen steht da nichts. ‘In der Zeit zwi­schen 18 und 24 Uhr haben wir laut Sys­tem nur ein Kind behan­delt, ansons­ten nur Erwach­se­ne’, sagt Andrea Schmi­der, die Spre­che­rin der Kli­nik. Sie hat für die NRWZ nach­ge­schaut. Das zwei­te Mäd­chen muss also mit sei­nem Vater die Kli­nik wie­der ver­las­sen haben, als sie nicht dran kamen.

Spre­che­rin Schmi­der bestä­tigt, ohne die Schwei­ge­pflicht im Ein­ze­fall bre­chen zu dür­fen und zu wol­len, ‘dass wir an dem Don­ners­tag vor dem Fei­er­tag sehr vie­le Not­fäl­le hat­ten, dar­un­ter auch lebens­be­droh­li­che.’ Das habe ’natür­lich in der Fol­ge zu Ver­zö­ge­run­gen in der Zen­tra­len Not­auf­nah­me und beim Rönt­gen geführt’, sagt sie.

Und sie bit­tet um Ver­ständ­nis: ‘Ärz­te und Pfle­ge­per­so­nal in der Zen­tra­len Not­auf­nah­me behan­deln die Not­fäl­le nach Prio­ri­tä­ten – schwe­rer Ver­letz­te vor leich­ter Ver­letz­ten, Kin­der immer vor Erwach­se­nen.’ Es sei aller­dings tat­säch­lich zu einer län­ge­ren War­te­zeit für ein Kind gekom­men, ‘die mög­li­cher­wei­se hät­te ver­kürzt wer­den kön­nen. Dafür kön­nen wir uns nur ent­schul­di­gen’, so Schmi­der. Kli­­nik-Besu­cher könn­ten ’sich jedoch sicher sein, dass wir auch bei län­ge­ren War­te­zei­ten die best­mög­li­che Ver­sor­gung unse­rer Pati­en­ten sicher­stel­len.’

Das bestä­ti­gen vie­le unse­rer Leser. Das bezwei­feln ande­re. Bei­de tun es jeweils in aller Deut­lich­keit. Die NRWZ hat­te auf ihrer Face­book­sei­te zur Dis­kus­si­on des The­mas auf­ge­ru­fen. Ziel war es, ein Stim­mungs­bild zu bekom­men. Das hat die Redak­ti­on erreicht.

Zusam­men­ge­fasst: Es gibt Men­schen, die erklä­ren, sich in jeder ande­ren Kli­nik behan­deln las­sen zu wol­len, nicht aber mehr in Rott­weil. Es gibt wei­te­re, die bedau­ern, dass das Schram­ber­ger Kran­ken­haus geschlos­sen wor­den ist und dass die pri­vat geführ­te Heli­os-Kli­­nik pro­fi­ta­bel zu sein habe, was sich in der Zahl der ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter äuße­re. Und es gibt Men­schen, denen die Kli­nik­mit­ar­bei­ter das Leben geret­tet haben. Oder deren Ange­hö­ri­gen. Freud’ und Leid lie­gen sehr dicht bei­ein­an­der.

Etwas detail­lier­ter, zunächst aus­ge­wähl­te posi­ti­ve Stim­men:

Wir haben mehr­fach sehr gute Erfah­run­gen im Kran­ken­haus gemacht. Ange­fan­gen von der Not­auf­nah­me über Ope­ra­tio­nen bis hin zum sta­tio­nä­ren Auf­ent­halt oder auch Gebur­ten der eige­nen Kin­der.’ (Ste­fan Wal­li­ser).

Habe sehr gute Erfah­rung mit der Not­auf­nah­me gemacht. Schnell, kom­pe­tent und freund­lich.’ (Hans-Jörg Busch).

Die­se Kli­nik hat mei­nem Mann … das Leben geret­tet! Ich bin so froh, dass etli­che Ärz­te und Schwes­tern sofort zur Stel­le waren und so schnell gehan­delt haben, sonst wäre er heu­te viel­leicht nicht mehr am Leben und könn­te das Glück nicht genie­ßen jetzt einen Sohn zu bekom­men!’ (Eile­en Rei­chel).

Es ist nicht rich­tig, spe­zi­ell die Heli­os-Kli­­nik des­halb nega­tiv her­vor­zu­he­ben. Über­füll­te Not­auf­nah­men gibt es in jedem Klinikum/Krankenhaus, egal wo. Vie­le ‘Pati­en­ten’ kom­men wegen Pro­blem­chen, die so dring­lich sind, dass sie eigent­lich war­ten könn­te.’ (Dag­mar Weiß).

Waren schon öfter mal im Heli­os mit unse­ren Kin­dern. Wir durf­ten immer direkt rein in die Not­auf­nah­me und sind sofort freund­lich auf­ge­nom­men und betreut wor­den. Da haben wir in Vil­lin­gen mit einer ver­brann­ten Hand oder in Donau­eschin­gen mit einem fast abge­trenn­ten Dau­men ewig gewar­tet. Wir waren immer sehr zufrie­den in Rott­weil.’ (Isa­bell Gries).

Es gibt vie­le wei­te­re die­ser Kom­men­ta­re. Es gibt auch Leser, die die­se gar nicht erwar­tet hät­ten, der NRWZ schon Stim­mungs­ma­che und Unse­rio­si­tät vor­wer­fen.

Viel­leicht des­halb, weil natür­lich auch die ande­re Sei­te zu Wort kommt:

Über­füll­te Not­auf­nah­men, lan­ge War­te­zei­ten, und so wei­ter… sowas kommt eben davon, wenn man ein funk­tio­nie­ren­des Kran­ken­haus im Land­kreis schließt.’ Das meint Sebas­ti­an Rom­ing und erhält die meis­ten ‘Likes’ von allen Kom­men­ta­to­ren.

Die lan­gen War­te­zei­ten kann ich bestä­ti­gen. Mei­ner Mei­nung nach lei­der nicht durch Über­fül­lung son­dern oft durch kras­se Unter­be­set­zung und schlech­te Orga­ni­sa­ti­on. Uner­träg­lich für die Pati­en­ten, die auf schnel­le Hil­fe ange­wie­sen sind.’ (Tobi­as Vier­köt­ter).

Die dümms­te Sache war ein­fach, das Schram­ber­ger Kran­ken­haus zu schlie­ßen!!! Aber zum Glück gibt es noch das neue Kli­ni­kum in VS.’ (Sibel Pratsch).

Das ist ein Saft­la­den. Ich muss­te mit mei­nem Sohn auch stun­den­lang in der Not­auf­nah­me sit­zen, er ist sogar ein­ge­schla­fen.’ (Lud­mi­la Kraus).

Eini­ge Kom­men­ta­to­ren glau­ben, den Grund für das Pro­blem lan­ger War­te­zei­ten aus­ge­macht zu haben. Bei­spiel­haft:

Lei­der sit­zen in der Not­auf­nah­me oft Men­schen, die kei­ne Not­fäl­le sind und die­se blo­ckie­ren dann natür­lich auch alles. Die­se Erfah­rung habe ich gemacht, als ich mit mei­ner Toch­ter in der Not­auf­nah­me War, als sie sich den Arm gebro­chen hat. An die­sem Abend War auch sehr viel los und die, die vor uns dran gewe­sen wäre, war defi­ni­tiv kein Not­fall. Die Dame War wegen ihrem Hüh­ner­au­gen da, ihr Haus­arzt habe schließ­lich schon Fei­er­abend.’ (San­dra Fleig-Vogt).

Wer sich selbst ein Bild machen möch­te von der Stim­mung zur Rott­wei­ler Heli­os-Kli­­nik – hier ist die Face­book-Sei­­te:

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