Kaum haben die Plä­ne für das Mode­haus im alten Post­ge­bäu­de doch noch den Gefal­len und damit die Geneh­mi­gung des Gemein­de­rats gefun­den, zeich­nen sich neue Pro­ble­me ab. Zum einen hal­ten sich in der Stadt Gerüch­te, das Obern­dor­fer Mode­haus Hoff­mey­er wol­le als Betrei­ber aus­stei­gen. Und das wür­de auch den Inves­tor, Immo­bi­li­en Merz, vor neue Her­aus­for­de­run­gen stel­len, zumal sie – zum drit­ten – die Fra­ge der Wirt­schaft­lich­keit nicht end­gül­tig geklärt hat.

Felix Weh­ner, Juni­or-Chef von Hoff­mey­er, woll­te sich auf Anfra­ge nicht fest­le­gen. „Wir kön­nen zu die­sem Zeit­punkt nichts sagen. Wir sind ja sel­ber in der Schwe­be”, erklär­te er.

Bern­hard Merz bestä­tigt das. Er müs­se in den kom­men­den Tagen noch eini­ge Fra­gen klä­ren, um beur­tei­len zu kön­nen, ob sich das Pro­jekt für ihn über­haupt rech­ne­risch dar­stel­len las­se. Die Inves­ti­tio­nen wür­den sich auf mehr als zehn Mil­lio­nen Euro sum­mie­ren. Geplant ist nicht nur ein Mode­haus auf zwei Eta­gen, son­dern in den obe­ren Berei­chen auch etwa 15 Woh­nun­gen der geho­be­nen Art und even­tu­ell auch noch Büro­räu­me.

Ein wei­te­res Pro­blem sei, sagt Merz im Gespräch mit der NRWZ, dass sein Kol­le­ge Alex­an­der Kel­ler, der Ex-thyssenkrupp-Mann, das Pro­jekt feder­füh­rend bear­bei­tet habe, jetzt aber wegen Krank­heit län­ge­re Zeit aus­fal­le. Ihm sei bekannt, dass die Fami­lie Weh­ner wegen der Ver­zö­ge­run­gen unge­dul­dig wer­de, dafür habe er auch Ver­ständ­nis, sagt Merz, aber ändern kön­ne er es nicht.

Rea­lis­tisch sei­en ein Jahr Zeit für Pla­nung und Geneh­mi­gung sowie rund zwei Jah­re für den Bau. Des­halb müs­se er in nächs­ter Zeit auch Gesprä­che mit der Fami­lie Weh­ner füh­ren und bei einem nega­ti­ven Bescheid nach einen ande­ren Betrei­ber Aus­schau hal­ten.

Schon im Febru­ar die­ses Jah­res sah es aus, als sei das lang ersehn­te Mode­haus in der Obe­ren Haupt­stra­fe in greif­ba­re Nähe gerückt – aller­dings nur für kur­ze Zeit. Nach­dem die Gemein­de­rä­te im Febru­ar die Plä­ne von Immo­bi­li­en Merz in nicht­öf­fent­li­cher Sit­zung noch abge­seg­net hat­ten, lie­ßen sie eine Woche spä­ter in öffent­li­cher Sit­zung kaum mehr ein gutes Haar an den in der Zwi­schen­zeit offen­bar leicht ver­än­der­ten Plä­nen. Dem Vor­ha­ben droh­te das Schei­tern, zumal auch Merz Zwei­fel auf­kom­men ließ, ob sich die Inves­ti­ti­on von rund zehn Mil­lio­nen Euro mit weni­ger Flä­che finan­zi­ell dar­stel­len las­se. Kri­tik­punk­te waren die Gestal­tung des Daches und die Aus­deh­nung im hin­te­ren Teil, sodass es in der Blu­men­gas­se sehr eng gewor­den wäre.

Jetzt gibt es wie­der neue Hoff­nung: Merz und Kel­ler haben einen neu­en Archi­tekt mit einer Umpla­nung beauf­tragt. Und die stieß, wie­der in nicht­öf­fent­li­cher Sit­zung, jetzt auf ein­hel­li­ge Zustim­mung, wie Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß berich­tet. Selbst Jür­gen Mehl (SPD), der Haupt­kri­ti­ker und einer der Hüter des his­to­ri­schen Stadt­bil­des, sei ein­ver­stan­den, ver­si­chert Broß auf Nach­fra­ge. Das liegt dar­an, dass es dem Kon­stan­zer Archi­tekt Mar­tin Kleff­mann vom Büro Schaudt, der in sei­ner Hei­mat­stadt ein­schlä­gi­ge Erfah­run­gen mit dem Umbau alter Gebäu­de hat und der in Rott­wei­le auch das Neckar­cen­ter plant, gelun­gen ist, die neu­ralgischen Punk­te so zu umzu­stal­ten, dass es zum Rott­wei­ler Stadt­bild passt. Zumin­dest nach dem Geschmack der Gemein­de­rä­te. Kon­kret heißt das, dass vom 1893 erbau­ten Gebäu­de, wie von Anfang an vor­ge­se­hen, nur die Front­fas­sa­de bleibt, dass es jetzt aber ein Sat­tel­dach (und trotz­dem eine Dach­ter­ras­se) bekom­men soll und die Blu­men­gas­se nicht mehr so extrem ein­ge­engt ist.

Nach der Som­mer­pau­se sol­len die Plä­ne öffent­lich im Gemein­de­rat vor­ge­stellt. Bis dahin hat Merz auch Grund­la­gen über die Wirt­schaft­lich­keit und auch bei Hoff­mey­er dürf­te eine Ent­schei­dung gefal­len sein.

Auf die Fra­ge, war­um die­se für die Öffent­lich­keit so wich­ti­ge Fra­ge hin­ter ver­schlos­se­nen Türen bera­ten wor­den sei, sag­te OB Broß, es sei ledig­lich um einen Zwi­schen­stand gegan­gen, außer­dem sei­en noch Alter­na­ti­ven im Gespräch.