Corona, Klimawandel und das Versprechen von der Hängebrücke: die Neujahrsansprache von Rottweils OB Ralf Broß im Wortlaut

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ROTTWEIL – Oberbürgermeister Ralf Broß hat sich in einer Neujahrsansprache im Internet an die Bürgerinnen und Bürger gewandt. Grund dafür ist, dass der Bürgerempfang auch 2022 wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann. In seiner hier und auf anderen Plattformen veröffentlichten Rede nimmt die Corona-Pandemie und deren Bekämpfung einen breiten Raum ein. Zudem der Klimawandel. Auch zeigt sich Broß zuversichtlich, dass mit dem Bau der Fußgängerhängebrücke von der Stadt Richtung Testturm in diesem Jahr 2022 nun begonnen werden könnte. Die NRWZ bringt die Rede im Wortlaut.

Seinen Neujahrsgruß hat der Oberbürgermeister ersatzweise in Form einer Videoansprache am 1. Januar 2022 an die Bürgerschaft gesendet. Die Neujahrsrede des Oberbürgermeisters ist im Internet auf den städtischen Webseiten www.rottweil.de und www.unserrottweil.de sowie auf Facebook, YouTube und NRWZ.de zu sehen. Die Rede wurde bereits in der Zeit vor Weihnachten aufgezeichnet. “Da es sich nicht um ein Live-Format handelt, kann man die Rede jederzeit auch später ansehen”, argumentiert die Stadtverwaltung. Um die Rede auch gehörlosen oder hörbehinderten Menschen zugänglich zu machen, kann sie auf YouTube wahlweise auch mit Untertitel abgerufen werden.

Neujahrsansprache 2022 von Rottweils OB Ralf Broß im Wortlaut

gesendet als Videobotschaft, 1. Januar 2022 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 

auch dieses Jahr ist es wegen der Corona-Pandemie leider nicht möglich, den traditionellen Bürgerempfang in der Stadthalle zu veranstalten und gemeinsam ins neue Jahr zu starten. Zum zweiten Mal wende ich mich daher mit einer digitalen Neujahrsansprache an Sie. Als ich mich vor einem Jahr vor die Kamera setzte, hatte ich die große Hoffnung, dass wir 2021 Corona hinter uns lassen werden und wieder zu unserem normalen Leben zurückkehren können. Viele von Ihnen werden ähnlich gedacht haben. Vor allem die neuen Impfstoffe machten uns Mut und bis vor wenigen Monaten sah es ganz danach aus, dass wir uns zügig aus der Pandemie herausimpfen können. 

Leider ist es in den Sommermonaten nicht gelungen, ausreichend Menschen von der Notwendigkeit einer Impfung zu überzeugen. Nun müssen wir den zweiten Corona-Winter in Folge durchstehen. Ich denke zuallererst an die Menschen, die schwer erkrankt sind oder liebe Angehörige verloren haben. Ihnen gilt unser Mitgefühl. Und ich danke allen Ärzten, Pflegern und Angestellten im Gesundheitswesen, die immer noch oder schon wieder an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen, um zu helfen und hoffentlich das Allerschlimmste zu verhindern. 

Unser Dank gilt auch all denjenigen, die sich für die bundesweite Impfkampagne engagieren. Die Impfung ist nach wie vor ein wichtiger Ausweg aus der Pandemie – aber nur, wenn wir möglichst viele Menschen in unserem Land immunisieren. Erst dann wird wieder eine Rückkehr zu einem Leben möglich sein, dass annährend so sein wird, wie wir es vor der Pandemie gekannt haben. Ich appelliere daher an Sie alle: Nutzen Sie die Möglichkeit, sich impfen zu lassen und frischen Sie Ihre Impfung rechtzeitig auf.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, 

die Corona-Pandemie ist eine harte Bewährungsprobe. Zwar ist es gelungen, die wirtschaftlichen Folgen bislang abzufedern und vielen Menschen etwa mit Kurzarbeiterregelungen dennoch eine Perspektive zu geben. Aber wer durch die Innenstadt von Rottweil geht, der sieht angesichts der vielen Leerstände: Die Krise ist mitten im Herzen unserer Stadt angekommen. Und die Aussicht, dass wir auch dieses Mal unsere geliebte Fasnet nicht wie gewohnt oder vielleicht gar nicht erleben können – auch das ist einmal mehr bedrückend. 

Liebe Bürgerinnen und Bürger, 

wir dürfen uns davon aber nicht unterkriegen lassen. Mir sind auch im vergangenen Jahr wieder viele Menschen in Rottweil begegnet, die der Pandemie mit Mut und Tatkraft entgegengetreten sind. Testzentren wurden eröffnet, Impfangebote auf die Beine gestellt. In den Sommermonaten haben Gastronomie, Handel und Kultur durch engagierte Hygienekonzepte ein halbwegs normales gesellschaftliches Leben möglich gemacht. 

Bei der Stadtverwaltung haben wir daran gearbeitet, dass unsere Stadt nach der Pandemie eine Perspektive hat. Gemeinsam mit dem Gewerbe- und Handelsverein haben wir das Innenstadtmanagement gestartet, um Leerständen gezielt entgegentreten zu können. Beim Land Baden-Württemberg haben wir uns dafür eingesetzt, dass das Sanierungsgebiet für die historische Innenstadt auch in den nächsten Jahren fortgesetzt wird, so dass wir Investoren finanziell beim Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude unterstützen können. Damit haben wir zwei Instrumente, mit denen wir den Wandel in der Stadtmitte aktiv mitgestalten können. 

Wir haben auch ein weiteres Thema angepackt, bei dem in Rottweil schon seit vielen Jahren der Schuh drückt: die Verkehrsbelastung in unserer Innenstadt. Wir wollen den Friedrichsplatz vom Verkehr entlasten, die Busse an einen neuen Zentralen Umsteigepunkt im Nägelesgraben verlagern und den Autoverkehr auf dem Friedrichsplatz nur noch im Einbahnverkehr zulassen. Wir wollen dem Radverkehr mehr Raum geben und Flächen für parkende Autos künftig stapeln. Vieles muss noch diskutiert werden und auch hier bremst Corona leider unsere Aktivitäten. Nach der Bürgerversammlung im Oktober werden wir im neuen Jahr Workshops anbieten, sobald die Pandemie dies wieder zulässt. 

Auch unser zentrales Zukunftsprojekt hat Fortschritte gemacht: Ende des Jahres wurde der europaweite Architektenwettbewerb für die Landesgartenschau 2028 ausgelobt. Wir wollen die Landesgartenschau als einen Motor für die Stadtentwicklung nutzen. Ein Motor, mit dem wir die Sanierung der Stadtmitte fördern und der uns hilft, Mobilität modern und zukunftsweisend zu gestalten. 

Wir haben 2021 auch ein bedeutendes Jubiläum der Stadtgeschichte gefeiert: vor 1250 Jahren wurde der Name „Rottweil“ erstmals in einem Schriftstück erwähnt, das sich bis heute erhalten hat. Sie können es noch bis Mitte Januar in einer beachtlichen Ausstellung im Dominikanermuseum im Original anschauen. 

Liebe Rottweilerinnen und Rottweiler, unsere Stadt ist voll von geschichtlichen Zeugnissen des Aufbruchs nach Jahren der Krise. Vielleicht wird die neue Fußgängerhängebrücke ein weiteres Symbol, das den Aufbruch unserer Generation in die Zukunft symbolisiert. Die Pläne sind fertig, wir rechnen 2022 fest mit dem ersten Spatenstich. 

Neben der Corona-Pandemie ist der Klimawandel die große Herausforderung unserer Zeit. Erst vor kurzem hat der Gemeinderat das Bauleitverfahren für eine neue Photovoltaikanlage gestartet. Nahe der Autobahn entsteht eine Anlage mit der rechnerisch bis zu 2400 Haushalte versorgt werden können. Auch bei der neuen Justizvollzugsanstalt haben wir den Weg frei gemacht für eine großflächige Installation einer PV-Anlage auf dem Dach der Anstalt. Hier wird am Ende mehr Strom erzeugt, als zum Betrieb der Anlage notwendig ist. Wir werden auch künftig den Ausbau regenerativer Energien auf Rottweiler Gemarkung möglich machen – Klimaschutz muss vor der eigenen Haustüre anfangen. 

Dass der Klimawandel auch jetzt schon spürbar ist, haben wir durch Hagel- und Starkregenereignisse in diesem Sommer eindrücklich erfahren müssen. Ich erinnere an den Starkregen in Bühlingen und Hausen und an die Hagelkatastrophe in unserer Nachbargemeinde Bösingen. Stadtverwaltung und Gemeinderat haben daher noch im Jahr 2021 das Kommunales Risikomanagement gestartet. Das bedeutet: Wir analysieren systematisch drohende Gefahren, etwa durch Naturkatastrophen und bereiten uns darauf vor. So hat der Gemeinderat beschlossen, dass wir für die Stadt Rottweil wieder 15 Sirenen anschaffen werden. Damit wird es natürlich nicht getan sein. Insbesondere im Hochwasserschutz wollen wir in den kommenden Jahren nachlegen und künftige Gefahren minimieren oder möglichst ganz ausschließen. 

Liebe Bürgerinnen und Bürger, 

mehr denn je ist unsere Welt im Wandel. Leider nicht immer zum Besseren, wie uns die Corona-Pandemie und der Klimawandel drastisch vor Augen führen. Der wissenschaftliche Fortschritt gibt uns jedoch auch die Möglichkeit, diese Krisen zu bewältigen. Wir sollten diese Instrumente, die uns die Forschung in den Werkzeugkasten legt, nutzen. Wir verfügen mit den Impfstoffen über eine hochmoderne Impftechnologie, die sich schnell an Mutationen anpassen lässt. Wir können einen immer größeren Anteil unseres Energiebedarfs aus Strom und Wind erzeugen. Autos fahren künftig elektrisch und damit geräuscharm und emissionsfrei durch unsere Stadt. Autonomes Fahren bietet in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht noch ganz andere, faszinierende Perspektiven. Die digitale Transformation ermöglicht aber auch neue Kommunikationsformen, denken Sie an unsere erste rein virtuelle Bürgerinfo-Veranstaltung zur Landesgartenschau im Mai. Wir haben also auch in dieser düsteren, bedrückenden Zeit Grund genug, um zuversichtlich zu bleiben. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gutes neues Jahr 2022. Bewahren Sie sich ihre Zuversicht – und bleiben Sie gesund! 

Videoansprache von Ralf Broß, Oberbürgermeister der Stadt Rottweil, zum Jahreswechsel 2021/2022

Hinweis: Auch die Verleihung der Bürgermedaille kann nicht wie sonst üblich im Rahmen des Bürgerempfangs stattfinden. Die Verleihung soll aber nachgeholt werden. Wann und in welcher Form das möglich sein wird, hänge vom weiteren Verlauf der Pandemie ab, so die Stadtverwaltung.

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