Neujahrsansprache von Rottweils OB Ralf Broß

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Rottweil – Erstmals wird sich Oberbürgermeister Ralf Broß mit einer Neujahrsansprache im Internet an die Bürgerinnen und Bürger wenden. Grund dafür ist, dass der Bürgerempfang 2021 wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann.

Seinen Neujahrsgruß wird der Oberbürgermeister deshalb ersatzweise in Form eine Videoansprache am 1. Januar 2021 an die Bürgerschaft senden. 

Die Neujahrsrede des Oberbürgermeisters ist im Internet auf den städtischen Webseiten www.rottweil.de und www.unserrottweil.de sowie auf Facebook und YouTube zu sehen sein. Und natürlich hier auf NRWZ.de – wir haben das Titelbild dieses Beitrags durch das Video ersetzt.

Die Rede wurde bereits in der Zeit vor Weihnachten aufgezeichnet und ging gegen 12 Uhr auf den verschiedenen Seiten online. Da es sich nicht um ein Live-Format handelt, kann man die Rede jederzeit auch später ansehen. Um die Rede auch Gehörlosen oder hörbehinderten Menschen zugänglich zu machen, kann sie auf YouTube wahlweise auch mit Untertitel abgerufen werden.

Übrigens: Auch die Verleihung der Bürgermedaille kann nicht wie sonst üblich im Rahmen des Bürgerempfangs stattfinden. Die Verleihung soll aber nachgeholt werden. Wann und in welcher Form das möglich sein wird, hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Die Neujahrsansprache im Wortlaut

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

vor einem Jahr sah die Welt ganz anders aus.

Als wir in das neue Jahrzehnt starteten, wähnten wir uns noch am Beginn „goldener 20er Jahre“. Heute hält die Corona-Pandemie die ganze Welt in Atem. Ein Bürgerempfang in gewohnter Form ist derzeit undenkbar. Eine Zusammenkunft in der Stadthalle mit mehreren hundert Personen, der musikalische Rahmen der Stadtkapelle, das persönliche Gespräch im Anschluss – auf all das müssen wir dieses Jahr verzichten, wie wir auf viele lieb gewordene Dinge derzeit verzichten müssen. Dennoch ist es mir ein Anliegen, Ihnen meine herzlichen Neujahrsgrüße zu übermitteln. Erstmals habe ich dafür den Weg einer Videoansprache gewählt – als bewusste Alternative zum Bürgerempfang, der aufgrund der Corona Regelungen leider abgesagt werden musste.

Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie verletzlich unsere moderne Welt doch ist. In kürzester Zeit galten bestimmte Gewissheiten nicht mehr, Verunsicherung und Angst machten sich breit. Ein kleines Virus genügt, um weltweit gesunde Volkswirtschaften aus der Bahn zu werfen. Prioritäten wurden plötzlich anders gesetzt, Pläne zunichte gemacht. Wichtiges wurde weniger wichtig und scheinbar Nebensächliches rückte in den Vordergrund. Die Corona-Pandemie ist die große Bewährungsprobe unserer Zeit.

Welche Lehren kann man im Rückblick auf das Jahr 2020 ziehen?

Mich hat beeindruckt, wie der Zusammenhalt in der Bürgerschaft angesichts der Gefahr einer weltweiten Pandemie wuchs. Mit welchem Engagement und auch mit welcher Kreativität Bürgerinnen und Bürger versucht haben, dem Virus etwas entgegen zu setzen. Ich denke da an die von Hand genähten Masken im Rahmen unserer Aktion „Rottweil hilft“ oder an die Lieferangebote, die die örtliche Gastronomie oder der Handel über Nacht ins Leben riefen. Not macht erfinderisch – diese alte Volksweisheit kam urplötzlich wieder zum Tragen und sie wurde ganz modern neu interpretiert: im Internet, durch zahlreiche neue digitale Angebote. Als neues virtuelles Forum für unsere Stadt haben wir die Seite www.unserrottweil.de gestartet. Schauen Sie einmal rein, Sie werden erstaunt sein, was sich im vergangenen Jahr in Rottweil alles getan hat – trotz oder gerade wegen Corona!

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass und die Folgen der Pandemie noch lange zu schaffen machen werden. Der städtische Finanzhaushalt wird erheblich unter den wirtschaftlichen Folgen zu leiden haben. Das bedeutet, dass wir Projekte kritisch hinterfragen müssen. Vieles wird bescheidener, später oder gar nicht umgesetzt werden können. Ich hoffe, dass wir uns den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus den ersten Monaten der Pandemie bewahren können. Denn jetzt gilt es erst recht, gemeinsam die Zukunft nach Corona zu gestalten.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die Voraussetzungen dafür sind in Rottweil nach wie vor sehr gut. Wir haben solide gewirtschaftet und Rücklagen gebildet, auf die wir nun in der Not zurückgreifen können. Die Stadt kann dadurch auch in der Krise weiterhin in die notwendige Infrastruktur investieren, wir sanieren Schulgebäude, investieren in die Straßeninfrastruktur und fördern den Erhalt unserer historischen Innenstadt durch den Aufbau eines Innenstadtmanagements für Handel, Gastronomie und Dienstleistung.

Vor allem haben wir aber noch einen Trumpf für die 20er Jahre in der Hand, den wir jetzt erst recht ausspielen werden: Die Landesgartenschau 2028 – hier bei uns in Rottweil! Die Landesgartenschau ist ein leistungsfähiges Konjunkturprogramm für die örtliche Wirtschaft und ein zugkräftiger Motor für die künftige Stadtentwicklung.

Deshalb werden wir in Rottweil trotz knapper Kassen an der Landesgartenschau

festhalten. Wir brauchen jetzt mehr denn je ein gemeinsames Zukunftsprojekt für die Rottweiler Stadtgesellschaft in den kommenden Jahren, das uns Zuversicht und Gemeinsinn vermittelt. Es bleibt daher bei der Vision einer nachhaltigen Stadtentwicklung unter dem Motto „Höher.Grüner.Weiter.“ Von alters her heißt es nicht umsonst: „Grün ist die Farbe der Hoffnung.“ Der Standortwettbewerb unter den Kommunen wird in den kommenden Jahren härter, die zu verteilenden Mittel knapper. Eine Landesgartenschau ist da ein entscheidender Standortvorteil, eine Chance, die den Unterschied machen kann!

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

2021 hätte Rottweil eigentlich das 1250-jährige Stadtjubiläum groß gefeiert. Jetzt konzentrieren wir uns wie bei so vielem auf das Wesentliche: In einer Ausstellung und in einem Buch beleuchten wir Schlaglichter der Stadtgeschichte. Und vielleicht wird uns im Angesicht der Krise noch bewusster, was Rottweil in 1250 Jahren alles erlebt, alles überlebt hat: Kriege, Hungersnöte und ja – auch Seuchen wir die Pest. Immer wieder waren die Menschen vor große Herausforderungen gestellt. Und immer wieder haben sie diese kleine Stadt über die Jahrhunderte gerettet – von Generation zu Generation. Rottweil hat durch die Leistung all dieser Menschen die Zeiten überdauert. Und wenn das Leben in einer kleinen Stadt auf dem Land vielleicht bis vor kurzem noch irgendwie abgeschieden, rückständig oder einfach nur

„provinziell“ erschienen sein mag – wird das nach „Corona“ auch noch so sein? Oder wird man die Lebensweise und die Traditionen, die hier von alters her hochgehalten werden, wieder mehr schätzen lernen?

Denken Sie an Millionenstädte wie New York, Shanghai oder Madrid. Die Möglichkeit, sich während des Lockdowns im eigenen Garten aufzuhalten statt in einer engen Wohnung oder direkt vor der eigenen Haustüre, ohne lange Anfahrt eine intakte Naturlandschaft genießen zu können, das ist Lebensqualität, die für viele Menschen in solchen Mega-Cities einer Utopie gleichkommt. Hier bei uns in Rottweil ist es eine Selbstverständlichkeit. Dazu kommt eine starke Bürgergesellschaft, die füreinander einsteht und gerade in Zeiten der Not zusammenhält.

Wir leben nicht in der Anonymität einer Großstadt. Bei uns kennt man sich und hilft sich gegenseitig.

Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die im vergangenen Jahr ihren Teil zur Bewältigung der Corona-Pandemie beigetragen haben. Es wurde an vielen Stellen über Monate Außergewöhnliches geleistet – und jedem Einzelnen viel Geduld und Energie abverlangt. In der Medizin und Pflege, in der Wirtschaft, im Bildungs- und Kulturbereich, in den öffentlichen Verwaltungen – aber eben auch in jeder Familie, im Alltag von uns allen. Wir dürfen auch ein wenig stolz auf das zurückblicken, was geleistet wurde. Und aus dem Geleisteten Mut und Zuversicht für das nächste Jahr schöpfen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gutes, ein gesundes und ein hoffnungsvolles neues Jahr 2021. Bleiben Sie zuversichtlich und vor allem: bleiben Sie gesund!

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken

Aktuelle Meldungen

Das Wetter

Rottweil
Bedeckt
7.6 ° C
9.5 °
6.9 °
89 %
1.3kmh
100 %
Mo
8 °
Di
4 °
Mi
7 °
Do
10 °
Fr
10 °