Beim Tag der offenen Türe, von links : Bernhard Ruh, Bürgermeister Dr. Christian Ruf, Kirchenpfleger Andreas Schmötzer, Frieder Firnkes, Dominik Viereck, Ulli Viereck, Volker Mettmann, Prof. Markus Löffler, Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Pfarrer Thomas Böbel. Foto: Lothar Schick

ROTTWEIL-ALTSTADT (ls)- Am Palm­sonn­tag nach der Eucha­ris­tie­fei­er wur­de die Pela­gius-Gemein­de zur Seg­nung des neu­en „ Engel­fried­hau­ses“, mit Tag der offe­nen Türe ein­ge­la­den. Vie­le Besu­cher inter­es­sier­ten sich für die­ses neue Haus und des­sen künf­ti­gen Ver­wen­dung. 

Bis zum Früh­jahr 2017 stand hier das alte Mes­ner­haus mit Goret­ti­saal. An der Außen­fas­sa­de befand sich ein Gemäl­de mit Moti­ven der Barm­her­zig­keit, geschaf­fen vom kürz­lich ver­stor­be­nen Rott­wei­ler Künst­ler Franz Fried­rich. Die­ses Gebäu­de war inzwi­schen von der Bau­sub­stanz her in einem sehr schlech­ten Zustand, so dass eine Sanie­rung aus bau­li­chen und wirt­schaft­li­chen Grün­den nicht mehr zu ver­tre­ten war. Eine neue Situa­ti­on ergab sich dann, als die Kir­chen­ge­mein­de St. Pela­gius von den Alt­städ­ter Geschwis­tern Maria, Anne­lie­se und Rosa Engel­fried ein Tei­ler­be erhal­ten hat­te, das an eine sozia­le Ver­wen­dung gebun­den war.

Im Kir­chen­ge­mein­de­rat wur­de dann über die künf­ti­ge Ver­wen­dung des Erbes nach­ge­dacht. Als dann Ende 2015 sehr vie­le Flücht­lin­ge nach Deutsch­land kamen und Bun­des­re­gie­rung, Kom­mu­nen und der Bischof zur Hil­fe und Auf­nah­me appel­lier­ten, ist im Kir­chen­ge­mein­de­rat die Idee ent­stan­den, hier mit die­sem Erbe, durch einen Neu­bau und Schaf­fung von Wohn­raum gezielt zu hel­fen. Der Beschluss wur­de als­bald gefasst und im Janu­ar 2016 konn­ten dann ers­te Gesprä­che mit dem Archi­tek­tur­bü­ro Mar­kus Löff­ler, Rott­weil geführt wer­den. Der Abriss des alten Mes­ner­hau­ses erfolg­te im spä­ten Früh­jahr 2017. Anschlie­ßend begann die archio­lo­gi­sche Unter­su­chung des Grund­stü­ckes durch das Lan­des­denk­mal­amt.

So konn­te im Herbst 2017 mit dem Neu­bau begon­nen wer­den. Die Finan­zie­rung beinhal­tet auch staat­li­che Zuschüs­se, wel­che zehn Jah­re für die Mit­auf­nah­me von Flücht­lin­gen zweck­ge­bun­den sind. Im Haus ent­stan­den fünf Woh­nun­gen zwi­schen 40- und 116 Qua­drat­me­tern, die bar­rie­re­frei und behin­der­ten­ge­recht aus­ge­stat­tet sind. Ein Auf­zug ist eben­falls vor­han­den. Im Erd­ge­schoss befin­det sich ein Saal, wel­cher für kirch­li­che und sozia­le Ver­an­stal­tun­gen und Begeg­nun­gen, sowie auch für die Bewoh­ner des Hau­ses zur Ver­fü­gung steht.

Die Aus­wahl der künf­ti­gen Bewoh­ner des „Engel­fried­hau­ses“ trifft der Ver­wal­tungs­aus­schuss des Kir­chen­ge­mein­de­ra­tes, zusam­men mit dem Sozi­al­amt des Land­rats­am­tes Rott­weil. In der Zukunft gese­hen soll die­ses neue Haus auch alt­ge­wor­de­nen Alt­städ­tern die Mög­lich­keit bie­ten, hier am Ort eine Woh­nung zu fin­den, wel­che auch bezahl­bar ist. Die Kir­chen­ge­mein­de trägt somit auch zum neu­en Pro­jekt „ Altstadt/ Gemeinsam/ Neu / Gestal­ten“ bei.

Pfar­rer Tho­mas Böb­el begrüß­te die vie­len Gäs­te, unter ihnen auch Land­rat Dr. Wolf-Rüdi­ger Michel und den Ers­ten Bei­geord­ne­ten der Stadt Rott­weil Dr. Chris­ti­an Ruf. Er bedank­te sich in sei­ner Anspra­che bei den Schwes­tern Maria, Anne­lie­se und Rosa Engel­fried, ohne deren Nach­lass die Ver­wirk­li­chung die­ses Hau­ses nicht mög­lich gewe­sen wäre. Der Name Engel­fried pas­se hier sehr gut. Engel mögen es beschüt­zen und die­ses Haus möge auch ein Ort des Frie­dens sein. Sein wei­te­rer Dank galt dem Archi­tek­tur­bü­ro Mar­kus Löff­ler, allen Hand­wer­kern, dem Kir­chen­pfle­ger Andre­as Schmöt­zer, dem Ver­wal­tungs­aus­schuss des Kir­chen­ge­mein­de­ra­tes und allen ande­ren, wel­che am Bau betei­ligt waren. „Ich emp­fin­de, dass die gan­ze Bau­ge­schich­te eine har­mo­ni­sche und kon­struk­ti­ve Ange­le­gen­heit war“, so Tho­mas Böb­el.

Archi­tekt Prof. Mar­kus Löff­ler und sein Mit­ar­bei­ter Vol­ker Mett­mann erin­ner­ten in ihren Anspra­chen an die Bau­ge­schich­te und Bau­aus­füh­rung und bedank­ten sich für die sehr gute und ange­neh­me Zusam­men­ar­beit. Der gebür­ti­ge Rott­wei­ler Künst­ler Uli Vier­eck hat ein Motiv-Bild „Engel des Frie­dens“ geschaf­fen, das im Ein­gangs­be­reich des Hau­ses künf­tig sei­nen Platz fin­den wird. Er stell­te sein Kunst­werk mit sei­nen Gedan­ken dazu vor.

Anschlie­ßend seg­ne­te Pfar­rer Böb­el das neue „Engel­fried­haus“ und schloss fol­gen­de Bit­ten mit ein: „Seg­ne die­ses Haus, das uns Maria, Anne­lie­se und Rosa Engel­fried ermög­licht haben. Seg­ne alle, die die­ses Haus mit gebaut haben. Seg­ne die künf­ti­gen Bewoh­ner die­ses Hau­ses, dass sie hier Ruhe, Frie­den und Gebor­gen­heit fin­den. Seg­ne unse­re Gemein­de, damit in ihr dein Reich immer mehr Wirk­lich­keit wird“.