Auf dem Ber­ner Feld, in Sicht­wei­te zum thyssenkrupp-Test­turm besteht bereits eine „Pen­si­on Haas – Hotel am Turm”. Weil der Betrieb läuft, die Hote­liers vor allem im Som­mer schon Gäs­ten absa­gen müs­sen, ist nun ein Neu­bau geplant: 18 Dop­pel­zim­mer, fünf Gara­gen, 39 Stell­plät­ze, direkt auf dem Nach­bar­grund­stück. 1,25 Mil­lio­nen Euro neh­men die Haas‘ in die Hand. Am Mitt­woch kommt das Vor­ha­ben vor den Rott­wei­ler Bau­aus­schuss.

Das Ehe­paar Haas war sei­ner­zeit am schnells­ten. Als Rott­weil die Nach­richt noch ver­dau­te, dass der Test­turm für Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­ge von thyssenkrupp Ele­va­tor auf dem Ber­ner Feld errich­tet wer­den soll, haben die Haas‘ sich schon den Namen „Hotel am Turm” schüt­zen las­sen.

Geschickter Schachzug

Wir waren in Mün­chen auf dem Patent­amt”, erzählt Mat­thi­as Haas im Gespräch mit der NRWZ. „Wir haben damals schnell geschal­tet.” Der Mar­ke­ting­gag habe schon Spie­gel online und RTL ange­lockt.

Haupt­at­trak­ti­on des Haas’schen Hotels ist der Turm. Kin­dern ste­hen zusätz­lich noch eine Tisch­ten­nis­plat­te und ein Tram­po­lin zur Ver­fü­gung, ver­merkt die Web­site. Bis­lang sind die Betrei­ber des Hotels am Turm vor allem auf Arbei­ter und Ange­stell­te aus­ge­rich­tet – wer am Test­turm oder in des­sen Umge­bung auf dem Ber­ner Feld, etwa bei Mikron arbei­tet, und über Nacht bleibt, der ist mit hoher Wahr­schein­lich­keit schon Gast bei Fami­lie Haas. „Rad­ler haben wir aber auch immer mehr”, sagt Mat­thi­as Haas.

Moderner Bau nach dem Wunsch der Stadt

Weil die Über­nach­tungs­zah­len bereits vor allem im Som­mer gut sind, so gut, dass manch Absa­ge aus­ge­spro­chen wer­den müs­se, wol­len die Haas‘ jetzt nach­le­gen. Mit einem Hotel­neu­bau für 1,25 Mil­lio­nen Euro. „Net­to”, wie Haas betont. Es wer­de ein recht moder­ner Bau „mit viel Glas”, berich­tet der Neben­be­rufs­ho­te­lier wei­ter. Die Stadt­ver­wal­tung habe dar­auf bestan­den, einen mög­lichst zeit­ge­mä­ßen Bau hin­zu­stel­len. Der Neu­bau soll direkt auf dem Nach­bar­grund­stück der bestehen­den Pen­si­on Haas ent­ste­hen – „unse­rem Grund­stück”, wie Haas bestä­tigt.

Die Bei­den – Mat­thi­as Haas‘ Ehe­frau Ulri­ke betreibt das Hotel, er hat noch einen ande­ren Haupt­be­ruf – setz­ten dabei einer­seits auf den thyssenkrupp-Testt­turm, ande­rer­seits aber auch auf ein Wachs­tum des Indus­trie­ge­biets Ber­ner Feld. Von des­sen bevor­ste­hen­der Erwei­te­rung will Haas schon gehört haben, berich­tet er der NRWZ.

Der Umwelt-, Bau- und Ver­kehrs­aus­schuss des Gemein­de­rats soll am Mitt­woch über das Bau­vor­ha­ben abstim­men. Gegen­über dem Bebau­ungs­plan sei­en ver­schie­de­ne Abwei­chun­gen nötig, so die Sit­zungs­vor­la­ge aus dem Bau­amt. Das Vor­ha­ben sei nur zuläs­sig, wenn die ent­spre­chen­den Befrei­un­gen erteilt wer­den. „Wir sind guter Din­ge”, hofft Haas.

Aktueller Plan erlaubt das Vorhaben nicht

Die „Befrei­ungs-Tat­be­stän­de”:

  • Die Bau­gren­zen sol­len über­schrit­ten wer­den. Das bedeu­te, dass der Bau teils auf nicht über­bau­ba­ren Grund­stücks­flä­chen errich­tet wer­den soll.
  • Die am Stand­ort zuläs­si­ge Dach­nei­gung beträgt 38 bis 45 Grad, geplant wird ein Sat­tel­dach mit einer Dach­nei­gung von 38 Grad auf der einen Sei­te, aber 15 Grad auf der ande­ren Sei­te.
  • Beher­ber­gungs­be­trie­be sind nach der Art der bau­li­chen Nut­zung unzu­läs­sig.

Doch die Stadt­ver­wal­tung argu­men­tiert: „Für die­sen Bebau­ungs­plan befin­det sich eine Bebau­ungs­plan­än­de­rung in der Auf­stel­lung. Die vor­lie­gen­de Pla­nung liegt im Rah­men des­sen, was zukünf­tig zuläs­sig sein wird.” Folg­lich wider­spre­che das Vor­ha­ben zwar momen­tan dem Bebau­ungs­plan, wofür die ent­spre­chen­den Befrei­ungs­ent­schei­dun­gen not­wen­dig sind, wer­de des­sen Fest­set­zun­gen aber künf­tig ent­spre­chen (so sie vom Gemein­de­rat so auch beschlos­sen wer­den soll­ten). Folg­lich könn­ten die­se Befrei­un­gen erteilt wer­den, zu die­sem Schluss kommt das Bau­amt. Es for­dert, die Stell­platz­an­la­ge gegen­über der Land­schaft mit einer Hecken­be­pflan­zung ein­zu­grü­nen. Auch sei­en die Gara­gen­dä­cher „exten­siv zu begrü­nen.”

Mat­thi­as Haas setzt dar­auf, dass der Gemein­de­rats­aus­schuss zustim­men wird. „Wir haben alles getan, die Fach­be­hör­den haben zuge­stimmt”, sagt er. Rein fak­tisch kommt es ohne­hin nur zu einer Anhö­rung – zustim­mungs­fä­hi­ge Bau­vor­ha­ben müs­sen nicht vom Gemein­de­rat abge­seg­net wer­den.