Polizei versiegelt Rottweiler „Orientteppich Wasch- und Reparaturzentrum“

Ladenbetreiber nur noch sporadisch anwesend / Nachbar und Vermieter ändern ihre Meinung

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Polizeibeamte versiegeln den Laden des Teppichwäschers. Foto: Peter Arnegger

Das „Ori­ent­tep­pich Wasch- und Repa­ra­tur­zen­trum“ in der Hoch­brück­tor­stra­ße in Rott­weil ist seit Ende Okto­ber poli­zei­lich ver­sie­gelt. Die Beam­ten waren vom Ver­mie­ter dazu geru­fen wor­den, als der Betrei­ber des Ladens offen­bar nach län­ge­rer Abwe­sen­heit auf­ge­taucht ist. Wie die NRWZ erfuhr, woll­te der Laden­be­trei­ber Tep­pi­che aus sei­nem Laden in einen Trans­por­ter ver­frach­ten und zu einem unbe­kann­tem Ziel mit­neh­men. Dies ver­hin­der­te die Poli­zei offen­bar.

Kun­den hat­ten zuletzt ver­mehrt bei Nach­barn, bei ande­ren Geschäfts­in­ha­bern ange­fragt: Sie ver­miss­ten den Tep­pich­wä­scher. Ob sie neue Tep­pi­che zur Rei­ni­gung oder Repa­ra­tur abge­ben woll­ten oder ob sie schon ver­geb­lich ver­sucht hat­ten, bereits abge­ge­be­ne Tep­pi­che wie­der abzu­ho­len, ist unklar.

Amt­li­ches Sie­gel: Der Laden ist ver­schlos­sen. Foto: gg

Inzwi­schen ist die Ein­gangs­tür zum Laden mit einem poli­zei­li­chen Sie­gel ver­schlos­sen. Am 27. Okto­ber ist es ange­bracht wor­den. Das Beschä­di­gen oder Ent­fer­nen des Sie­gels ist straf­be­wehrt. Am Frei­tag nun sind erneut Beam­te der Poli­zei auf­ge­taucht – ein Schorn­stein­fe­ger brauch­te Zutritt zu den Räu­men, erfuhr die NRWZ.

Mit Nach­barn war der Tep­pich­wä­scher zuletzt spo­ra­disch in Kon­takt. Einer der Ein­zel­händ­ler um die Ecke, der nicht nament­lich genannt wer­den möch­te, will ihn noch auf unzu­frie­de­ne Kun­den hin­ge­wie­sen haben. Man duz­te sich. Immer sel­te­ner soll der Tep­pich­wä­scher aber im Laden auf­ge­taucht sein.

Blick in den ver­sie­gel­ten Laden. Foto: gg

Im Sep­tem­ber 2016 hat­te der Mann das Geschäft eröff­net. Damals hat­te die NRWZ zugleich und unab­hän­gig von ihm über kri­mi­nel­le Machen­schaf­ten von Tep­pich­wä­schern und War­nun­gen der Poli­zei berich­tet. Die­se riet damals – und rät das seit lan­gem und bis heu­te unver­än­dert -, nicht auf die ver­meint­lich güns­ti­gen Ange­bo­te ein­zu­ge­hen. Auf kei­nen Fall sol­le man frem­de Per­so­nen in die Woh­nung las­sen und im Zwei­fels­fall die Poli­zei rufen. Der Schram­ber­ger Peter Renz, von der IHK öffent­lich bestell­ter und ver­ei­dig­ter Sach­ver­stän­di­ger für Ori­ent­tep­pi­che, riet zudem, vor einer Repa­ra­tur oder Rei­ni­gung unbe­dingt ein zwei­tes Ange­bot ein­zu­ho­len und den Wert des Tep­pichs von einem Sach­ver­stän­di­gen wie ihm ermit­teln zu las­sen.

NRWZ eingespannt

Dem nun offen­kun­dig ver­schwun­de­nen Tep­pich­wä­scher war es damals sehr wich­tig, dass die NRWZ deut­lich her­aus­stellt, dass er kein Schwar­zes Schaf der Bran­che sei, im Gegen­teil. Seit drei Genera­tio­nen im Tep­pich­han­del unter­wegs sei sei­ne Fami­lie, ver­si­cher­te der Mann, der gera­de sein „Ori­ent­tep­pich Wasch- und Repa­ra­tur­zen­trum“ ein­ge­rich­tet hat­te. Von den in der NRWZ beschrie­be­nen Metho­den der unse­riö­sen Kol­le­gen distan­zie­re sich sein Unter­neh­men, ver­si­cher­te bei einem Gespräch in sei­nem Geschäft. „Wir haben damit nichts zu tun“, notier­te der NRWZ-Repor­ter sei­ner­zeit.

Das Unter­neh­men des Neu-Rott­wei­lers stam­me aus Ham­burg, sei dort im „Frei­ha­fen“ mit einer nam­haf­ten Fir­ma fami­li­är ver­bun­den.  Ein alt­ein­ge­ses­se­ner Betrieb, der dort  Tep­pi­che wasche, repa­rie­re und  mit Ori­ent­tep­pi­chen hand­le. Ein Anruf dort führ­te damals aller­dings nicht wei­ter. Bei der  auf der Home­page ange­ge­be­nen Fest­netz­num­mer ertönt: „Kein Anruf unter die­ser Num­mer“, bei der Mobil­funk-Num­mer mel­det sich die Mail­box, ein erbe­te­ner Rück­ruf kam damals nicht. Nach NRWZ-Infor­ma­tio­nen hat­te das Unter­neh­men dort erst seit 2014 einen Miet­ver­trag.

Die Region erobern

Nach Rott­weil sei er gekom­men, sag­te der Mann damals, weil es hier seit andert­halb Jah­ren kei­nen der­ar­ti­gen Ser­vice mehr gege­ben habe, wie er her­aus­ge­fun­den habe. Die ande­ren kämen „von über­all her und ver­schwin­den wie­der“. Er habe nun hier einen Laden ange­mie­tet, weil Rott­weil zen­tral  lie­ge: „Wir woll­ten unser Gebiet erwei­tern, Bay­ern, Hes­sen, Nord­rhein-West­fa­len, der Schwarz­wald, die Schweiz, alles nicht weit von uns weg.“

Tep­pich­wä­sche sei ein auf­wän­di­ges Geschäft, beton­te der Mann. Im Ham­bur­ger Betrieb von arbei­te­ten zwei oder drei Leu­te in der Wäsche­rei und sei­en drei Knüp­fer mit Repa­ra­tu­ren beschäf­tigt. Tep­pich­wä­scher, die eine Tep­pich­wä­sche für 5,90 Euro je Qua­drat­me­ter anbö­ten, sei­en unse­ri­ös. Das kön­ne man nicht schaf­fen. „Wir sind nicht bil­lig“, ver­si­cher­te der Mann damals, „Ser­vice hat sei­nen Preis.“

Zet­tel an der Laden­tür. Foto: gg

 

Früher zufrieden, heute auf Abstand

Ein Nach­bar des frisch ein­ge­rich­te­ten Ladens war damals einer der ers­ten Kun­den des Tepich­wä­schers und zeig­te sich gegen­über der NRWZ mit der Arbeit sehr zufrie­den: „Tip­top gemacht, Preis gehal­ten, Top-Leis­tung.“ Heu­te möch­te er kei­ne Aus­sa­ge mehr tref­fen. Auch der Ver­mie­ter hat­te damals an dem neu­en Laden­in­ha­ber nichts aus­zu­set­zen: Der Umgang mit­ein­an­der sei „vom Feins­ten, und ich bin ein sehr kri­ti­scher Mensch.“ Inzwi­schen hat­te er selbst die Poli­zei geru­fen.

Die Beam­ten haben vor Ort dem Ver­mie­ter offen­bar bei der Durch­set­zung sei­ner For­de­rung gehol­fen – mit der Ver­sie­ge­lung der Räu­me. Auf Nach­fra­ge der NRWZ erklärt ein Spre­cher des Tutt­lin­ger Poli­zei­prä­si­di­ums die recht­lich etwas schwie­ri­ge Sach­la­ge: Es habe sich um eine „zivil­recht­li­che Miet­strei­tig­keit“ gehan­delt, bei der die Poli­zei an sich nichts machen kann. Straf­recht­lich sei wohl nichts vor­ge­fal­len. Ob der Zet­tel an der Laden­tür inhalt­lich stimmt – dass hier etwa poli­zei­lich beschlag­nahmt sei – ist unklar. Ver­sie­gelt, trifft es wohl bes­ser.

Die häu­fi­ge Abwe­sen­heit begrün­de­te der Tep­pich­wä­scher nach Aus­sa­gen eines Nach­barn damit, dass es in der Fami­lie zwei Todes­fäl­le gege­ben habe, die ihn viel Zeit und Kraft kos­te­ten.

Unzufriedene Kunden

Bei der NRWZ mel­den sich unzu­frie­de­ne Kun­den, die den Betrei­ber des Ladens ver­mis­sen – - und ihre Tep­pi­che. Wer den Mann zu Gesicht bekam, hör­te auch hier, dass es Todes­fäl­le in der Fami­lie und ande­re Pro­ble­me in Ham­burg gebe, um die er sich küm­mern müs­se.

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