Johanna Dorothea Görißen, Julia von Grebmber, Siobhán Mathiak und Julia Dietrich spielten „Danse espagnole“ von Manuel de Falla und „I got rhythm“ von George Gershwin. Foto: Daniel Schenk/ Kristof Gerlach

ROTTWEIL – Die Besu­cher des sechs­ten Som­mer­kon­zerts im Hei­lig-Kreuz-Müns­ter konn­ten ein sel­te­nes Auf­ge­bot an unter­schied­li­chen Instru­men­ten und Ensem­bles erle­ben, die alle­samt auf höchs­tem Niveau musi­zier­ten: Wie bereits seit meh­re­ren Jah­ren erfüll­ten wie­der die Preis­trä­ger des Bun­des­wett­be­werbs „Jugend Musi­ziert“ die Kir­che mit jugend­li­cher Fri­sche.

43 Musi­ker aus elf Bun­des­län­dern absol­vie­ren der­zeit den Deut­schen Kam­mer­mu­sik­kurs in Tros­sin­gen, der die ältes­te Anschluss­för­de­rung für die Preis­trä­ger des Wett­be­werbs dar­stellt. Im Rah­men des Kur­ses geben die jugend­li­chen Musi­ker drei Kon­zer­te, eines davon in Rott­weil.

Das Kla­ri­net­ten­quar­tett mit Jakob Plag, Mri­am Han­nah Voll­mar, Lea Heil­mai­er und Julia Vogel musi­zier­te höchst über­zeu­gend und sprit­zig, homo­gen und mit per­fek­ter Into­na­ti­on. Das Arran­ge­ment von Sät­zen aus Mozarts Zau­ber­flö­te wur­de dabei dem Ori­gi­nal sehr gut gerecht.

Pro­jekt­lei­ter Edgar Auer begrüß­te die Zuhö­rer und bedank­te sich für die Unter­stüt­zung die­ses „welt­weit ein­zig­ar­ti­gen Pro­jekts Jugend Musi­ziert“ von Sei­ten der Zuhö­rer, der Kir­chen­ge­mein­den und der bei­den Kan­to­ren, die die Kon­zert­rei­he in öku­me­ni­scher Zusam­men­ar­beit orga­ni­sier­ten.

Dass die jugend­li­chen Musi­ker indes alle­samt ihren Auf­tritt sehr ernst nah­men, war nicht nur hör­bar, son­dern auch deut­lich sicht­bar: vom pro­fes­sio­nel­len Auf­tre­ten über die Klei­dung bis zur Fri­sur boten sie im Chor­raum des Müns­ters ein per­fek­tes Bild.

Far­ben­froh prä­sen­tier­ten Caro­lin Grün, Michel­le Kole­s­ni­kov, Marie-Lui­se Mich­al­lek, Fio­na Hagner und Ane­mo­ne Hoff­mann den groß ange­leg­ten Eröff­nungs­satz aus Schu­berts Streich­quin­tett C‑Dur. Die jun­gen Damen hat­ten sicht­lich Freu­de beim gemein­sa­men Musi­zie­ren, mit vir­tuo­ser Ver­ve wur­den dra­ma­ti­sche Zuspit­zun­gen her­aus­ge­ar­bei­tet, aber auch zau­ber­haf­te Schlicht­heit gehör­te zur gro­ßen und rei­fen Aus­drucks­pa­let­te.

Julia Vogel ließ bei Oli­vi­er Mes­sia­ens Stück „Abî­me des des Oise­aux“ aus dem Quar­tett „pour la fin du temps fast zehn Minu­ten lang den Atem anhal­ten. Fast greif­bar stan­den die Klän­ge ihrer Kla­ri­net­te im Gewöl­be des Müns­ters. Die ara­bisch anmu­ten­de Klang­lich­keit und mit­rei­ßen­de Rhyth­mik des anschlie­ßen­den „Inter­mè­de“ aus dem­sel­ben Zyklus ver­wan­del­te mit gro­ßem Spiel­witz die beklom­me­ne Stim­mung des vor­an­ge­gan­ge­nen Stü­ckes. Hier kamen Bodam Lee, Vio­li­ne und Loui­sa Kal­ten­bach, Vio­lon­cel­lo zur Kla­ri­net­ten hin­zu.

Klang­schön und mär­chen­haft folg­te die impres­sio­nis­tisch anmu­ten­de Sui­te des fran­zö­sisch-schwei­ze­ri­schen Kom­po­nis­ten René Ger­ber mit Gesi­ne Teich­mann, Flö­te , Fio­na Hagner, Vio­lon­cel­lo und Julia von Greb­mer, Har­fe. Sowohl Into­na­ti­on als auch Rhyth­mik stell­ten bei der ein­fach anmu­ten­den, sehr kla­ren und durch­sich­ti­gen Musik hohe Anfor­de­run­gen an die drei jun­gen Damen.

Sah­ne­häub­chen des zau­ber­haf­ten Abends waren zwei sehr kurz­wei­li­ge Stü­cke in der sehr unge­wöhn­li­chen Beset­zung für vier Har­fen: Johan­na Doro­thea Göri­ßen, Julia von Grebm­ber, Siob­hán Mathi­ak und Julia Diet­rich spiel­ten „Dan­se espa­gno­le“ von Manu­el de Fal­la und „I got rhythm“ von Geor­ge Gershwin.

Die Zuhö­rer dank­ten den jun­gen Nach­wuchs­ta­len­ten mit lang anhal­ten­dem Applaus.