Retrospektive in Rottweil: Holger Rabenstein zum 75.

Ausstellung im Stadtmuseum und Alten Rathaus / Eröffnung am 28. November

Der Rottweiler Gestalter Holger Rabenstein feiert im Dezember seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass ist ab dem 28. November die Sonderausstellung „Holger Rabenstein zum Fünfundsiebzigsten* eine Retrospektive“ im Stadtmuseum und im Alten Rathaus zu sehen. Zudem gibt es Sonderführungen und Druckvorführungen. Ausstellungseröffnung ist am Donnerstag, 28. November, um 18 Uhr im Stadtmuseum. Es begrüßt Bürgermeister Dr. Christian Ruf. Eine Einführung in Werk und Ausstellung erfolgt durch Prof. Dr. Andreas Schreitmüller, Redaktionsleiter bei ARTE.

Seine Spuren hat Rabenstein überall in der Stadt hinterlassen. Schon mit seinen Siebdruck-Plakaten ab den 60er-Jahren zum Beispiel für den Stadtjungendring Rottweil, das Forum Kunst oder die Stadt Rottweil zeigte Rabenstein seine vielfältigen Gestaltungs-Ideen und seine Freude am Spiel mit Farben. Freie abstrakte Serigraphien oder fotorealistische Drucke zum Teil mit starkem Rottweiler Bezug gehören ebenfalls zu seinen frühen Werken wie Auftragsarbeiten für Künstler-Kollegen wie Erich Hauser, Romuald Hengstler oder Franz und Willi Bucher. Aber Holger Rabenstein beschäftigte sich auch mit Fotografie oder beispielsweise Design und Gestaltung von Betonglasfenstern, was die Ausstellung im alten Rathaus und Stadtmuseum außerdem dokumentiert.

Nach dem Abitur 1966 am Albertus-Magnus-Gymnasium und einem längeren London-Aufenthalt begann Rabenstein schließlich ein Industriedesign-Studium bei Wilhelm Braun-Feldweg und Julius Posener (Baugeschichte) an der HFBK in Berlin. Besonders letzterer weckte sein Interesse an historischen Gebäuden, was schließlich mit der engen Freundschaft zu Alfons Bürk in die verdienstvolle Sanierergruppe des Stadtjugendrings mündete. Zu dieser Zeit existierte ein städtebauliches Gutachten, wonach zirka 40 Prozent der Rottweiler Innenstadt hätte abgerissen werden sollen.

Um das Erscheinungsbild Rottweils verdient gemacht

Rabenstein und seine Mitstreiter haben sich daher in großem Maße am heutigen Erscheinungsbild der Stadt verdient gemacht und damals durch ihr Wirken ein Umdenken in der Stadtbevölkerung und den Entscheidern ausgelöst. Neben anderen Auszeichnungen erhielt die Rottweiler Gruppe schließlich 1981 den Deutschen Denkmalschutzpreis, bezeichnenderweise zeitgleich mit seinem ehemaligen Professor Julius Posener. Aus der Beschäftigung mit historischen Baustoffen entwickelte Holger Rabenstein auch eine frühe Form ökologischen Hausbaus, so dass parallel zu Denkmalschutzprojekten etwa auch ein „Recyclinghaus“ in Zimmern entstand. Die Jubiläumsaustellung zeigt auch dazu eine Art Doku-Aktion. In der Folge bekam Holger Rabenstein 1986 dann den Auftrag zur Restaurierung der „Alten Apotheke“ in Rosenfeld, zu der Zeit der älteste datierte Wohnbau Süddeutschlands (1257).

Den vielfältig interessierten Rabenstein verschlug es dann zum Film. Seine alten Freunde Dieter Funk und Andreas Streitmüller boten ihm die Ausstattung des Films Amarose an, der mit Otto Sander und Milva in Rottweil und Mailand entstand. Auch den Film „Unter dem Berg“, die erste HDTV-Produktion in Deutschland, stattete Rabenstein aus. Auch dazu finden sich Exponate und ist ein Filmtag geplant.

Die Fasnet dokumentiert

Auch in der Rottweiler Fasnet war er aktiv. Anlässlich der Erfassung der Rottweiler Larven 1973/74 hatte Rabenstein die Idee, diese sämtlich fotografisch zu dokumentieren, mit der Absicht einen Stammbaum der Rottweiler Stilrichtungen zu erstellen. Der Vertrag mit der Narrenzunft ist Teil der Ausstellung. Auf eine Anfrage des ehemaligen Stadtarchivars Dr. Winfried Hecht hin entstand in der Rabensteinschen Werkstatt ein Faksimile der Narrentafel von 1871, da diese aus konservatorischen Gründen nicht mehr ausgestellt werden konnte. Mit besonderer Genehmigung der Stadt folgte eine limitierte handkolorierte Auflage dieses einzigartigen Dokuments der Rottweiler Fasnet.

Trotz all dieser vielseitigen Aktivitäten blieb Holger Rabenstein bis heute dem Siebdruck zugewandt, was sich beispielsweise in den der Popart entliehenen Porträts des Rottweiler Hundes niederschlug, die zur spektakulären Andy Warhol-Ausstellung im Dominikaner entstanden. Rabenstein druckte diese Serigraphien vor den Augen der Besucher. Jüngstes Objekt in der Ausstellung zum Geburtstag des verdienten Rottweiler Bürgers ist die Stahlplastik, die Rabenstein anlässlich der 500-Jahrfeier „Ewiger Bund“ für die Vertreter der Eidgenossen als Ehrengabe entwarf und anfertigte. Sie zeigt den Schweizer Fähnrich vom Marktbrunnen.

Dem vielfältigen Wirken von Holger Rabenstein sowohl im künstlerischen wie auch Design- oder Baubereich zollt die Ausstellung nicht nur die verdiente Anerkennung, sondern macht den Rundgang unter anderem mit alten Plakaten von Kehrausbällen, Fotos von Architekturdetails, Plastiken und vielem mehr zu einem spannenden Erlebnis. Vorführungen zur Technik des Siebdrucks gibt es direkt vor Ort. Sonderführungen mit tiefergehenden Erläuterungen und unterhaltsamen Anekdoten macht Holger Rabenstein persönlich. Unter anderem dabei möchte er den Besuchern das Grundprinzip seines Schaffens von den Sanierern bis zur Ausstattung von Veranstaltungen oder Druckgrafiken unter dem Aspekt „Sparsamkeit der Mittel“ deutlich machen.

Info: Die Ausstellung ist zu den normalen Öffnungszeiten im Stadtmuseum Di – So 14.00-16.00 und im Rathaus Mo, Di, Mi. 8.00 – 16.00 Uhr, Do 08:00 – 18:30 Uhr und Fr 08:00 – 12:30 Uhr zusehen. Die Ausstellung endet am 24.1. 2020.

Sonderführungen im Stadtmuseum am
Sa. 30.11.2019 14.15-15.45 Uhr
Sa. 14.12.2019 14.15-15.45 Uhr
Sa. 11.01.2020 14.15-15.45 Uhr
und auf Anfrage

 

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