Vor der Rei­se ins öster­rei­chi­sche Reut­te, die sie am Sams­tag mit eini­gen Stadt­rä­ten unter­neh­men will, hat die Rott­wei­ler Stadt­ver­wal­tung am Don­ners­tag über die lau­fen­den Pla­nun­gen für die Hän­ge­brü­cke zwi­schen Test­turm und Innen­stadt infor­miert. Dem­nach wird die Tras­sen­fin­dung wegen ver­ein­zel­ten Anwoh­ner- und Bür­ger­wi­der­stands nicht leicht. Ande­rer­seits aber gibt es neue Ide­en, die die Gemü­ter beru­hi­gen könn­ten. 

Am Sams­tag geht’s in aller Frü­he nach Reut­te. Der dor­ti­ge Bür­ger­meis­ter habe die Stadt­ver­wal­tung und die Rott­wei­ler Stadt­rä­te ein­ge­la­den, der Welt bis­lang längs­te Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke im Tibet-Style zu besich­ti­gen und zu bege­hen. Omni­bus Hau­ser wird fah­ren, rund 20 Teil­neh­mer wird der Aus­flug haben. Wobei: „Das ist har­te Arbeit”, erklär­te Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß am Don­ners­tag. Und lie­fer­te den Beweis: Bis­lang hat sich kein Lokal­jour­na­list gefun­den, der um sechs Uhr star­ten und den gan­zen Tag für die Besich­ti­gungs­tour geben möch­te oder kann. 

Broß erhofft sich einen Erkennt­nis­ge­winn: Es gehe dar­um, „ein Gefühl für die Brü­cke zu bekom­men”, sag­te er. Das wer­de „hilf­reich sein für die Dis­kus­si­on in Rott­weil”, bes­ser jeden­falls, als wie bis­her vom Gemein­de­rats­tisch aus.

Wobei dort, am Rats­tisch, laut Broß wei­ter Zustim­mung herrscht. Mehr­heit­lich jeden­falls, denn die Stadt­rä­te von Forum für Rott­weil haben die­ser frü­her bereits getä­tig­ten Aus­sa­ge Broß‘ bereits wider­spro­chen. Erst am Mitt­woch­abend hat die Ver­wal­tung die Räte wie­der­um über den Pla­nungs­stand für die Hän­ge­brü­cke vom Turm zur Stadt (oder anders­her­um) infor­miert. 

Idylle: der Rottweiler Bockshof. Er soll mit dem Testturm über eine Hängebrücke verbunden werden. Allerdings nicht direkt, sondern der Topographie des Neckartals folgend. Die Trasse soll in Kürze vorgestellt werden. Foto: gg
Idyl­le: der Rott­wei­ler Bocks­hof. Er soll mit dem Test­turm über eine Hän­ge­brü­cke ver­bun­den wer­den. Aller­dings nicht direkt, son­dern der Topo­gra­phie des Neckar­tals fol­gend. Die Tras­se soll in Kür­ze vor­ge­stellt wer­den. Foto: gg

Broß muss­te dabei erklä­ren, dass eigent­lich nur fest­steht, dass er die Brü­cke als wei­te­re posi­ti­ve Ent­wick­lung für Rott­weil sieht. Dass sie kommt, sei wahr­schein­lich. Wie sie ver­lau­fe, wo sie star­te und ende, sei indes noch unklar. So müs­sen die Pla­ner aktu­ell eine Tras­se fin­den, die wenigs­tens einen pro­tes­tie­ren­den Anwoh­ner im Neckar­tal nicht über­quert. Die­se Tras­se muss zudem zwi­schen Fels­vor­sprün­ge, Bahn­li­nie und Neckar pas­sen. Auch das Gelän­de eines Recy­cling­be­triebs soll nicht gequert wer­den. 

Neben der Topo­gra­phie und pri­va­ten Grund­stü­cken macht den Pla­nern auch der mög­li­che Ein- und Aus­stiegs­punkt der Stadt­sta­ti­on am Bocks­hof zu schaf­fen. Dort ste­hen – neben Befür­wor­tern des Pro­jekts – ein­zel­ne Anwoh­ner nach Broß‘ Wor­ten einer Hän­ge­brü­cke und ihren vie­len Besu­chern skep­tisch bis ableh­nend gegen­über. Broß geht es, wie er erklär­te, dabei nicht dar­um, Mehr­hei­ten für das Pro­jekt zu fin­den, son­dern dar­um, die Kri­ti­ker zu besänf­ti­gen, indem für sie akzep­ta­ble Lösun­gen gefun­den wer­den. Das könn­te so weit gehen, dass aus der geplan­ten Gera­den für die Hän­ge­brü­cke gar eine abge­knick­te Linie wird, tech­nisch sei das kein Pro­blem, so Broß. Am Ende wird das wegen der stei­gen­den Kos­ten aber eine Ent­schei­dung des pri­va­ten Inves­tors, eines Bau­un­ter­neh­mers, sein.

Blick vom Domikanermuseum über eine Freifläche zur Stadtmauer, vor die die Stadtstation der Hängebrücke gebaut werden soll. Foto: gg
Blick vom Domi­ka­ner­mu­se­um über eine Frei­flä­che zur Stadt­mau­er, vor die die Stadt­sta­ti­on der Hän­ge­brü­cke gebaut wer­den soll. Foto: gg

Die neu­es­te Idee der Pla­ner: den Ein­stieg in die Hän­ge­brü­cke der Stadt­mau­er am Bocks­hof vor­zu­la­gern. Ihn irgend­wo vor der Mau­er zu errich­ten, auf dem Hang zum ehe­ma­li­gen Stadt­gra­ben, zwi­schen Domi­ka­ner­fo­rum auf der lin­ken und Pul­ver­turm auf der rech­ten Sei­te. Damit könn­ten die Besu­cher ober­halb des eigent­li­chen Bocks­hofs, auf einer Frei­flä­che unter­halb des Muse­ums­baus zu einem Steg und dann zu der Brü­cke geführt wer­den. Das wür­de die bestehen­de Park­an­la­ge unbe­rührt las­sen.

Bis zum 23. März sol­len die Pla­ner eine pas­sen­de Tras­se für die Hän­ge­brü­cke gefun­den haben. Dann wird der Gemein­de­rat erneut nicht-öffent­lich infor­miert, der Ter­min steht schon. Am nächs­ten Tag will Broß über die Pres­se auch die Bür­ger infor­mie­ren, hat er ange­kün­digt. Dabei aber soll es nicht blei­ben, nur wenig spä­ter soll eine Bür­ger­ver­samm­lung zum The­ma Hän­ge­brü­cke statt­fin­den, Ort und Datum ste­hen aber im Moment noch nicht fest. Erst deut­lich danach wird dann über das Pro­jekt ent­schie­den, das letz­te Wort hat hier der Gemein­de­rat.

Die Stadt­ver­wal­tung erwar­tet durch die Hän­ge­brü­cke bis zu 100.000 wei­te­re Besu­cher pro Jahr. Broß setz­te die­se an sich hohe Zahl ins Ver­hält­nis: Die Rott­wei­ler Innen­stadt besu­chen jähr­lich bereits 800.000 Men­schen. Auf der Brü­cke erwar­tet die Stadt­ver­wal­tung in Spit­zen­zei­ten meh­re­re tau­send Besu­cher täg­lich, genaue Zah­len wer­den noch nicht genannt. Zum Ver­gleich: Die Test­turm-Bau­stel­le haben bis­lang bis zu 3000 Besu­cher an einem Tag auf­ge­sucht.

Die­ser stei­gen­de Tou­ris­ten­strom wer­de den Ein­zel­han­del, die Gas­tro­no­mie und die Hotel­le­rie bele­ben, kün­dig­te Broß an. „Das ist eine Chan­ce”, sag­te der OB. Ohne­hin sei die Stadt attrak­ti­ver gewor­den für Inves­to­ren, seit der thyssenkrupp-Auf­zug­test­turm gebaut wer­de.

Die Ver­wal­tung wird sich aber auch mit dem The­ma Park­plät­ze befas­sen müs­sen und wol­le dies gemein­sam mit dem Gemein­de­rat tun, sobald wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den zu erwar­ten­den Besu­chern vor­lä­gen, so Broß am Mitt­woch. In die­ses The­ma käme gera­de erst rich­tig Bewe­gung – zwei­te Park­decks am Näge­les­gra­ben, auf dem Eis­platz und vor dem bestehen­den Park­haus, ein neu­es Park­haus sogar, das sei­en alles Ide­en, die jetzt erst rich­tig dis­ku­tiert wür­den.