Rottweil bewirbt sich erneut als Corona-Modellstadt

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ROTTWEIL- Erneut bringt sich Rottweil als Modellstadt für Lockerungen bei Corona-Schutzmaßnahmen ins Spiel. Unter dem Motto „Kultur in Miniatur“ stehen dieses Mal das kulturelle Angebote und der Tourismus im Mittelpunkt. Erklärtes Ziel: Durch Feldversuche Wege aufzeigen, wie Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen möglich sind. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung hervor.

„Wir wollen als Modellstadt Mut machen und mithelfen, Wege aus dem Lockdown aufzuzeigen“, so Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß. Bereits vor Ostern hatte Rottweil aus demselben Grund angeboten, durch eine ausgeweitete kommunale Teststrategie eine Öffnung der Gastromomie möglich zu machen. Die Teststrategie wurde umgesetzt, die Entwicklung der Inzidenzzahlen machte eine Lockerung jedoch vorerst unmöglich.

Die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg vom Freitag, 14. Mai, ermöglicht es nun, ausgewählte Modellprojekte in noch nicht geöffneten Bereichen zuzulassen und Öffnungsschritte vorzuziehen, ohne Fristen einhalten zu müssen. Ziel ist es insbesondere, Erfahrungen und Erkenntnisse für entsprechende weitere Öffnungsschritte zu sammeln. Deshalb kommen Modellvorhaben vor allem in den Bereichen Tourismus, Kultur oder auch Kinder- und Jugendarbeit in Betracht. „Da sich wiederum viele Kommunen bewerben werden, wollen wir uns auf das Rottweiler Alleinstellungsmerkmal als Kunst- und Kulturstadt und unser reichhaltiges touristisches Angebot konzentrieren“, sagt OB Broß zur Bewerbungsstrategie. Bei Öffnungen im Kulturbereich sind nach den bundeseinheitlichen Regelungen zum Infektionsschutz zunächst Veranstaltungen unter freiem Himmel zulässig. Erst zwei Wochen später sind dann auch Veranstaltungen in geschlossenen Räumen erlaubt. „Wir wollen in einem Modellversuch in Rottweil zeigen, dass wir dies in Rottweil zeitgleich möglich machen können und bereits zwei Wochen früher Einrichtungen wie das Zimmertheater öffnen oder Konzerte in geschlossenen Räumen anbieten können“, bestätigt der OB. „Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Kulturschaffenden in Rottweil bietet hierfür optimale Rahmenbedingungen.“ Neben dem Zimmertheater konnten als weitere Projektpartner das Rottweiler Musikfestival Sommersprossen in der Kunststiftung Hauser, aber auch das private Museum Experimentierwelten für Kinder und Familien und der Kabarettist Heinrich del Core gewonnen werden. Ein weiterer wichtiger Projektpartner ist der Verein MuM e.V. mit dem „Rottweiler Ferienzauber“, dem die Stadt mit dem Modellvorhaben Raum und Planungssicherheit für seine Veranstaltungen im Zelt am Wasserturm und Kraftwerk bieten möchte. Im touristischen Bereich bietet die Stadt zudem an, im Rahmen des Modellversucht wieder mit ihren öffentlichen Stadt- und Erlebnisführungen in Gruppen zu starten.

Voraussetzung für die Durchführung eines Modellprojekts sind unter anderem eine stabile 7-Tage-Inzidenz im Stadt-/Landkreis unter 100 je 100.000 Einwohner, eine umfassende Teststrategie, die Nutzung eines digitalen Systems zur Kontaktnachverfolgung sowie eine wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts. „Der Gesundheitsschutz der Bürgerschaft hat nach wie vor höchste Priorität“, betont der OB. Bedingung für den Besuch einer Veranstaltung im Rottweiler Modellversucht ist es deshalb, dass die Besucher getestet oder geimpft sind. Zusätzlich müssen alle Besucher zur bessere Nachverfolgung und Auswertung der Daten die Corona-Warn-App oder die Luca-App zu nutzen.  Für die wissenschaftliche Betreuung konnte die Hochschule Furtwangen gewonnen werden: Dr. Arno Weber, Professor für Arbeits- und Gesundheitsschutz und Dr. Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene, werden die Projekte begleiten. „Die Zahlen sind im Landkreis Rottweil glücklicherweise seit einigen Tagen wieder rückläufig. Daher können wir uns berechtigte Hoffnung machen, dass wir die Bedingungen erfüllen können“, so OB Ralf Broß. Mit der Hochschule Fortwangen habe man in Rottweil bereits in der Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet. „Das Studienzentrum und die Experimentierwelt im Neckartal sind beste Beispiele für unsere erfolgreiche Kooperation mit der Hochschule.“

Die Antragsfrist endet bereits am 20. Mai. „Wir wollen diese Chance dennoch nutzen. Unser Kulturamt und die Abteilung Wirtschaftsförderung, Tourismus und Stadtmarketing haben auf Hochtouren ein Konzept erarbeitet und alle relevanten Kooperationspartner ins Boot geholt“, betont der OB.Die Auswahl der Modellprojekte wird das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration gemeinsam mit den Kommunalen Landesverbänden, den betroffenen Gesundheitsämtern und dem Landesgesundheitsamt vornehmen. Broß ist zuversichtlich: „Das Bewerberfeld wird wieder sehr groß sein. Aber wir hoffen, dass wir diesmal die Möglichkeit haben, einen zusätzlichen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie und hin zu mehr Normalität zu leisten.“

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6 Kommentare

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Stefan Weidle
2 Jahre her

In dieser Kommentarspalte läuft offensichtlich eine „Battle“ zwischen der Fraktion der „Herr Lehrer, Herr Lehrer, im Keller brennt noch Licht!“ und Derer der „Et is noch immer jot jegange!“. Ursprünglich ging es ja aber mal um die Bewerbung der Stadt als „Modellprojekt“. Im Frühjahr war man da schon mal dran, aber eher wie die „Alte Fasnet“, denn nachdem sich der Damals noch in der Abschlussprüfung zum Pariah befindliche Palmer, für Idee, Konzept und Umsetzung in Tübingen mitverantwortlich zeigte, sprang mit der Gefahr, das könnte Schule machen und sie als behäbige Prinzipienreiter dastehen, auch noch der antriebsloseste und verordnungsverliebteste Schulthes, auf den Zug des „Modellprojekts“ auf. Zum Glück jeweils so spät und nur auf das unterste Trittbrett, um beim offensichtlichen Scheitern der palmerschen Initiative, schnell in alte und bequemere Verhaltensmuster zurückzufallen und wieder den soliden, pragmatischen und vernünftigen Mahner und Erinnerer zu geben, der das alles schon vorher geahnt, die Anderen aber mal machen lassen hat. Dieser Tage ist man auf den ersten Blick besser vorbereitet, die FHF steuert Wissenschaftler bei, auf den Tag genau zum Bewerbungsschluss, ist man so gut wie parat, nur die Inzidenzzahlen und ein strenges Auswahlverfahren, können dem Ausbruch innovativer Gestaltungskraft nun noch den „Dolchstoß“ versetzen. Aber wir werden wohl unverdient Glück haben, denn bei einem ablehnenden Bescheid durch das Land, ist wer Anderer schuld und wenn uns die Zeit überholt und Alle öffnen, dann war man mit seiner Bewerbung bei den über den Tellerrand blickenden Bewerbern.
Jeweils ohne sich auch nur im Geringsten die Finger verbrennen zu können. Schwierig wird es nur, wenn man tatsächlich ausgewählt werden würde und dann das Ergebnis ist, dass man noch nicht hätte öffnen sollen, wie stünden dann die Verantwortlichen da? Aber keine Angst, der Initiator hat vorgesorgt, bis das Verfahren durch und die Modellprojekte endlich starten können, ist schon so viel geöffnet, dass Selbiges bei Misserfolg kaum noch als ursächlich ausgemacht werden kann. Und siehe, alles wieder gut!

Hans sauer
2 Jahre her

Vielleicht gilt ja auch das alte Sprichwort „Jeder taugt zu etwas, und wenn es nur als schlechtes Beispiel ist.“. Rottweil und der Landkreis zeigen dem Rest der Republik wie man es nicht machen sollte. Auch davon kann man lernen.

Schuztigbiss
2 Jahre her

Herr Spengler, dass Rottweil so schlecht dasteht ist doch dem LKR Zoölernalb zuzuschreiben (lt. LR Dr. Michel)

Siegfried Spengler
2 Jahre her
Antwort auf  Schuztigbiss

Danke für den Hinweis.

Ich dachte schon, dass es sich bei unseren vielen Positiven womöglich um Ausgebürgerte aus dem Landkreis Emmendingen (Inzidenz 26) handelt, die über den Ortenaukreis (Inzidenz 60) nach Rottweil geschickt wurden.

Heute, 22.05., haben wir Inzidenz 143, zehn Landkreise in D sind schlechter.

Zur weiteren Senkung der Inzidenz empfehle ich neben dem Alkoholverbot zusätzlich ein Verbot von Energydrinks im Bereich Feriendorf Tennenbronn.

Des battet!

Rottweiler Adler
2 Jahre her

Tja man will halt retten was einem zuvor egal war !

Siegfried Spengler
2 Jahre her

Gemäß heute in der SZ veröffentlichter Tabelle haben in ganz Deutschland nur noch 5 Landkreise schlechtere Werte als unser Landkreis. Und da will sich die Hauptstadt des Kreises als „Modellstadt“ bewerben? Modell für was, für Versagen, oder was?

Oder soll das ein vorgezogener Beitrag für’s Verklepferblättle an der Fasnet 2022 sein?

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