Rottweil: Das Jahr der Jahrhundert-Projekte

Stadtgeschichte: 2017 leitet eine Wendezeit ein

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Keine große Sache, aber auch 2017 endlich installiert: Beleuchtung fürs Schwarze Tor. Foto: gg

Die Geschich­te Rott­weils, die 90 nach Chris­tus ihren Anfang genom­men hat, ist prall gefüllt mit his­to­ri­schen Ereig­nis­sen. Das Jahr 2017 könn­te als eines der prä­gends­ten in die Anna­len ein­ge­hen. Sel­ten, viel­leicht nie, gab es so vie­le Jahr­hun­dert-Pro­jek­te.

Wenn man Dr. Win­fried Hecht, lang­jäh­ri­ger Stadt­ar­chi­var und der pro­fun­des­te Ken­ner der Stadt­ge­schich­te, nach den mar­kan­tes­ten Daten fragt, dann nennt er die Glanz­zeit der Reich­stadt um 1500, die Ein­stu­fung als Ober­amt 1832, den Anschluss an die Eisen­bahn 1868 und die Ernen­nung zur Gro­ßen Kreis­stadt 1972. Nicht zu ver­ges­sen: die Bau­ten der Kir­chen und Tür­me.

Hat nicht 2017 das alles über­strahlt? „Als His­to­ri­ker sehe ich das nicht so, man muss ja auch die Fol­gen sehen, und das kann man erst spä­ter”, argu­men­tiert Hecht.
Beschrän­ken wir uns also auf die Fak­ten, Stand 2017: Es begann mit dem Bür­ger­ent­scheid für die Hän­ge­brü­cke und 72 Pro­zent Zustim­mung, der zwei­te Bür­ger­ent­scheid über­haupt in die­ser Stadt nach dem für das Gefäng­nis.

Es folg­ten die Ein­wei­hung der neu­en Syn­ago­ge, die Eröff­nung des Test­turms, die Wie­der­eröff­nung des Müns­ters nach umfas­sen­der Sanie­rung (zuletzt 1915) und der Pla­nungs­be­ginn für das neue Gefäng­nis. Nicht zuletzt: Am Jah­res­en­de fiel noch die Ent­schei­dung, dass sich Rott­weil für die Lan­des­gar­ten­schau 2028 bewirbt. All das zeigt: 2017 hat eine Wen­de­zeit in der Stadt­ge­schich­te ein­ge­lei­tet – hin zur Zukunft, weg vom ewi­gen Blick zurück.

Man kann durch­aus noch die Sanie­rung der Dut­ten­ho­fer Vil­la dazu­zäh­len, die 1880 erbaut wur­de und jetzt die ers­te grund­le­gen­de Ver­än­de­rung erfährt. Ob einem das alles gefällt und die­se Stadt wei­ter­bringt, ist eine ande­re, umstrit­te­ne Fra­ge.

Fast wäre noch ein wei­te­res his­to­ri­sches Groß­pro­jekt ent­stan­den: der Abbruch (bis auf die Fas­sa­de) und Wie­der­auf­bau des alten Post­ge­bäu­des zu einem Mode­haus in der Obe­ren Haupt­stra­ße. Das ist ver­tagt. Viel­leicht hät­te noch ein Jahr­hun­dert-Pro­jekt die­se Stadt, die so lan­ge in und von der Ver­gan­gen­heit leb­te, aber auch über­for­dert.