Ich würde alles nochmal genau so machen.” Das sagte Hardy Stim­mer am Mittwoch. Der Pro­jek­tleit­er des Test­turm-Baus wirkt ziem­lich glück­lich an dem Tag, an dem die Turm-Baustelle offiziell für been­det erk­lärt wird.

Schreibt schön mit: die Jour­nal­is­ten­schar.

Ger­ade tra­gen die Bauar­beit­er die let­zten Gerüst­teile weg. Die Frage an die zur Feier des Tages gelade­nen Jour­nal­is­ten ist: Was ist Ihnen heute aufge­fall­en? Nein, nicht, dass der Turm an diesem grauen Tag wieder ein­mal bräun­lich schim­mert, son­dern dass man hier rum­stiefeln darf, ohne Helm zu tra­gen. Man muss nicht ein­mal den run­dum eingezäun­ten “Löwen­gang” benutzen, um zur Ein­gangstür zu kom­men. Der schützte bis­lang die Besuch­er vor eventuell Her­ab­fal­l­en­dem. Das braucht’s jet­zt nicht mehr, denn da oben tut sich, zumin­d­est äußer­lich, nicht mehr viel.

Die Plat­tform wartet nebe­nan auf dem Park­platz auf spätere Ver­wen­dung als Gas­tro-Event-Loca­tion, das let­zte Mem­bran-Stück wurde ver­gan­gene Woche ange­bracht. Die Indus­triek­let­ter­er haben ihren aben­teuer­lichen Job erledigt. Naja, fast. Ein paar Dinge sind noch zu tun, aber das sind im Ver­gle­ich zu den ver­gan­genen zwei Jahren Kleinigkeit­en.

Bäume müssen noch gepflanzt wer­den, ein Zaun gebaut, und am Turm geht es nun um die Beleuch­tung. Erst muss die Flug­be­feuerung von der Beton­wand auf die Mem­bran gebracht wer­den, und dann geht es an die Außen­beleuch­tung. Ideen haben die Mach­er viele, aber was da genau kommt, ist noch offen. Und wie gesagt: das sind Kleinigkeit­en. Vielle­icht bis auf den Kran-Abbau. Der Kran ste­ht näm­lich noch oben auf der Turm­spitze, runter kommt er wie rauf, näm­lich mit einem Hub­schrauber. Irgend­wann im Jan­u­ar, das Wet­ter muss dann stim­men und der Heli ver­füg­bar sein. Wann genau, das wird geheim gehal­ten, um keine Schaulusti­gen anzu­lock­en, denn das wäre zu gefährlich.

Für Hardy Stim­mer und sein Team ist der Niko­laustag 2017 deshalb ein etwas emo­tionaler. “Wir wer­den nun nicht mehr so oft nach Rot­tweil müssen. Oder dür­fen”, sagt Stim­mer leicht melan­cholisch. Angesichts des grauen, kalten Tages und der Tat­sache, dass er die Besuch­er im leucht­far­be­nen Bau-Anorak statt im Jack­ett emp­fan­gen musste, vielle­icht auch ein pos­i­tiv­er Aspekt. Ohne­hin hat die Kälte den Turm­bauern zu schaf­fen gemacht. So erin­nert sich Tur­m­man­ag­er Michael Klein an den Frost im April 2016, als bei minus elf Grad sog­ar die Aufzugstüren einge­froren waren.

Aber die große Verzögerung bei der Mem­branan­bringung hat, das beto­nen Stim­mer, Klein und Züblin-Pro­jek­tleit­er Klaus Strohmaier immer wieder, nur einen Grund: Die Sicher­heit der Arbeit­er. “Wir wür­den heute nicht so glück­lich hier ste­hen, wenn es Unfälle gegeben hätte”, so Stim­mer. Die gab es nicht, weil man so vor­sichtig war. Und weil die Plat­tform, von der aus die Arbeit­er die Mem­bran­teile anschraubten, nicht wie eigentlich geplant an Seilen hing, son­dern zum Aufzug wurde. Zu groß war näm­lich die Schwingung des Turms, zu stark die Winde hoch oben. Und da das dauerte, wurde auch die Turmhülle mehr als ein halbes Jahr später als geplant fer­tig.

Aber ja, eben, die Sicher­heit, die wurde eben groß geschrieben. “Das stand für uns an erster Stelle”, sagt Stim­mer. “Und wenn Sie gese­hen haben, unter welchen Bedin­gun­gen die Indus­triek­let­ter­er hier gear­beit­et haben, dann kön­nen Sie das auch ver­ste­hen”, ergänzt Klaus Strohmaier. Stim­mer legt sich, wie gesagt, fest: “Ich würde das alles nochmal genau so machen.”

Stimmt, es habe Prob­leme gegeben, das sei ja auch von vorne­here­in klar gewe­sen, wenn man etwas Neues, Ein­ma­liges mache. Die Konz­ern­spitze habe jedoch zu kein­er Zeit Druck aus­geübt. “Wir haben immer wieder knif­flige Sit­u­a­tio­nen gehabt. An vie­len Stellen sind wir an Gren­zen gegan­gen”, sagt Strohmaier. Aber man habe auch gemein­sam Lösun­gen gefun­den, und das habe das gesamte Pro­jekt geprägt.

25.000 Besucher seit dem 13. Oktober

Der 13. Okto­ber war der erste offizielle Besuchertag auf der Plat­tform, und seit­dem haben sich schon 25.000 Leute den Aus­blick von dort oben ange­se­hen. Vor allem an schö­nen Tagen kämen die Men­schen, sagt Man­ag­er Michael Klein, und an Ferien- und Feierta­gen.

Den Reko­rd bish­er hal­ten der 31. Okto­ber und der 1. Novem­ber mit mehr als 3000 Besuch­ern am Tag. “Das war extrem viel. Aber es hat funk­tion­iert”, so Klein. Rot­tweil habe nun geschulte Stadt­führer, die ihre Gäste auch zum Turm führten, und auch son­st kooperiere man gut mit der Stadt.

Ob der Turm langfristig auch an den Wochen­t­a­gen geöffnet werde, das ließ Klein offen. Noch sei man in der Auswer­tungsphase, und das müsse dann ja auch wirtschaftlich trag­bar sein. Immer­hin: Seit heute hat der Turm eine neu gestal­tete Web­seite, wo man Tick­ets bekom­men kann. Nur nicht für Wei­h­nacht­en und Neu­jahr, denn da hat der Turm zu.