Die Pla­nun­gen für „die längs­te Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke der Welt“ gehen in die ent­schei­den­de Pha­se. Der­weil bro­delt es hin­ter den Kulis­sen. Zwi­schen Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß, teil­wei­se auch dem Gemein­de­rat einer­seits und Inves­tor Gün­ter Eber­hardt ande­rer­seits ist es zu Irri­ta­tio­nen, Mei­nungs­un­ter­schie­den und wohl auch Miss­ver­ständ­nis­sen gekom­men.

Am Mitt­woch­abend hat­te die Stadt­ver­wal­tung den Bau­aus­schuss des Gemein­de­rats zu einem Orts­ter­min aufs Ber­ner Feld gela­den. Der Platz, ein Fels­vor­sprung hoch über dem Neckar mit opti­ma­lem Blick auf die Innen­stadt und ihre Tür­me, wirkt ide­al, auch wenn er inmit­ten von im Dickicht und Gestrüpp (noch?) – in Höhe des Stein­bruchs – liegt.

Von dort aus soll die Hän­ge­brü­cke, 606 Meter lang, direkt zum gegen­über lie­gen­den Bocks­hof füh­ren.

Doch so ein­fach, wie es auf den ers­ten Blick aus­sieht, ist die Sache nicht:

Meinungsunterschied

Geht es nach Inves­tor Eber­hardt, endet die Brü­cke an die­ser Stel­le – 600 Meter Luft­li­nie vom Turm ent­fernt. Sei­ne Begrün­dung: Er habe auch in lan­gen Ver­hand­lun­gen kei­ne Eini­gung mit den Grund­stücks­be­sit­zern Bene­dikt Beckert (Stein­bruch) und Prof. Kurt Schel­len­berg (Schaf­wa­sen) erreicht. Des­halb schwebt dem Inves­tor unter ande­rem vor, einen Weg mit Unter­hal­tungs­ele­men­ten um den Stein­bruch her­um anzu­le­gen. Wür­de tau­send Meter Fuß­marsch bedeu­ten. Sowohl OB Broß als auch eine Mehr­heit des Gemein­de­rats wol­len das nicht.

Irritation Nummer 1

Der OB berich­te­te beim Orts­ter­min, er habe mit Beckert und Schel­len­berg gespro­chen, die ihm nun­mehr zuge­sagt hät­ten, „gesprächs‑, ver­hand­lungs- und ver­kaufs­be­reit“ zu sein. Roland Haag, der Pro­jekt­lei­ter von Eber­hardt, erklär­te auf Anfra­ge: „Davon hat uns der OB nichts gesagt.“ Auf noch­ma­li­ge Rück­fra­ge ver­si­cher­te Broß: Doch, das habe er Eber­hardt mit­ge­teilt.

Irritation Nummer 2

Auf Anfra­ge bestä­tig­te der OB, dass es einen Inves­tor gäbe, der bereit wäre, die Brü­cke vom Fel­sen über den Stein­bruch zum Schaf­wa­sen fort­zu­füh­ren. Namen will der OB nicht nen­nen. Dazu Roland Haag: „Davon wis­sen wir nichts.“

Irritation Nummer 3

OB Broß berich­tet, Gün­ter Eber­hardt habe ihm gesagt, inzwi­schen sei nicht mehr die Rott­wei­ler Brü­cke „Prio­ri­tät Num­mer 1“, son­dern die in Bad Wild­bad. Das berei­te ihm „Sor­gen“, erklärt der OB. Dafür gebe es kei­ner­lei Anlass, beteu­ert Pro­jekt­lei­ter Haag. Für sei­nen Chef sei Rott­weil nach wie vor das „Lieb­lings­pro­jekt“. Zudem habe er hier schon viel Geld inves­tiert und min­des­tens acht Gut­ach­ten in Auf­trag gege­ben, von denen jedes mehr als 10.000 Euro kos­te. In Bad Wild­bad wer­de die Brü­cke aller­dings schnel­ler fer­tig sein, weil man dort nicht das auf­wen­di­ge Bebau­ungs­plan­ver­fah­ren wie in Rott­weil durch­lau­fen müs­se.

Könn­te also auch ein Miss­ver­ständ­nis sein.

Irritation Nummer 4

Der OB sagt, die Stadt­ver­wal­tung war­te schon län­ger auf die Plä­ne von Eber­hardt für die genaue Tras­sen­füh­rung , um das Ver­fah­ren beschleu­ni­gen zu kön­nen. Auch das über­rascht Pro­jekt­lei­ter Haag. Es sei­en noch wich­ti­ge Din­ge zu klä­ren, sagt er. Und: „Wir war­ten schon län­ger auf die Ver­trä­ge der Stadt für die Grund­stü­cke.“ Die­se vor­zu­le­gen sei nicht mög­lich, ent­geg­net der OB auf Rück­fra­ge, solan­ge man den genau­en Tras­sen­ver­lauf nicht ken­ne. Ein Patt.

Was nun? „Wir blei­ben in Kon­takt und haben für Anfang Novem­ber den nächs­ten Gesprächs­ter­min ver­ein­bart“, sagt der OB. Gün­ter Eber­hardt lässt über Pro­jekt­lei­ter Haag aus­rich­ten, er wer­de den OB umge­hend anru­fen, um Klar­heit zu schaf­fen.

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