Die Plä­ne zu einer nach aktu­el­lem Stand vor­über­ge­hen­den Öff­nung eines Teils des Rott­wei­ler Kame­ral­amts­gar­tens für Park­plät­ze spal­ten die ört­li­chen Grü­nen. Wäh­rend Stadt­rä­tin Inge­borg sich dem in einer Kul­tur­aus­schuss­sit­zung noch auf­ge­schlos­sen zeig­te, kas­siert ihr Orts­ver­band ihre Mei­nung nun. Sie sei ledig­lich per­sön­lich. Aller­dings haben die Grü­nen auch eine Idee vor­ge­legt, wo die benö­tig­ten Park­plät­ze ent­ste­hen könn­ten.

Das war schon ein wenig über­ra­schend: Aus­ge­rech­net eine Grü­ne konn­te sich dafür erwär­men, dass ein Hote­lier in einem bis­lang pri­vat genutz­ten Gar­ten Park­plät­ze für sei­ne Gäs­te aus­wei­sen möch­te. Wobei Inge­borg Gek­le-Mai­er, unter­schie­de man zwi­schen Fun­dis und Rea­los auf Kom­mu­nal­ebe­ne, defi­ni­tiv zu den Rea­lis­ten gezählt wer­den dürf­te.

Nach­dem die Stadt­ver­wal­tung in der Aus­schuss­sit­zung erklärt hat­te, dass kein Baum fal­len müss­te und dass der Gar­ten nach etwa fünf Jah­ren der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung  gestellt wer­den wür­de, zeig­te Gek­le-Mai­er Gefal­len an den Plä­nen. Dass es auf die­se Wei­se zu einer Ent-Pri­va­ti­sie­rung kommt, schien ihr zu gefal­len. Die NRWZ berich­te­te dar­über.

Gemeinderat gespalten

Das blieb aber schon in der Aus­schuss­sit­zung nicht unwi­der­spro­chen. Quer durch die Frak­tio­nen zeich­ne­te sich Ver­ständ­nis für den Hote­lier und sei­ne Expan­si­ons­plä­ne ab. Aber eben­so kün­dig­te sich auch Wider­stand an. Von Klein­od und grü­ner Per­le war die Rede. Und davon, dass Pro­vi­so­ri­en oft eine lan­ge Halt­bar­keit auf­wie­sen. Von der Sor­ge also, dass die geschaf­fe­nen Park­plät­ze dann eben für lan­ge Park­plät­ze blie­ben und nicht zum Park zurück ver­wan­delt wür­den. Die äußer­te etwa der Freie Wäh­ler Jörg Stauss.

Auch die Forum-für-Rott­weil-Stadt­rä­tin Hei­de Frie­de­richs, eigent­lich eine Grü­ne, stell­te sich Gek­le-Mai­er ent­ge­gen: “Wegen acht Stell­plät­zen einen denk­mal­ge­schütz­ten Gar­ten zu opfern, hal­te ich für falsch.”

Gegenwind für Gekle-Maier

Und nun kommt Gegen­wind auch aus den eige­nen Rei­hen: „Das The­ma Kame­ral­amts­gar­ten wühlt Rott­weils Grü­ne mäch­tig auf”, heißt es in einem Bericht des stell­ver­tre­ten­den Spre­chers der Orts­grü­nen, Frank Sucker. Er berich­tet, dass die Grü­nen zunächst am monat­li­chen Sit­zungs­tisch und tags dar­auf in einem Vor­ort­ge­spräch mit Anwoh­nern und Päch­ter dis­ku­tiert hät­ten (also noch nicht mit Tobi­as Mai­er vom „Johan­ni­ter­bad”, der die Park­plät­ze braucht). Es gehe „um nichts gerin­ge­res als um hoch­ka­rä­ti­ges Stadt­grün und um die Bau­vor­schrif­ten im his­to­ri­schen Stadt­kern.”

Laut Suckers Bericht muss­te Inge­borg Gek­le-Mai­er klar­stel­len, „dass sie jüngst im Kul­tur­aus­schuss nicht für die Frak­ti­on sprach, son­dern ihre per­sön­li­che Mei­nung äußer­te”, heißt es in dem Schrei­ben an die ört­li­chen Lokal­re­dak­tio­nen. Für die Stadt­rä­tin ste­he außer Fra­ge, dass der Kame­ral­amts­gar­ten ein grü­nes Klein­od sei, das Schutz ver­die­ne. Mehr noch: „Der Gar­ten soll­te spä­ter im Rah­men einer mög­li­chen Lan­des­gar­ten­schau sogar auf­ge­wer­tet wer­den,“ beton­te sie laut Suckers Bericht. Doch blieb Gek­le-Mai­er bei ihrer Sicht: Die Auf­wer­tung erfah­re der Gar­ten etwa, wenn er auch öffent­lich zugäng­lich wer­de. Im Aus­schuss sei es ihr dar­um gegan­gen, die Situa­ti­on dif­fe­ren­ziert zu prü­fen – also auch die Inter­es­sen des Hotels Johan­ni­ter­bad ein­zu­be­zie­hen. Immer­hin han­de­le es sich beim „Johan­ni­ter­bad” um einen Tra­di­ti­ons­be­trieb, der in Ener­gie­ver­sor­gung und kuli­na­ri­schem Ange­bot bewusst auf Nach­hal­tig­keit setzt.

Dauerzustand Provisorium

Das konn­ten die Vor­stands­mit­glie­der durch­aus nach­voll­zie­hen. „Doch da war auch die Sor­ge”, schreibt nun Sucker, „ob ein jah­re­lan­ges Park­platz­pro­vi­so­ri­um sich am Ende nicht doch schlei­chend in einen Dau­er­zu­stand ver­wan­delt.” Zu beden­ken sei auch, so Sucker wei­ter, dass Mobi­li­tät im digi­ta­len Zeit­al­ter sich ohne­hin so tief­grei­fend umwälzt, dass klas­si­sche Park­platz­pro­ble­me sich in nicht all­zu fer­ner Zukunft völ­lig neu stel­len wür­den.

Am fol­gen­den Tag sam­mel­te die grü­ne Run­de sich im Kame­ral­amts­gar­ten und dis­ku­tier­te mit Anwoh­nern. Klaus-Georg Fuchs, der seit vie­len Jah­ren in der Bad­gas­se wohnt, habe lei­den­schaft­lich auf die ört­li­chen Bau­vor­schrif­ten im Stadt­kern hin­ge­wie­sen, die neue KfZ-Stell­plät­ze auf Grün­an­la­gen grund­sätz­lich ver­bie­ten – auch dar­über hat die NRWZ berich­tet. Für den grü­nen Stadt­rat Hubert Nowack war die Sache recht klar: „Ein Hotel muss mit den bau­li­chen Ein­schrän­kun­gen in einer his­to­ri­schen Innen­stadt nun halt selbst klar­kom­men.“ Das steht im kras­sen Wider­spruch zu Gek­le-Mai­ers Offen­heit gegen­über den Hote­liers-Plä­nen.

Die Parkplatz-Idee

Vor dem Leh­rer­se­mi­nar – ein Gebäu­de beim Kame­ral­samts­gar­ten, zu dem ein Park­platz mit 15 Stell­plät­zen gehört, die Tobi­as Mai­er für das Johan­ni­ter­bad abends und an Fei­er­ta­gen und Wochen­en­den ent­gelt­lich nut­zen darf – vor die­sem Gebäu­de wei­ter dis­ku­tie­rend kam die grü­ne Grup­pe ins Grü­beln: „Ist es im Fall der Fäl­le nicht mög­lich, hier zusätz­li­che Park­flä­chen ein­zu­rich­ten – etwa durch Schräg­par­ken direkt vor dem Gebäu­de”, frag­ten sie sich. Vor­stands­spre­cher Jörg Hügel erwog auch beschei­de­ne Ein­grif­fe ins Abstands­grün zur Gar­ten­mau­er hin. Die anwe­sen­den Anwoh­ner hät­ten sich von die­ser Idee sehr ange­tan gezeigt.

Auch die Stadt­rats-CDU hat­te – in Per­son von Ralf Ban­hol­zer – schon eine Alter­na­ti­ve für den Plan der Park­plät­ze im bis­lang pri­vat genutz­ten Teil des Kame­ral­amts­gar­tens ange­kün­digt. Wie, ist noch nicht klar. Ban­hol­zer woll­te die Dis­kus­si­on, die unter Punkt „Ver­schie­de­nes” in der Kul­tur­aus­schuss­sit­zung gelau­fen ist, nicht über Gebühr aus­deh­nen.

Hotelier Maier kommt zu Wort

Nächs­ter Gesprächs­part­ner für die Grü­nen in die­ser Ange­le­gen­heit soll als­bald Tobi­as Mai­er sein, kün­di­gen sie an, der Betrei­ber des Hotels Johan­ni­ter­bad. „Im Kern dürf­te es dann dar­um gehen, ob die Park­platz­fra­ge wegen des Umbaus wirk­lich so dra­ma­tisch ist, dass sie eine – recht­lich durch­aus mög­li­che – Befrei­ung von den Bau­vor­schrif­ten begrün­det oder ob es statt­des­sen nicht ande­re, krea­ti­ve­re Lösun­gen gibt”, gibt Frank Sucker dem Gespräch vor.

Für Diens­tag hat Mai­er zudem die Anwoh­ner zu sich ein­ge­la­den. Als sei­ne Gäs­te sol­len sie sich über sei­ne Umbau­plä­ne infor­mie­ren las­sen.