Rottweil: Salutschüsse mit Schnellfeuergewehr

Erstes Ergebnis der internen Ermittlungen

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Polizeieinsatz. Symbol-Foto: privat
Polizeieinsatz. Symbol-Foto: privat

Von wegen Schreck­schuss­waf­fe: Die Salut­schüs­se, mit denen Anfang Okto­ber ein alt­ge­dien­ter Poli­zei­be­am­ter in Rott­weil in den Ruhe­stand ver­ab­schie­det wor­den ist, stamm­ten aus einem Schnell­feu­er­ge­wehr. Aller­dings sei nicht scharf geschos­sen wor­den. Der Vor­fall, über den die NRWZ noch am sel­ben Abend exklu­siv berich­tet hat­te, hat­te für gro­ßes Auf­se­hen gesorgt, unter ande­rem des­halb, weil Besu­cher einer nahe gele­ge­nen Café-Bar auf­ge­schreckt wor­den sind.

Ein Spre­cher des Tutt­lin­ger Poli­zei­prä­si­di­ums bestä­tigt der NRWZ die­ses Ermitt­lungs­er­geb­nis: Die Schüs­se, die als Salut für einen Kol­le­gen am Schwar­zen Tor in Rott­weil abends abge­schos­sen wor­den sind, stamm­ten aus einem Schnell­feu­er­ge­wehr. Einem G3 des Obern­dor­fer Waf­fen­her­stel­lers Heckler&Koch.

Eine gän­gi­ge Waf­fe aller­dings bei der Poli­zei, die Beam­ten dür­fen sie füh­ren. Inso­fern han­delt es sich nach einer Ein­schät­zung der Staats­an­walt­schaft nicht um eine Straf­tat.

Die­ses Gewehr gehört zur Aus­stat­tung jedes Reviers und die Beam­ten sind befugt die­se Waf­fe zu füh­ren”, so ein Poli­zei­spre­cher zur NRWZ. Eine Kriegs­waf­fe nennt er sie expli­zit nicht.

Die Beam­ten hat­ten einer offen­bar inter­nen Tra­di­ti­on fol­gend zwei Schüs­se abge­ge­ben – einen für den Beginn der Dienst­zeit des zu ver­ab­schie­den­den Kol­le­gen, einen für deren Ende. Sie waren zuvor mit zwei Strei­fen­wa­gen und Blau­licht durchs Schwar­ze Tor gefah­ren. Und fie­len ent­spre­chend auf. Besu­cher einer nahe gele­ge­nen Bar ängs­tig­ten sich nach Anga­ben eines Augen­zeu­gen. „Im ‚Cap­puc­ci­no’ haben Gäs­te geru­fen, man sol­le schnell die Türe schlie­ßen”, hieß es.

Mit die­sem Kom­men­tar reagier­te das Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen auf der Face­book-Sei­te der NRWZ. Foto: Screen­shot

Die Poli­zei hat­te, von der NRWZ zunächst befragt, früh Stel­lung bezo­gen: „Wir sehen das Ver­hal­ten der Beam­ten kei­nes­wegs als Laus­bu­ben­streich an”, ant­wor­te­te Micha­el Aschen­bren­ner, der im Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen das Res­sort Öffent­lich­keits­ar­beit lei­tet. Poli­zei­be­am­te soll­ten die­se Lebens­pha­se hin­ter sich haben, merk­te er an. „Das Ver­hal­ten der Beam­ten wird nicht gut gehei­ßen und sehr kri­tisch gese­hen”, so Aschen­bren­ner.

Es wer­de gegen die Beam­ten ermit­telt, so Aschen­bren­ner, der auf wie­der­hol­te Nach­fra­ge auch ande­rer Medi­en nur sagen kann, dass die­se Ermitt­lun­gen noch nicht abge­schlos­sen sei­en. Die inter­nen Ermitt­ler wol­len der­weil auch klä­ren, woher die Beam­ten die Platz­pa­tro­nen für das Gewehr hat­ten.

Aschen­bren­ner aktu­ell zur NRWZ wört­lich: „Sie wer­den dar­über hin­aus Ver­ständ­nis dafür haben, dass wir zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt des Ver­fah­rens kei­ne Anga­ben zu dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Kon­se­quen­zen machen kön­nen.  Der Vor­gang wird sau­ber auf­ge­ar­bei­tet. Auf Grund­la­ge die­ser Erkennt­nis­se ent­schei­det der Dienst­vor­ge­setz­te.”

Nun wird in einer Tages­zei­tung noch eine Ver­ant­wor­tung des Dienst­grup­pen­lei­ters ange­spro­chen. Was die­se angeht, erklärt Aschen­bren­ner wei­ter, „dass der Ein­satz des G3 eine beson­de­re poli­zei­li­che Lage vor­aus­setzt, über die die Dienst­grup­pen­lei­tung infor­miert ist.” Selbst­ver­ständ­lich aber kön­ne der Beam­te, der zum Ein­satz fährt, nach Recht und Gesetz selbst ent­schei­den ober er das G3 ein­set­ze. „Das Ok des Dienst­grup­pen­lei­ters ist nicht zwin­gend erfor­der­lich. Selbst­ver­ständ­lich wird man sich, sofern es zeit­lich mög­lich ist, abstim­men und sich berat­schla­gen.”

Auf der Face­book­sei­te der NRWZ waren die abend­li­chen Salut­schüs­se gro­ßes The­ma. Es gab eini­ges an Ver­ständ­nis für die Beam­ten. Etwa (im O‑Ton): „Oje was ist dar­an denn so schlimm? Sie waren ja nicht in zivil. Mei­nes Wis­sens wur­den Pas­san­ten anschlie­ßend auf­ge­klärt. Das ist eben eine Tradition.Der Mann hat­te das eben als Ehren­be­zeu­gung ver­dient. Man hät­te viel­leicht den Ort tref­fen­der wäh­len kön­nen (z. B. Poli­zei­re­vier­park­platz?), aber wir sind doch alle Men­schen und machen auch mal klei­ne Feh­ler. Also was solls?”. Das aber gab auch auf die Müt­ze: „Die „drei Toten von vil­lin­gen dorf ” schon ver­ges­sen ? Sauuuuu lus­tig ! Dass die „Staats­macht” hier noch in Schutz genom­men wird und das gan­ze als Böl­ler zum Abschied die­nen.”

Ein ande­rer Leser mein­te: „Also jeder Schüt­zen­ver­ein gibt Salut­schüs­se ab, man soll­te sich eher freu­en, dass jemand bis zur Ren­te gedient hat.” Oder auch: „Also jetzt lasst doch bit­te den Poli­zei­be­am­ten auch mal ihren Spass.”

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