Der in der ehemaligen Post mitten in Rottweil geplante Einzelhandelsmagnet kommt erstmal nicht. Die Verträge mit bestehenden Mietern im Gebäude – etwa dem T-Punkt – sind gerade erst verlängert worden, neue Mieter – etwa die AfD – wurden aufgenommen. Die NRWZ fragte deshalb beim Investor nach: "Was ist mit dem Projekt Modehaus im Alten Postamt?"

"Es liegt auf Eis", antwortet Bernhard Merz. Vom Tisch sei es allerdings nicht. Beileibe nicht: Er und sein Co. Alexander Keller hätten sich nach Kräften bemüht, ein einerseits finanzierbares, andererseits aber auch mehrheitsfähiges Umbauprojekt vorzulegen. Das sei ihnen, gibt Merz unumwunden zu, im ersten Anlauf nicht gelungen. Die zunächst vorgelegten Pläne kamen tatsächlich nicht gut an, es gab Kritik im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit. Vor allem die ausgeprägte Dachlandschaft hat keinen Gefallen gefunden.

Zweiter Anlauf

Diese Pläne hätten sie dann zurückgezogen, so Merz. Um neue vorzulegen (und damit neu Geld in die Hand zu nehmen für ein Projekt, dessen Realisierung keineswegs sicher ist). "Diese können sich nun wirklich sehen lassen", urteilt er.

Merz und Keller haben nämlich einen neuen Architekt mit einer Umplanung beauftragt. Und die stieß, wieder in nichtöffentlicher Sitzung, zuletzt auf einhellige Zustimmung, wie Oberbürgermeister Ralf Broß berichtete. Selbst Jürgen Mehl (SPD), der Hauptkritiker und einer der Hüter des historischen Stadtbildes, sei einverstanden, versicherte Broß auf Nachfrage. Das liege daran, dass es dem Konstanzer Architekt Martin Kleffmann vom Büro Schaudt, der in seiner Heimatstadt einschlägige Erfahrungen mit dem Umbau alter Gebäude hat und der in Rottweil auch das Neckarcenter plant, gelungen sei, die neu­ralgischen Punkte so zu umzugestalten, dass es zum Rottweiler Stadtbild passt. Zumindest nach dem Geschmack der Gemeinderäte. Konkret heißt das, dass vom 1893 erbauten Gebäude, wie von Anfang an vorgesehen, nur die Frontfassade bleibt, dass es jetzt aber ein Satteldach (und trotzdem eine Dachterrasse) bekommen soll und die Blumengasse nicht mehr so extrem eingeengt ist.

Die Rechnung passt nicht

Das Problem ist aber mittlerweile ein ganz anderes. Um darin ein großes Modehaus errichten zu können, muss Merz das Gebäude Ehemalige Post komplett umbauen. Nur die Fassade bliebe stehen. Dazu muss ihm das Gebäude natürlich gehören – und hier liegt der Knackpunkt. "Der Preis liegt im Moment um rund eine Million Euro zu hoch", sagt Merz. Zum Vergleich: Die Gesamt-Investitionen würden sich auf mehr als zehn Millionen Euro summieren.

Nun ist es nicht so, dass der Eigentümer zu gierig wäre. Vielmehr ist das Gebäude einst von einem Gutachter im Auftrag der Stadtverwaltung geschätzt worden. Auf Basis dieser Schätzung, dieses Verkehrswerts, würde Merz Fördergelder beziehen für den Kauf des Gebäudes. Der Kaufpreis darf dann aber nicht mehr als zehn Prozent über dem Verkehrswert liegen. Und das tut er. Deutlich.

Mehr noch: "Damit wäre eine Veräußerung nicht statthaft", sagt Bürgermeister Dr. Christian Ruf auf Nachfrage der NRWZ, und bestätigt damit die Darstellung Merz'. Das Gebäude liegt in einem Sanierungsgebiet, weshalb Fördermittel fließen könnten. Diese schätzt Ruf auf sechs-, aber nicht siebenstellig. Merz hat sie einkalkuliert.

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Bürgermeister: Wir wollen das Projekt

"Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung", versichert Ruf. Details nennt er nicht. Kann er nicht, es geht um private Investoren. "Wir werden nichts unversucht lassen und das Gespräch mit allen Beteiligten suchen", verspricht Ruf weiter. Und: "Wir haben weiterhin ein großes Interesse an einer Verwirklichung des Projekts." Ein großes Modehaus mitten in der Innenstadt, das gilt der Stadtverwaltung als ein Magnet. Als sehr wichtig für die Stadtverwaltung.

Die Verzögerung nun, sie scheint auch gar nicht so groß. Merz und Keller hätten sich zwar "mit großer Energie in das Projekt gestürzt", so Merz zur NRWZ. Hätten Gemeinderatssitzungen besucht, zudem alle Fraktionen einzeln. Aber er habe auch noch andere Baustellen, die ihn Vollzeit beanspruchen würden. Alte Paketpost, etwa.

"Ja, so ist das Leben"

Merz rechnet nun damit, dass das neue Modehaus in fünf, vielleicht sechs Jahren kommen könnte. Deshalb habe der Telekomladen etwa einen Dreijahres-Mietvertrag bekommen. Und den neuen Mietern gegenüber habe man klar kommuniziert, dass das Alte Postamt nur eine Bleibe auf Zeit sei. "Sie wissen alle, dass sie eines Tages raus müssen", sagt Merz. Er macht zudem der Stadt keinen Vorwurf, auch dem Eigentümer des Gebäudes nicht. Es sei allenfalls schade, dass sie, Merz und Keller, so spät von der Hürde mit den Zuschüssen erfahren hätten.

Und so schließt er, nach einem kurzen, fast philosophischen Ausflug zur Endlichkeit seines eigenen unternehmerischen Wirkens, mit den Worten: "Ja, so ist das Leben."

 

 

 

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