Rottweiler GHV-Vorsitzender: Appell an die Gemeinsamkeit in der “brutalen Situation”

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Dem Pandemiegeschehen geschuldet fand die Jahreshauptversammlung des Rottweiler Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) später als gewohnt statt. Und somit erst in diesem Frühjahr anstelle im Herbst des vergangenen Jahres. Digital hatte der Vorstand um Detlev Maier am vergangenen Dienstag alle Mitglieder geladen. Darüber berichtet der GHV in einer Pressemitteilung wie folgt:

Die digitale Versammlung: ein Konzept, das aufging. „Dies sei die einzige logische Konsequenz“, so Maier in seiner Begrüßung. Eine öffentliche Zusammenkunft in Präsenz wäre derzeit nicht denkbar.

Zu berichten gab es einiges, nach einem Jahr, das es in sich hatte. In jeglicher Beziehung. Schmerzhaft galt es, den Tod der ehemaligen Vorsitzenden Karin Huonker zu verarbeiten, die sich bis zuletzt für Stadt und Einzelhandel eingesetzt hatte. Maier schilderte die große Lücke, die die stets fröhliche und mit Weitblick agierende Geschäftsfrau in den Reihen des GHV hinterlassen hat, die nur schwer zu schließen sei. Dennoch wolle man nun den Blick nach vorne richten und gemeinsam zusammenarbeiten „um die seit 2020 bestehende brutale Situation für Handel, Dienstleister und Gewerbetreibende erfolgreich zu meistern.“

“Bei uns geht was”

Überhaupt Gemeinsamkeit – dieser Appell prägte das Motto des Abends und wurde vom Vorsitzenden immer wieder angemahnt. „Bei uns geht was“, ist sich Maier sicher und erhält viel Zuspruch aus dem Gremium und den Teilnehmenden des Abends. Uneigennützig habe man sich in den letzten Monaten im Verein auch den Belangen von Nichtmitgliedern gegenüber geöffnet, sie mit eingebunden in Projekte und mitgenommen, um irgendwie doch erfolgreich und gemeinschaftlich durch die Zeit des Lockdown zu kommen.

Ganz besonders brachte Maier in seinem Dank zum Ausdruck, dass sich dabei alle Ausschussmitglieder selbstlos in den Dienst der Sache gestellt hätten. Auf kurzen Wegen und den Blick stets nach vorne gerichtet habe man Lösungen gefunden, die Geschäfte aufrechtzuerhalten und bei den Kundinnen und Kunden präsent zu sein. Es wurden Konzepte zur Digitalisierung des Handels entworfen, der eigene Internetauftritt optimiert, Imagefilme gedreht, ein Lieferdienst etabliert und in Zusammenarbeit mit der IHK und Stadt Veranstaltungen angeboten, die allen Interessierten das notwendige Rüstzeug geboten haben, im Netz wahrgenommen zu werden. „Dieser Prozess findet weiterhin statt und hinter den Kulissen erarbeiten wir fieberhaft ein Modell, mit dem wir flexibel auf die sich immer wieder ändernden Bedingungen agieren und reagieren können“, so Detlev Maier.

“Mach’s selber besser”

„Weiterhin gilt ausdrücklich, dass diese Mittel auch Nichtmitgliedern zur Verfügung stehen sollen. Wir müssen dabei den Blick aufs Ganze richten, damit alle die Chance haben, gestärkt aus der Krise hervorzugehen“, so der GHV-Vorsitzende. Da war er wieder, der Aufruf zum Zusammenhalt. Zeitgleich verwahrte sich Maier Vorsitzende mit Vehemenz gegen das aus seiner Sicht oft ungerechtfertigte Gebaren ganz besonders aus den Reihen von Nichtmitgliedern, das es leider auch gegeben habe. „Mach’s selber besser, lautet dann unsere Antwort, und bring’ dich lieber aktiv in unsere Gemeinschaft ein als von außen gegen uns zu schießen.“

Dank an die Stadt

Ausgesprochen dankbar zeigte sich Maier in der Zusammenarbeit mit den Gremien der Stadt Rottweil. Wir schätzen den direkten Kontakt und das offene Ohr für unsere Anliegen. Die neue Wirtschaftsförderin Ines Gaehn hat begeistert eigene Ideen beigesteuert und ohne den Einsatz ihres Teams wäre das Alternativprogramm zum ausgefallenen Rottweiler Weihnachtsmarkt 2020 nicht zustande gekommen, heißt es in der GHV-Pressemitteilung. „Mit der Aktion ‘Weihnachten in Rottweil’ haben wir einen neuen Maßstab gesetzt, der uns Wahrnehmung und Präsenz weit über die Stadtgrenzen hinaus beschert hat“, erzählte Maier stolz. „Trotz dem schmerzhaften Lockdown seit der zweiten Dezemberhälfte sind wir im Gespräch geblieben und haben bei den Besucherinnen und Besuchern der Stadt für Begeisterung gesorgt. Unsere Gäste haben ein aktives Rottweil erlebt und erinnern sich daran gern bei ihrem nächsten Einkauf.“ Besonders kritisch bleibe jedoch die Situation der Gastronomie und Hotellerie in Rottweil, die spürbar fehlt. Hier besteht nur die Hoffnung auf Besserung und eine baldige Wiedereröffnung, so der GHV.

“Trüffelperle Retzlaff”

In enger Kooperation mit der Stadtverwaltung hätte man nach einem optimalen Auswahlmodus eine wahre „Trüffelperle“ in Person von Tamara Retzlaff als neue Innenstadtmanagerin gefunden. In einem paritätisch besetzten, privat-öffentlichen Lenkungskreis habe man ein zukunftsweisendes Aufgabenpaket für sie geschnürt, dem sie sich von Beginn an begeistert widmen würde. „Ihre Anwesenheit ist eine enorme Erleichterung“, wie Detlev Maier feststellte. „Auch von ihrer Arbeit wird letztlich die gesamte Stadt profitieren“, ist er sich sicher. „Frau Retzlaff überzeugt mit viel eigenem Input und ihre Projekte gewinnen täglich an Fahrt.“

Ziel ist es laut GHV, fünf Komplexe zeitnah zum Erfolg zu führen. Diese legte die agile Macherin den Anwesenden in ihrer Vorstellungsrunde gleich persönlich dar: geplant ist ein großes Reopening-Event, sobald Corona überwunden sei. Ein Gründerwettbewerb soll in einer Ausschreibung über die Stadtgrenzen innovatives Potenzial nach Rottweil holen und Leerstand beenden. Eine Digitalisierung und Professionalisierung des Rottweiler Talers soll den Einsatz für die Industrie erleichtern und zusätzlich Kaufkraft an Rottweil binden.

Außerdem steht Tamara Retzlaff als Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um Corona dem Handel, Gastronomie und Dienstleistungsbetrieben zur Verfügung und gibt Tipps für Unterstützungshilfen. Eine große Herausforderung bleibt jedoch die Onlinesichtbarkeit der Gewerbetreibenden in Rottweil. Auch hier gilt es laut GHV, zu unterstützen und Strukturen zu schaffen, um anderen Städten voraus zu sein.

Retzlaff zeigte sich erfreut, dass es hier bereits gelungen sei, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. „Interesse und Wille sind auf jeden Fall da. Die Lust, etwas Neues auszuprobieren, auch“, so Retzlaff bei der digitalen Versammlung weiter. Auch sie ruft zur Gemeinsamkeit auf. Jeder für sich bringt nichts – „gemeinsam für alle“, laute das Ziel.

Neuer digitaler Marktplatz

Ganz aktuell stehe man kurz davor, allen interessierten Teilnehmern und Teilnehmerinnen ein digitales Terminbuchungsportal anbieten zu können. Eine Plattform für ganz Rottweil. Übersichtlich und für alle gleich. Kein Händler müsse sich somit für „Click & meet“ selbst den Kopf zerbrechen, wie bei Besucheranfragen zu handeln sei. In Kooperation mit dem Villingendorfer Startup-Unternehmen Klett soll eine Möglichkeit entstehen, künftig sogar mit einem firmenübergreifenden virtuellen Marktplatz aufzutreten. Selbst ein angeschlossener Lieferdienst wäre denkbar.

Veranstaltungen geplant

Um die Lust am Erlebniseinkauf zu stärken, plant der GHV zusätzlich zahlreiche kleinere und größere Aktionen und Veranstaltungen im laufenden Jahr. Weiterhin gilt dies immer unter Einhaltung der geltenden Vorschriften und wenn es die jeweilige Situation zulässt. Den Auftakt soll die beliebte Blümchenaktion Anfang April bilden. Ein Tag der Museen und das Salinenfest sollen im Mai und Juni mit verkaufsoffenen Sonntagen verbunden werden. Midsommer wird Mitte Juni gefeiert. Ein italienischer Markt lädt im Juli zum Verweilen ein, der traditionelle Kinderspieletag soll am 30.7. stattfinden. Im Spätsommer und Herbst folgen dann die Großevents City-Life, der Volksbanklauf mit verkaufsoffenem Sonntag und ein Candlelight-Shopping. Der Weihnachtsmarkt wird dann wieder im Dezember locken.

Dank, Lob und Wahlen

„Wir haben also allen Grund, positiv nach vorne zu schauen“ macht Detlev Maier den Anwesenden des Abends Mut. Auch für seine Arbeit erhielt er Dank und Anerkennung aus dem Plenum. Selbstverständlich war es da, dass er bei den anstehenden Wahlen einstimmig in seiner Funktion als erster Vorsitzender bestätigt wurde. Dies traf übrigens auch auf alle weiteren Posten zu, deren Besetzung es an diesem Abend zu bestimmen galt. Durch dieses Votum gestärkt übernimmt Björn Engelhardt ab sofort den zweiten Vorsitz im GHV. Anna Kloster und Steffen Faulhaber wurden als ständige Ausschussmitglieder aufgenommen.

Die Brücke kommt

Einen besonders ermutigenden Ausblick gab Roland Haag als Vertreter der Firma Eberhardt-Bewehrungsbau den Teilnehmenden des Abends: Bei der Planung für die Rottweiler Hängebrücke sei man nun in der entscheidenden Phase. Man sehe einem baldigen Baubeginn entgegen. Dann würde man auch nach außen ein sichtbares Zeichen setzen, dass sich in Rottweil wieder etwas bewegt. Man hoffe auf zahlreiche Baustellentouristen, die bereits in der Entstehungsphase des Bauwerks den Handel beleben. „Was für ein schönes Sinnbild, dass wir hierfür eine Brücke schlagen können“ schloss Roland Haag seinen Vortrag, der die wichtige Zusammenarbeit mit dem GHV, der Stadt und dem Handel- und Dienstleistungssektor betonte. Auch da war er dann wieder: Der Appell zur Geschlossenheit und für Zusammenhalt.

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