Ein möglicher Verlauf der Fußgängerhängebrücke. Grafik: kts Innovations

Die Stadt Rott­weil und Brü­cken­bau­er Gün­ter Eber­hardt wer­den die Rott­wei­ler Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke gemein­sam rea­li­sie­ren. Einen wei­te­ren Inves­tor wird es nicht geben. Joa­chim Glatt­haar von Glatt­haar Fer­tig­kel­ler ist damit aus dem Ren­nen. Oder aus­ge­boo­tet, wenn man annimmt, dass Eber­hardt und die Stadt sich in einem Boot sit­zend sehen, was sie nach eige­ner Aus­sa­ge tun.

Das ist der Stand nach einem Gemein­de­rats­be­schluss in nicht-öffent­li­cher Sit­zung am Mitt­woch­abend. Die­ser ist offen­bar auf sanf­ten Druck der Eber­hardt-Grup­pe zustan­de gekom­men. Deren Pro­jekt­lei­ter, Roland Haag, sprach am Don­ners­tag bei einem von der Stadt anbe­raum­ten Pres­se­ge­spräch auch offen von „Unstim­mig­kei­ten“ und einem „Kno­ten“, der habe gelöst wer­den müs­sen.

Nach Dar­stel­lung von Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß ist Unter­neh­mer Glatt­haar nach einer Bau­aus­schuss­sit­zung vor Ort, an der Fels­na­se, an der die Eber­hardtsche Brü­cke ankom­men soll, auf die Stadt zuge­kom­men. „Er hat mich am Tag danach ange­ru­fen“, so Broß am Don­ners­tag. Glatt­haar habe ange­bo­ten, das zu schaf­fen, was Eber­hardt nicht zu gelin­gen schei­ne: zwei feh­len­de Grund­stü­cke auf dem Weg von der Innen­stadt zur Hän­ge­brü­cke zu kau­fen. Broß habe sich inter­es­siert gezeigt, sag­te er. Nun aber sei klar: „Eine sol­che Kon­stel­la­ti­on, eine sol­che Zusam­men­ar­beit wird es nicht geben“, sag­te der Ober­bür­ger­meis­ter am Don­ners­tag.

Glatt­haar wird es aus der Zei­tung erfah­ren, dass er nicht mehr im Ren­nen ist. Wie er schon durch die NRWZ erfuhr, dass Eber­hardt nicht direkt an den Test­turm hin­bau­en kann, weil ihm zwei Grund­stü­cke feh­len, die Glatt­haar ja dann bekannt­lich anbot. Der Fer­tig­kel­ler-Unter­neh­mer ist der­zeit auf einer Geschäfts­rei­se in Asi­en.

Die Brü­cke soll nun in zwei Bau­ab­schnit­ten, wie auch schon vor dem Bür­ger­ent­scheid geplant, errich­tet wer­den. Zunächst mit einer Ver­bin­dung vom Bocks­hof zum Ber­ner Feld. Der dor­ti­ge Anknüp­fungs­punkt kann dann ent­we­der mit einem Fuß­weg mit dem Test­turm ver­bun­den wer­den – für den Fall, dass die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer Bene­dikt Beckert und Prof. Kurt Schel­len­berg nicht einig wer­den soll­ten -, oder mit einer zwei­ten Brü­cke.

Schel­len­berg scheint wei­ter kom­pro­miss­be­reit zu sein. Beckert ist der­je­ni­ge, der sich gegen wei­te­re Ver­hand­lun­gen mit Eber­hardt ver­wehrt. „Wir haben zuletzt vor drei Mona­ten tele­fo­niert“, sagt Pro­jekt­lei­ter Haag. Beckert habe damals klar gemacht, dass er nur zu sei­nen Bedin­gun­gen ver­kau­fen wol­le. Die For­de­rung scheint astro­no­misch zu sein, Haag ver­glich sie mit dem Gewinn einer Dau­er­ren­te aus der „Glücks­spi­ra­le“. Und erklär­te die ver­lang­te Zah­lung für Beckerts Grund­stück als höher als die Bau­kos­ten für die dar­über füh­ren­de Brü­cke. Und er mach­te klar. „Wir wer­den die­se sehr span­nen­de Brü­cke bau­en, ohne Beckerts Grund­stück dazu zu brau­chen.“

606 Meter soll sie nun lang wer­den und wenigs­tens die längs­te Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke in Deutsch­land. Die Ein­wei­hung ist für Mit­te 2019 geplant.

In Bad Wild­bad, wo Eber­hardt eben­falls eine Hän­ge­brü­cke baut, geht der­weil alles viel schnel­ler. Das aber lie­ge vor allem dar­an, dass in Rott­weil die Ein­ma­lig­keit einer Ver­bin­dung direkt in eine his­to­ri­sche Innen­stadt geplant sei, so Brü­cken­bau-Pro­jekt­lei­ter Haag am Don­ners­tag. Außer­dem ist in Rott­weil aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit, aber auch der Trans­pa­renz ein Bebau­ungs­plan­ver­fah­ren gestar­tet wor­den. Ein auf­wän­di­ges.

Die Gut­ach­ten, die im Zuge die­ses Ver­fah­rens erstellt wer­den müs­sen, lie­gen größ­ten­teils schon vor. Haag gab sich am Don­ners­tag opti­mis­tisch, dass das Pro­jekt nicht mehr schei­tern wer­de.